Die Planung für den neuen Wohnmobil-Stellplatz vor dem Trimini trifft auf bauliche Bedenken. Trotz bereits erfolgter Zustimmung stehen die Verantwortlichen vor einer neuen Herausforderung. Ein Nachtragsgutachten soll Klarheit schaffen.
Kochel am See – Die Errichtung von 91 Stellplätzen für Wohnmobile vor dem Kochler Trimini lässt weiter auf sich warten. In der Gemeinderatssitzung am Dienstag wurde bekannt, dass das Landratsamt bauliche Bedenken hat wegen im Boden verlaufender Drainagerohre und deren Sanierung.
„Wohnmobil-Hafen“ vor dem Kochler Trimini: Viele offene Fragen
Zur Vorgeschichte: Im Januar 2022 hatte der Gemeinderat grünes Licht für den Bau von 91 Stellplätzen gegeben. Das Projekt ist umstritten, im Vorfeld hatte es Proteste von Bürgern gegeben. Bauherr des Stellplatzes ist die „BTC Bäder- und Thermen-Consult GmbH“, die mit der Kristallbäder AG, also dem Betreiber der Therme, verzahnt ist. Dort bezeichnet man das Projekt als „Wohnmobil-Hafen“. Geplant ist auch ein Sanitärgebäude mit öffentlichen Toiletten.
Das Kreisbauamt beschäftigt sich seit über zwei Jahren mit der Angelegenheit. Wie nun bekannt wurde, gibt es offene Fragen hinsichtlich des Sanierungskonzepts der ehemaligen Hausmülldeponie, das sich auch über diesen Bereich erstreckt. Viele Baumaßnahmen wurden, wie vom Landratsamt gefordert, in jüngster Zeit von der Gemeinde erfolgreich durchgeführt und abgeschlossen. Allerdings gibt es noch einen weiteren Bereich, in dem demnächst in einem zweiten Sanierungsabschnitt gearbeitet werden muss. Dieser hat sich jetzt zur Herausforderung für den Bau des „Wohnmobil-Hafens“ entwickelt.
Gespräch im Landratsamt mit allen hochrangigen Beteiligten
Wie Bürgermeister Jens Müller im Gemeinderat vor knapp 20 Zuhörern erläuterte, verläuft zum einen an besagter Stelle im Boden ein Drainagerohr. Es besteht die Befürchtung, dass dieses dem Druck der großen Wohnmobile nicht standhält. „Diese Fahrzeuge sind heute Gigaliner und wiegen schnell mal zehn, zwölf Tonnen“, sagte Müller. Außerdem müssen, vereinfacht erklärt, in diesem Bereich für die weitere, fachgerechte Entwässerung von der Berg-Seite noch weitere Drainagerohre verlegt werden. Diese Trasse dürfe man nicht überbauen, und die Leitungen sollten nicht durch große Lasten in ihrer Funktion gefährdet werden, so das Landratsamt, das sich dabei auf ein Gutachten von der Sanierungs-Fachfirma bezieht.
Im Zuge dessen hat es am Dienstagvormittag ein Gespräch im Landratsamt gegeben, bei dem alle hochrangigen Beteiligten an einem Tisch saßen, berichtete Müller. Mit dabei waren – neben ihm – Gerd Bittermann, Vorstandsvorsitzender der Kristallbäder AG, und der Aufsichtsratsvorsitzende Günther Beckstein. Auch Landrat Josef Niedermaier und leitende Mitarbeiter im Landratsamt saßen am Tisch.
„Diese Vorgehensweise gefällt mir überhaupt nicht“
Im Kern ging es um das Gutachten, das laut Therme „zu kritisch“ sei. „In diesem Bereich wurde immer schon mit schweren Fahrzeugen wie Räumdienst und Bussen über die Rohre gefahren“, berichtete Müller von dem Gespräch. Nun habe man sich darauf geeinigt, dass ein „Nachtragsgutachten“ erstellt werde, von der gleichen Firma, aber von einem anderen Gutachter. „Es gibt da schon ein paar Punkte, die kann man so sehen oder so“, sagte Müller auf Nachfrage unserer Zeitung. Das Landratsamt sei damit einverstanden und wolle dann nochmal über die Sachlage entscheiden. Es gehe darum, nachzuweisen, dass das Befahren keine negativen Folgen habe. Denn: Sollte es zu Komplikationen kommen, könnten der Gemeinde Kosten entstehen, und sogar Fördermittel im Zuge der Sanierung zurückgefordert werden. Damit es im Zuge des weiteren Verfahrens nicht noch weiter zu Verzögerungen kommt, wurde dem Gemeinderat vorgeschlagen, dem Nachtragsgutachten zuzustimmen, sollte das Landratsamt bei diesem keine weiteren Bedenken haben.
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„Diese Vorgehensweise gefällt mir überhaupt nicht“, sagte Sonja Mayer (Mitte). „Das ist ja vorauseilender Gehorsam.“ Sie sei schon damals gegen die Errichtung gewesen und ändere ihre Meinung nicht. Ähnlich äußerte sich Frank Sommerschuh (FW). Bettina Sindlhauser (Freie Bürger Ried) merkte an, dass es jetzt „also doch 91 Plätze“ werden. Zwischendurch sei nur von 80 Stellplätzen die Rede gewesen.
Kommentar: Wer hält davon den Kopf hin?
Ist das klug? Diese Frage stellt sich unweigerlich, wenn man sich anschaut, wie nun mit dem geplanten, umstrittenen Wohnmobil-Stellplatz am Trimini in einem weiteren Gutachten umgegangen wird. Der Thermen-Betreiber will natürlich die maximale Auslastung erzielen. Aus unternehmerischer Sicht ist das verständlich. Aber es hat schon ein Geschmäckle, wenn es jetzt nochmal ein Gutachten nach dem Gutachten geben wird – zumal man schon ahnen kann, wie es ausfallen wird. Und: Würde man einem privaten Häuslebauer das Gleiche zugestehen? Mit Sicherheit nicht. Hinzu kommt, dass die Gemeinde und das Landratsamt zum Wohl der Bevölkerung handeln müssen. Sprich: Platzt doch ein Rohr und entsteht Schaden, trifft es Umwelt und Steuerzahler. Wer hält dafür dann den Kopf hin? (Christiane Mühlbauer)
Die Abstimmung im Gemeinderat fiel dann am Ende äußerst knapp aus: Nur mit acht zu sieben Stimmen wurde diese Vorgehensweise gebilligt und Bürgermeister Jens Müller unterstützt. (müh)
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