„Keinen Cent für Werbung ausgegeben“ - In Hamburger Bar kostet Smoothie bis zu 20 Euro - Kunden stehen trotzdem Schlange

Der Trend wurde, wie die meisten heutzutage, auf der Plattform TikTok gesetzt. Ein paar Hamburger Influencerinnen, die ihre „elephants“-Becher in die Kamera hielten und es war um viele Frauen und Männer aus Hoheluft-Ost und anderen Stadtteilen geschehen. 

„Bisher keinen Cent für Werbung ausgegeben“

„Wir haben erst vor sieben Tagen aufgemacht“, berichtet Inhaber und Geschäftsführer Lennart Meier. „Ich habe ja damit gerechnet, dass das Thema gesunde Ernährung einen Nerv trifft, aber mit so einem Andrang habe ich niemals gerechnet.“ Bisher habe er keinen Cent für Werbung ausgegeben, sagt er.

Das Erfolgsrezept der Smoothie-Bar

Gemeinsam mit zwei Vollzeitmitarbeitern und drei Minijobbern steht der 30-Jährige seit einer Woche hinter der blau gefliesten Bar an der Hegestraße und mixt pausenlos Smoothies. Wer glaubt, die Zeit der pürierten und gemixten Früchte ist vorbei, liegt also falsch. Aber was macht die „elephants Superfood Bar“ so besonders? 

„Es hat sicherlich viel mit der Ästhetik zutun“, meint Lennart Meier. „Der Laden ist hübsch und die Marmorierung der Smoothies ist etwas Außergewöhnliches.“

Die wird, je nach Sorte, durch Bio- oder Kokosjoghurt, Spirulina oder andersfarbiges Fruchtpüree erreicht. „Außerdem hat jede der sieben Sorten eine Funktion – die Zutaten wie Collagen, Hyaluron oder Kupfer sind gut für Haut, Haare oder die allgemeine Gesundheit.“ 

Die Sorten haben Namen wie „Forever Young“ oder „Sports Club“. Die Zutaten sind laut Meier frisch oder tiefgefroren und es wird kein Zucker zugesetzt.

Bis zu 50 Minuten Wartezeit

Wer bestellt hat, muss meist noch eine halbe Stunde warten, bis das Getränk fertig ist – man war einfach nicht auf den großen Andrang vorbereitet. Einige Smoothies sind bereits ausverkauft, andere brauchen sogar bis zu 50 Minuten, bis sie fertig sind. 

Lennart Meier schickt die Kunden während der Wartezeit deshalb spazieren, erzählt er. Auffällig ist: Fast jeder, der den Laden mit einem marmorierten Getränk in der Hand verlässt, macht erst einmal ein Foto, bevor er trinkt.

Das sagen Kunden vor Ort zu den „Super-Smoothies“ 

Auch Justine und Oliver (beide 38) können der MOPO-Reporterin erst verraten, wie es ihnen schmeckt, nachdem sie sich gegenseitig mit dem Getränk in der Hand fotografiert haben. „Ich habe auf TikTok von den Smoothies erfahren“, sagt Justine. „Ich komme eigentlich aus Potsdam und wollte während meines Hamburg-Aufenthalts unbedingt einen probieren.“ 

Ihr Fazit nach den ersten Schlucken vom „Strawberry Bliss“: „Der Smoothie schmeckt mir sehr gut und die Zutaten sind sehr besonders, aber ich würde das nicht regelmäßig machen“, so Justine. Oliver mit einem „Blueberry Wonder“ in der Hand sieht das ähnlich: „Ist in Ordnung, aber für den Preis definitiv nichts für den Alltag.“

Je nach Zutaten sind sogar 20 Euro pro Getränk möglich

Ja, der Preis … „Dass wir einen stolzen Preis verlangen, wissen wir, und das bekommen wir auch als Feedback“, sagt Lennart Meier. Die Smoothies an sich kosten zwischen 9,50 und 12,90 Euro, für Extras wie MCT-, Collagen- und Protein-Pulver werden nochmal je zwei Euro berechnet, sodass man im Extremfall auf nahezu 20 Euro kommen könnte. 

„Vielleicht müssen wir noch mehr herausstellen, wie besonders die Zutaten sind, um den Preis zu rechtfertigen. In einem Strawberry Bliss sind beispielsweise um die 200 Gramm Erdbeeren. Das Collagen kostet 2,50 Euro pro Kunde und so weiter. Natürlich ist auch die Lage sehr teuer“, so der Inhaber.

Betreiber verfolgt ehrgeiziges Ziel

Er könne aber nachvollziehen, dass sich einige Menschen seine Smoothies nicht leisten können – egal, wie besonders die Inhaltsstoffe sind. „In Zukunft wollen wir unser Angebot noch mehr diversifizieren, insbesondere im Sommer“, sagt er. 

„Aktuell gibt es aber auch schon Kaffee und Energy Balls, die etwas weniger kosten.“ Meier sucht außerdem nach Mitarbeitern, um die Produktion auszubauen und die Wartezeiten erheblich verkürzen zu können.

Das Ziel des Unternehmers: Eine „Community“ rund um den Laden schaffen, wie er selbst sagt. „Wir organisieren jetzt schon Laufgruppen und geben Yoga- und Meditationskurse in unserem Geschäft. 

Wir wollen uns für einen gesünderen Lebensstil einsetzen, der völlig undogmatisch ist – weniger um 4 Uhr morgens aufstehen und Eisbaden gehen, mehr Spaß am Leben.“ Fakt bleibt, dass nicht jeder sich diesen Spaß leisten kann.

Von Pauline Reibe

Das Original zu diesem Beitrag "12 Euro und ewig warten: Warum sie diesem Smoothie-Laden trotzdem die Bude einrennen" stammt von Hamburger Morgenpost.