Die Bilder wirkten verstörend. Zwei Polizisten in Bergheim sollen einen Randalierer einen Tag vor Heiligabend mit rabiaten Methoden überwältigt haben. Einer der Beamten prügelte auf den Mann mit einem Schlagstock ein und verpasste ihm zwei Tritte, während sein Kollege den Rucksack des Opfers wegwarf und auf seinem Kopf eine Pfefferspraydose zertrümmerte. Anschließend nahmen die Beamten Martin D. (Name geändert) mit in die Gewahrsamszelle.
TikTok-Clip deutet auf unrechtmäßige Polizeigewalt hin
Anschließend schrieben die Polizisten eine Strafanzeige wegen Widerstands gegen Vollzugsbeamte. Offenbar ahnten die Anzeigenerstatter nicht, dass ein Anwohner die Prügelszene per Handy gefilmt hatte. Der Clip, der kurz nach dem Vorfall online auf TikTok kursierte, zeigte keine Widerstandshandlungen. Die Aufnahme deutete vielmehr auf unrechtmäßige Polizeigewalt hin. Daraufhin leitete die Vorgesetzte auf der Wache in Bergheim Ermittlungen gegen die beiden Polizisten ein.
Wie FOCUS online aus Ermittlerkreisen erfuhr, neigen sich die Nachforschungen in dem Fall dem Ende zu. Offenbar läuft das Verfahren auf eine Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung zu. Die tatverdächtigen Polizisten haben bisher zu den Vorwürfen geschwiegen. Der Bochumer Anwalt Michael Emde, der einen der beiden beschuldigten Beamten verteidigt, wollte sich nicht zur Verdachtslage äußern, sondern „erst einmal das Ergebnis der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen abwarten“.
Das mutmaßliche Opfer hatte Anfang Januar im Gespräch mit dem Kölner Stadt-Anzeiger seine Erlebnisse geschildert. Früher sei er Alkoholiker gewesen, „da gab es auch schon mal Probleme mit der Polizei“. Aber so einen Ausbruch von Gewalt habe er noch nicht erlebt, berichtete Martin D.
Opfer war wegen rechtsextremer Staatsdelikte polizeibekannt
Den Ermittlungen zufolge soll ein Streit mit seiner Freundin den Prügeleinsatz ausgelöst haben. Offenbar hatte der 40-jährige Arbeiter ordentlich dem Bier zugesprochen, als er seine Partnerin aufforderte, ihn in die gemeinsame Wohnung zu lassen. Die aber weigerte sich. Da begann Martin D. zu randalieren, vor der Haustür wurde er so laut, dass Nachbarn die Polizei riefen.
Die beiden Einsatzkräfte sprachen einen Platzverweis aus. Als der Arbeiter nicht gehen wollte, sollen die Polizisten ohne Vorwarnung zugeschlagen haben. In seinem Rucksack fanden sich einige Bierflaschen. Später dann sollen die Beamten in der Strafanzeige das Tatgeschehen verfälscht haben.
FOCUS-online-Recherchen haben ergeben, dass D. in der Vergangenheit bereits häufiger wegen rechtsextremer Staatsschutzdelikte bei Justiz und Polizei aktenkundig geworden ist. So erhielt er eine Geldstrafe wegen Volksverhetzung. Ferner wurde er wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen ebenfalls zur Kasse gebeten.
Zwei Anklagen sind bei Gericht noch anhängig, weil der Mann den Hitlergruß gezeigt haben soll. Bei der Polizei in Bergheim ist er bereits einschlägig als Querulant benannt. Aber sicherlich rechtfertigen die Vorstrafen keine Prügelattacken durch Polizeibeamten, die jetzt im Raum stehen.