„Jetzt ist Grenze überschritten“: Feuerwehr in Bayern fordert Konsequenzen nach Raser-Aktion

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Die Kochler Feuerwehr ist bei der Anfahrt zu schweren Unfällen am Kesselberg trotz Blaulicht von mehreren Motorrad-Rasern überholt worden. Die Ehrenamtlichen fordern Konsequenzen und wesentlich härtere Strafen.

Kochel am See - Der Kesselberg war am Samstag (13. September) erneut Schauplatz von schweren Unfällen. Der stellvertretende Feuerwehr-Kommandant Georg Allgäuer schilderte anschließend in den sozialen Medien, dass die Feuerwehr auf der Alarmfahrt zu diesen Einsätzen trotz Blaulicht, Martinshorn, Überholverbot und durchgezogener Linie von Motorradfahrern mit hoher Geschwindigkeit überholt wurde.

Die Kochler Feuerwehr wird selbst auf dem Weg zu Einsätzen von rücksichtslosen Motorradrasern überholt.
Die Kochler Feuerwehr wird selbst auf dem Weg zu Einsätzen am berüchtigten Kesselberg von Motorradrasern überholt. © Feuerwehr Kochel

„Wir fahren zu einem Unfall, die Raserei geht weiter“

„Das war nicht das erste Mal“, berichtete Kommandant Hubert Resenberger am Sonntag im Gespräch mit unserer Zeitung. An diesem Samstag sei es jedoch heftig gewesen. „Wir fahren zu einem Unfallort, und die Raserei geht weiter.“ Am Samstag sei am Kesselberg generell sehr viel los gewesen.

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Resenberger berichtet, dass es die Ehrenamtlichen auch schon erlebt hätten, dass Motorradfahrer, die zuvor einen Unfall mitansehen mussten, anschließend weiter rasten, als wäre nichts passiert. „Selbst, wenn es der eigene Spezl war“, sagt Resenberger fassungslos.

„Unsere Anfahrt zum Einsatz wird gefährdet“

Vize-Kommandant Georg Allgäuer wird in seinem Beitrag auf Facebook deutlich: „Wir leisten unseren Dienst freiwillig. Wir verlassen dafür unsere Familien, Arbeitsstellen oder unsere Freizeit – um anderen in Not zu helfen. Am Kesselberg sind wir vieles gewohnt: ungeduldige Autofahrer, genervte Radler, riskante Manöver. Aber wenn selbst unsere Anfahrt zum Einsatz durch solches Verhalten gefährlich gemacht wird, wird eine Grenze überschritten.“

Feuerwehr fordert harte Strafen für solche Raser

Was kann die Feuerwehr tun? „Wir haben schon überlegt, ob wir Dashcams installieren sollen“, sagt Kommandant Resenberger. Natürlich könne man die Raser anzeigen. Aber: „Das ist ein großer Aufwand für uns. Und die Strafen sind dann einfach nur gering.“ Das Ganze sei deshalb „ein Kampf gegen Windmühlen“. Bei der Feuerwehr wünscht man sich harte Strafen für solche Raser: „Wer Rettungsfahrzeuge im Einsatz überholt, dem sollte auf Lebenszeit der Führerschein entzogen werden“, fordert Resenberger.

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Wie groß ist die Frustrationstoleranz bei den Ehrenamtlichen? Wie ist die Stimmung im Team? „Durch die vielen Kontrollen der Polizei ist es ja generell schon besser geworden“, sagt der Kommandant mit Blick auf die Unfälle. „Aber wir haben ja auch noch die normalen Feuerwehr-Einsätze, zum Beispiel Brandalarm.“ Die Stimmung im Team sei gut, aber der Samstag war mal wieder „ein heftiger Tag“.

„Wir fahren nicht zum Spaß mit Blaulicht“

Auf Facebook endet Georg Allgäuer mit den Worten: „Jeder sollte sich bewusst machen: Wir fahren nicht zum Spaß mit Blaulicht – wir fahren, weil Menschenleben in Gefahr sind. Wer uns auf der Anfahrt behindert oder gar gefährdet, riskiert, dass Hilfe zu spät kommt. Bitte denken Sie daran, wenn Sie das nächste Mal am Kesselberg unterwegs sind. Ihre Rücksicht kann Leben retten – vielleicht auch Ihr eigenes!“

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