Das neue Bürgerhaus in Ohlstadt vereint Wohnen, Kultur und Gemeinschaft

  1. Startseite
  2. Lokales
  3. Garmisch-Partenkirchen
  4. Kreisbote

Kommentare

Über den Dächern von Ohlstadt: Der Kran hebt den Dachstuhl auf das neue Bürgerhaus. Eindrücklich wächst das künftige Herzstück des Dorfes empor. © Bartl

Bis vor kurzem war das „Grey Hill“ noch voller Leben. Eine Dorfkneipe, in der man sich zum Austausch, zum Reden und zum Feiern traf. Untergebracht war sie im geschichtsträchtigen Gebäude „Beim Wölfl“ im Herzen von Ohlstadt.

Ohlstadt – Das alte Bauernhaus blickte auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Über Generationen hinweg war es im Besitz verschiedener Wetzsteinmacher, ehe es später zur Heimat mehrerer Gaststätten wurde – zuletzt der Kneipe „Grey Hill“. Damit diente das Haus am Schwaigweg 1 über viele Jahrzehnte als sozialer Mittelpunkt im Dorf.

An diese Rolle knüpft nun auch das Neubauprojekt an. Wo einst das alte Gebäude stand, wächst heute eine kahle Ziegelsteinfassade in die Höhe. Kräne hieven Bauteile wie den Dachstuhl auf das dreigeschossige Gebäude, während das Dröhnen der Maschinen die Melodie des Neubaus bestimmt. Im kommenden Jahr soll an dieser Stelle ein Haus stehen, das vielfältige Aufgaben erfüllen wird, die das alte Gemäuer nicht mehr tragen konnte.

Ein Bürgerhaus entsteht

„Es ist ein klassisches Bürgerhaus – für alle Bürger und generationenübergreifend“, fasst Bürgermeister Christian Scheurer (CSU) die Pläne der Gemeinde zusammen. Nachdem der Vorbesitzer seine Idee, das Gebäude in Wohnungen umzuwandeln, aufgegeben hatte, nutzte Ohlstadt die Chance, eines der zentralsten Häuser im Ort zu erwerben.

Lange hat man überlegt, viele Meinungen eingeholt und verschiedene Ideen diskutiert, wie dieser fast schon historische Platz sinnvoll genutzt werden könnte. Es gab Überlegungen, seniorengerechte Wohnungen in dieser zentralen Lage zu schaffen, doch der Plan wurde verworfen, weil die Grünflächen für ein solches Projekt zu gering gewesen wären, erklärt Scheurer. Schließlich entstand der Wunsch, dem Dorf einen Mehrwert zu schenken, mit einem Gebäude, das verbindet und gleichzeitig erinnert. So entstand die Idee des neuen Bürgerhauses in Ohlstadt.

Acht Millionen Euro hat die Gemeinde für dieses Vorhaben eingeplant, mit dem ursprünglichen Plan, die drei Außenwände stehen zu lassen und nur den Rest abzureißen und zu erneuern, um Förderungen zu erhalten. Doch durch starke Regenfälle wurde das übrige Mauerwerk instabil und mussten ebenfalls abgerissen werden. Zum Vorteil der Gemeinde war dieses Risiko jedoch bereits mit den Fördergebern abgesprochen. Somit wirkt das Förderpaket, bestehend aus Förderungen für den kommunalem Wohnungsbau (0,5 Mio), dem Fremdenverkehr (0,1 Mio) und mit der größten Summe von knapp 2,4 Millionen aus Städtebauförderungen weiter, um das große Projekt zu stützen. Der restliche offene Betrag soll durch Entnahme aus der Rücklage und eine Kreditaufnahme gedeckt sein, während die Tilgungen und Zinsen schlussendlich durch die Mieteinnahmen refinanziert werden.

Christian Scheurer verdeutlicht die zukünftige Bedeutung des Bürgerhauses, indem er die verschiedenen Facetten des Projekts aufzählt. Im Erdgeschoss soll ein ein multifunktionaler Veranstaltungsraum mit Balkon, barrierefreie öffentliche Toiletten, eine Gästeinformation sowie der sogenannte Generationentreff, entstehen, der auch weiterhin den Namen „Grey Hill“ tragen soll. Im ersten Stock gäbe es drei barrierefreie Wohnungen und dazu einen großen Multifunktionsraum, etwa für Vereine. Im Dachgeschoss fände Gewerbeeinrichtungen Platz sowie eine Galeriefläche im Giebel. Neben drei Stellplätzen im Außenbereich sollen zwölf weitere in der Tiefgarage entstehen.

All diese verschiedenen Funktionen und Interessen in einem Haus zu vereinen und dabei einen Konsens zwischen allen Beteiligten zu finden, war eine große Herausforderung, wie der Bürgermeister erklärt. Gleichzeitig lobt er die starke Teamfähigkeit, die das Projekt getragen hat. Auch die äußere Gestaltung wurde bedacht: Die Frontansicht soll dem ursprünglichen Haus ähneln, mit den bekannten grünen Fensterläden. Der hintere Teil dagegen weist eine moderne Architektur auf, ein bewusstes Zeichen für die Zukunftsorientierung des Projekts. Zudem setzt man auf ökologische Bauweise: eine Photovoltaikanlage auf der Westseite des Daches sowie die Nutzung der Hackschnitzelanlage des benachbarten Bauernhofs sollen den „grünen Strich“ des Ganzen unterstreichen.

Das neue Herz von Ohlstadt

Das Bürgerhaus soll ein neuer Dreh- und Angelpunkt für das Dorfleben werden und zugleich bei Touristen einen guten Eindruck hinterlassen. Es wird kleinere Veranstaltungen ermöglichen, ohne den bereits bestehenden Gastronomien Kundschaft zu entziehen. So ist ein durchdachtes Projekt entstanden, das in die gemeinsame Zukunft Ohlstadts weist. Auf den Instagram- und Facebook-Accounts des Dorfes kann man den Baufortschritt regelmäßig mit verfolgen.

Stolz klingt mit, wenn der Bürgermeister über das Gebäude spricht, aber nicht als persönlicher Triumph. „Es ist keine Leistung des Einzelnen, sondern ein Gemeinschaftswerk. Verwaltung, Planer, Handwerker, alle haben ihren Teil beigetragen.“ Beim Rundgang über die Baustelle zeigt sich auch, dass alle beteiligten Firmen aus der Region stammen und den Bürgermeister freudig begrüßen. „ Es sei mehr als nur ein Bauprojekt für den Bürgermeister, „es ist ein schönes Gefühl, wenn man sieht, dass die Idee auf dem Papier nun Realität wird. Jeder, der daran beteiligt ist, darf stolz sein.“ Dieses Haus wird das neue Herz von Ohlstadt.

Mit dem Kreisbote-Newsletter und dem Kurier-Newsletter täglich zum Feierabend oder mit der neuen „Kreisbote“-App sowie der neuen „Kurier“-App immer aktuell über die wichtigsten Geschichten aus der Allgäuer Region informiert.

Auch interessant

Kommentare