Auftragsmord-Prozess: „Je weniger Du weißt“

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Seit zwei Monaten läuft der Prozess um den misslungenen „Auftragskiller-Mord“ in Odelzhausen. © mm

Aussage-Chaos im Prozess um den misslungenen „Auftragskiller-Mord“ in Odelzhausen. Drei der vier Angeklagten sagen plötzlich aus.

Odelzhausen – Zwei Monate hatten die vier Angeklagten vor dem Landgericht München II geschwiegen. Am gestrigen elften Verhandlungstag kamen plötzlich von drei von ihnen Einlassungen. Alle drei wiesen die Schuld von sich. Der Vorsitzende Richter musste komplett umdisponieren. Ein Wachtmeister schob noch einmal den Aktenkarren in den Sitzungssaal – die e-Akte wird erst im Herbst/Winter eingerichtet. Eigentlich hätte der geplante, sogenannte Sprungtermin zur Überbrückung der Ferien nur zur Verlesung einer Urkunde genutzt werden sollen.

Auf den 57-Jährigen eingestochen

Wie mehrfach berichtet, wird das Quartett bezichtigt, im Februar 2024 versucht zu haben, einen 57-Jährigen ermorden zu lassen. Initiatorin war angeblich die ein Jahr ältere Ehefrau des Mannes, die laut Anklage den Schwiegersohn (34) veranlasste, einen Auftragskiller zu beauftragen. Der 34-Jährige und die Tochter (29) der Ehefrau engagierten über einen bulgarischen Freundeskreis einen 33-Jährigen und brachten ihn nach Odelzhausen. In besagter Februarnacht schlug und stach der angeheuerte Bulgare im Garten der Eheleute auf den 57-Jährigen ein. Dank des raschen Eingreifens der Nachbarn überlebte der Mann die Attacke.

Grund für die brutale Attacke war angeblich Geldnot. Doch am Freitag bestritt die 58-jährige Ehefrau diese Vorhaltung. Sie sprach von Konten, auf die nur sie Zugriff habe und belastete ihren Ex-Ehemann: „Wenn es einem ums Geld ging, dann ihm“, sagte sie.

Vier geheime Schließfächer

Der Vorsitzende Richter Thomas Bott führte eine Besuchs-Überwachung in die Hauptverhandlung ein, in der die Angeklagte über vier geheime Schließfächer gesprochen hatte. „Es macht natürlich einen erheblichen Unterschied, ob sie noch über Mittel verfügen“, sagte Bott. Allerdings hätte das die Justiz auch gerne gewusst, ließ er sie noch wissen.

Laut der 58-Jährigen war es aber niemals um Mord gegangen. Sie hätte allenfalls ihrem Schwiegersohn zugestimmt, dass dem Ehemann einmal eine „übers Maul gehört“ hätte. Doch der 34-Jährige soll erwidert haben: „Schwiegermami, je weniger Du weißt, umso besser.“ Der Schwiegersohn selber hatte allerdings kurz davor über seinen Verteidiger erklären lassen, dass er nicht wusste, was passieren würde, als er den Mitangeklagten in besagter Februarnacht in die Nähe des Tatortes fuhr. Sein bulgarischer Bekannter habe später nur von einer Abreibung gesprochen. Und der so belastete Bulgare bestritt in einer Verteidiger-Erklärung jegliche Beteiligung. „Ich habe weder etwas gewusst, noch selber verübt. Ich befand mich im Haus der Geschädigten“, las sein Verteidiger vor. Im Übrigen stamme der 33-Jährige aus einer wohlhabenden Familie und habe sich nicht in Geldnot befunden, fügte der Anwalt noch hinzu.

Die Tochter bricht in Tränen aus

Nach den drei Einlassungen will nun auch die Tochter der Ehefrau am Montag eine Aussage machen. Sie wirkte angesichts der Schuldabweisungen der anderen völlig aufgelöst und weinte bitterlich.

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