24 Stunden lang inspizierte die Polizei bis Mittwochfrüh im Zuge des europaweiten Kontrolltags „Truck & Bus“ in Grasbrunn stichprobenweise den gewerblichen Verkehr. Die Quote der Beanstandungen liegt weit über 90 Prozent.
Grasbrunn - Wer durchgewunken wird, bei wem die Kelle mit der Leuchtaufschrift „Halt – Polizei“ runtergeht? Reine Erfahrungssache. „Wir triezen nicht die Anständigen, sondern uns geht es um die schwarzen Schafe“, erläutert Polizeidirektor Ernst Neuner. Der 54-Jährige leitet bei der Verkehrspolizei München den Bereich Verkehrsüberwachung – zu der zählte auch die Großkontrolle auf der B304 in Grasbrunn, auf Höhe der Kfz-Zulassungsstelle des Landkreises. 24 Stunden lang inspizierten die Beamten bis Mittwochfrüh im Zuge des europaweiten Kontrolltags „Truck & Bus“ stichprobenweise den gewerblichen Verkehr. „Die Quote der Beanstandungen“, berichtet Neuner, „liegt weit über 90 Prozent, weil wir die Fahrzeuge eben gezielt rausziehen.“
Für Gartenbaufirma ist Fahrt beendet
Für das Gespann einer Gartenbaufirma aus Riemerling ist die Fahrt an der Kontrollstelle beendet. Dass die TÜV-Plakette des Zugfahrzeugs seit zwei Monaten abgelaufen ist und die Hecktür des Transporters sich mangels Klappe nur mittels einer Schnur öffnen lässt: Das sind eher die kleineren Probleme. Auch, dass die Kippvorrichtung des mit Erde beladenen Anhängers defekt und nur mit einem Spanngurt gesichert war: noch kein kritischer Mangel. Aber die Sache mit der rosa Abreißleine des Anhängers, die diesen automatisch bremsen würde, wenn die Verbindung zum Zugfahrzeug eben abreißt – nein, dass sie nur lose angeknotet war, ein K.-o.-Kriterium: „Die Fahrt ist hier beendet“, sagte Einsatzleiter Michael Eigner. 180 Euro Bußgeld und ein Punkt in Flensburg kommen auf den Fahrer zu, das Doppelte für den Firmenchef in Riemerling. Denn der habe den Fahrer wissentlich in ein verkehrsuntaugliches Gespann gesetzt.
Oberste Prämisse ist die Verkehrssicherheit
„Oberste Prämisse“, betont Ernst Neuner am Rande der Großkontrolle, „ist die Verkehrssicherheit.“ Das gelte für Personen- wie Güterverkehr gleichermaßen, vom Schulbus bis zum 40-Tonner. Bei den Kontrollen haben die Beamten zwei Aspekte im Fokus: den Fahrer und das Fahrzeug.
Beim Fahrer an sich geht es um viele Aspekte: Passt der Führerschein zum Fahrzeug, sind Alkohol oder Drogen im Spiel, stimmt alles mit der Lenkzeit? In einem mobilen Büro, mit Laptops und Drucker für diverse Formulare, liest die Polizei die Daten aus. „Für alles, was gewerblich fährt, ist nach viereinhalb Stunden eine Pause fällig“, sagt Michael Eichner. Hinzu kommt das Tempolimit von 60 km/h auf der Landstraße – die B304, Ort der Kontrolle, werde auf der Strecke Salzburg – München gern als Mautumgehung der Autobahn genutzt. All das analysiert die Polizei, weshalb die Kontrolle eines Sattelzugs, auch wenn sonst alles okay ist, auch mal 45 Minuten dauern kann.
Diverse Verstöße geahndet
Der andere Aspekt, die Fahrzeuge an sich. Allein der Dienstagvormittag in Grasbrunn ergab diverse Verstöße: kaputte Bremsvorrichtung, mangelhafte Ladesicherung, umweltfeindliches Abgasverhalten, nicht funktionsfähiges Kontrollgerät, illegaler Radarwarner. Und ein Elektriker musste aus seinem in Griechenland zugelassenen Kastenwagen vor den Augen der Polizisten die hierzulande unerlaubten Tönungsfolien an den Seitenfenstern entfernen. Eher ein Nebenfang: ein seltsam verbeulter BMW, in dem beide Insassen nicht angeschnallt waren.
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„Reifen, Bremsen, Ladung, dazu Übermüdung, verbotene Aufputschmittel oder Alkohol, außerdem der passende Führerschein – all das kontrollieren wir“, sagt Polizeisprecher Michael Marienwald. Oder, ob die Ladungspapiere stimmen: Wurde beispielsweise Kies abends trocken geladen und es regnete nachts, muss der Lkw nochmals auf die Waage. Doch auch der Blick ins Auto geht tiefer: „Besteht der Verdacht auf Schwarzarbeit? Dafür haben wir die Kräfte vom Zoll dabei.“
Kuriose Fälle mit E-Scootern
Bei der Frage nach kuriosen Fällen erwähnt Einsatzleiter Michael Eichner die allgegenwärtigen E-Scooter. Deren Akkus müssen ja aufgeladen werden, was in der Praxis per Vor-Ort-Austausch geschehe. „Diese Lithium-Ionen-Akkus werden massenweise in umgebauten Caddys ungesichert in besseren Einkaufskisten transportiert, manchmal 600 Kilo ohne adäquate Verpackung der Ladung.“ Die sei in dieser Größenordnung ein Gefahrgut: „Deshalb sind schon Lagerräume ausgebrannt.“ Für einen Augsburger Transporter mit Dämmstoff-Elementen geht es an diesem Kontrolldienstag nach 30 Minuten weiter. Papiere okay, Ladung ordnungsgemäß gesichert. „Hier passt alles, gute Weiterfahrt.“ Leider eher die Ausnahme.