Der Glück-Auf-Saal in Hausham war voll besetzt bei der Podiumsdiskussion der Bürgermeisterkandidaten. Alle drei Bewerber zeigten sich gut vorbereitet und sehr engagiert.
Hausham –Das Interesse war groß an der ersten von fünf Podiumsdiskussionen unserer Zeitung zur Kommunalwahl. Bald nach dem Einlass waren in Hausham die letzten Stühle im Glück-Auf-Saal belegt. Dort saßen die drei Bürgermeisterkandidaten auf der Bühne, die sich für die Nachfolge von Amtsinhaber Jens Zangenfeind bewerben: Martin Reisberger (CSU), Johann Harraßer (FWG) und Michael Ertl (SPD).
Auch auswärtige Gäste waren gekommen – darunter einige Bürgermeisterkandidaten aus anderen Gemeinden, die sich das Format schon mal aus der Nähe anschauen wollten. Zu sehen bekamen sie drei gut vorbereitete Männer, die alle ihre Punkte setzen konnten. Vor allem aber drei Haushamer, die für ihre Heimatgemeinde brennen. Das gab den laut Blitzumfrage von Moderator und Redaktionsleiter Stephen Hank noch vielen unentschlossenen Wählern das angenehme Gefühl, dass ihr Kreuzchen bei allen drei Bewerbern gut aufgehoben wäre.
20 Jahre Kämmerer, seit 2024 Geschäftsleiter: Martin Reisberger (CSU) kennt das Haushamer Rathaus wie sein Wohnzimmer. Nur logisch, dass der 54-Jährige seine Erfahrung wie eine Trumpfkarte immer wieder ausspielte. Reisberger war sicher in den Zahlen und Abläufen, schätzte die Finanzlage der Gemeinde als ernst, aber keinesfalls zum Stillstand verdammt ein. Die Frage nach seiner Verantwortung in den vergangenen Jahren beantwortete der Routinier damit, dass der politische Wille im Gemeinderat ausschlaggebend gewesen sei. In Zukunft müsse sich Hausham aber auf die Pflichtaufgaben fokussieren. Von Realismus geprägt waren demnach auch Reisbergers Aussagen zum Bergwerksmuseum („Da fehlt mir die Fantasie“) und zum Verkehr in Agatharied (selbst das zuständige Straßenbauamt habe keine wirkliche Idee). Er wolle aber den bestehenden Arbeitskreis Rad zum Steuerkreis Verkehr „aufbohren“, das Leerstandsmanagement im Ort zur Chefsache machen sowie gute Ideen zur Ortsentwicklung „aus dem Dornröschenschlaf wecken“.
Auch wenn es im Gemeinderat keinen Fraktionszwang gibt und er selbst erst seit sechs Jahren im Gremium sitzt: Als FWG-Ortsvorsitzender wird Johann Harraßer nahezu automatisch mit Amtsinhaber Jens Zangenfeind in Verbindung gebracht. Einen Vergleich würde er nicht schlimm finden, beteuerte der 41-Jährige. „Erst recht nicht, wenn ich es so gut mache wie er.“ Harraßer zog sich aber nicht darauf zurück, die Politik der vergangenen zwölf Jahre hochzuhalten. Ob als Vereinsvorsitzender, junger Familienvater oder Entwicklungsingenieur bei einem internationalen Unternehmen: Harraßer vermittelte Weitblick und Reflektiertheit – und dass er sich bereits tief in die Materie eingearbeitet hat. Die Investitionen der vergangenen Jahre seien dank niedriger Zinsen zu einem „klugen Zeitpunkt“ getätigt worden, Veränderungssperren seien ein probates Mittel zum Erhalt von Gewerbeflächen, beim Verkehr müsse man „Chancen suchen und am Ball bleiben“. Auch kleinere Maßnahmen könnten die Aufenthaltsqualität im Ort verbessern.
Weder in der Fraktion des Amtsinhabers, noch in leitender Funktion im Rathaus: Die meiste „Narrenfreiheit“ hatte der Elferrat in der Runde, Michael Ertl (SPD). Und die nutzte der 44-Jährige geschickt. Er mahnte zum Pragmatismus bei den Investitionen, zeigte mit konkreten Beispielen, wie sich auch mit wenig Geld viel erreichen lässt – und wo das Sparen gar nicht wehtut. Vor allem aber überraschte Ertl immer wieder mit neuen, frischen Aspekten: Das Volksfest sei auch ohne Feuerwerk schön, bei den Freizeitangeboten dürfe man die Senioren nicht vergessen, beim ÖPNV brauche es eine Stärkung der innerörtlichen Verbindungen, etwa mit einem Rufbus. Gegen den Stau auf der B307 könne man eine zu Stoßzeiten veränderte Ampelschaltung in Miesbach ausprobieren. Sein Herz fürs Gewerbe war beim Inhaber eines Malereibetriebs stets spürbar. Als Bürgermeister werde er einen Unternehmerstammtisch und eine Jobbörse ins Leben rufen, kündigte Ertl an. Wohnraum für Einheimische könne man auch mit Sanierung und Ausbau des Altbestands schaffen.
Bei den auflockernden Fragen wussten alle drei Kandidaten mit Spontaneität zu überzeugen. Ertl wählte den Eiffelturm als Faschingskostüm, der gelernte Bäcker Reisberger verglich sich mit einem Hefezopf – und Harraßer kürte den Moderator als Promi für ein Selfie. Sattelfest schlugen sich die Kandidaten auch beim Quiz über Daten und Fakten der Gemeinde – Harraßer beantwortete sogar alle fünf Fragen richtig. In den Schlussplädoyers, die Ertl und Harraßer im Stehen ans Publikum richteten, machten die Bewerber glaubhaft, dass sie gemeinsam mit den Bürgern etwas für Hausham bewegen möchten.
Zangenfeind hatte an diesem Abend wohl die für ihn ungewohnteste Rolle: Er war zum Schweigen verdammt. Auch wenn ihm das nicht immer leicht gefallen sei, gehe er mit gutem Gefühl nach Hause, meinte der FWG-Landratskandidat auf Nachfrage: „Spätestens jetzt weiß ich, dass die Gemeinde weiter in guten Händen sein wird.“
Die besten Zitate
„Sie wählen sich also gegenseitig.“
Moderator Stephen Hank zu den Kandidaten, die per Handzeichen bekannten, ihre Wahlentscheidung schon getroffen zu haben.
„Das flutscht schon – wenn die Leute wissen, wie sie fahren müssen.“
Martin Reisberger zum neuen Bahnübergang.
„Heute versprechen sie einem was und morgen wissen sie nicht mal mehr, dass sie einen kennen.“
Michael Ertl zu Verhandlungen mit der Deutschen Bahn.
„Das Ehrenamt ist ein wahnsinniger Multiplikator für unser Geld.“
Johann Harraßer über die Unterstützung von Vereinen und Rettungsorganisationen.
„Bevor man einen Paragrafen sucht, um etwas zu verhindern, sollte man erst einen finden, um es zu ermöglichen.“
Reisberger über eine bürgerfreundliche Verwaltung.
„Ohne Rücklagen kann man sich keine neue Waschmaschine kaufen, wenn die alte kaputt ist.“
Ertl mahnt zum sparsamen Wirtschaften.
„Es muss nicht von jedem alles gesagt werden.“
Harraßer über seine zurückhaltende Art im Gemeinderat.
„Ich bin es gewohnt, aus Notfällen spontan das Beste zu machen.“
Ertl erklärt, was er bei der Bergwacht fürs Bürgermeisteramt gelernt hat.
„Hauptsache Ehrenamt.“
Hank, nachdem er Ertl versehentlich der Feuerwehr statt der Bergwacht zugeordnet hat.
„22 Jahre legt man nicht so einfach auf die Seite.“
Ertl über die Entscheidung, seinen Betrieb beim Wahlsieg in andere Hände zu geben.
„Ich möchte meinem Sohn vermitteln, dass es wichtig ist, Verantwortung zu übernehmen.“
Harraßer über die Entscheidung, als Vater eines Einjährigen als Bürgermeister zu kandidieren.
„Die hängt eh schon schief, das wird sich bald von allein erledigen.“
Ertl über die umstrittene Schranke an der Fußgängerbrücke am Volksfestplatz.
„Ich kann Musi machen. Und Schuhplatteln.“
Reisberger auf die Frage, was ihn von den anderen Kandidaten unterscheidet.
„Ganz offensichtlich das junge Alter.“
Harraßer auf dieselbe Frage.
„Hausham ist das Bergwerk.“
Ertl über die Bedeutung des Erhalts der Ortsgeschichte.
„Förderverfahren machen keinen Spaß.“
Reisberger über komplexe Zuschussanträge.