Beim ersten Seifenkistenrennen des Burschenvereins Aying ging‘s direkt rasant zur Sache. Auch Bürgermeister Peter Wagner startete im Unimog-Gefährt.
Aying - Sie stehen einfach auf Tempo: Klaus Wagenstetter und seine Frau Monika Weinbeck sind passionierte Seifenkisten-Rennfahrer. Das Paar aus Forsting ist auf rund zehn Rennen im Jahr dabei, erzählt Wagenstetter. Der heute 75-Jährige ist zwölf Jahre Autorennen gefahren, seine Frau (67) fuhr früher Motorrad, vor allem Moto-Cross. „Zum Seifenkistenrennen kamen wir vor 18 Jahren über unsere Kinder“, erzählt Wagenstetter. „Die haben irgendwann aufgehört, wir sind dann dabei geblieben.“
Aying am Samstagmittag. Seifenkistenrennen, veranstaltet vom hiesigen Burschenverein. Austragungsort ist die Kaltenbrunner Straße, abschüssig und kurvig, also ideal zum Tempomachen. Anian Maierhofer ist, eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn, noch ordentlich am Organisieren. Alle paar Minuten klingelt sein Handy, Kleinigkeiten wollen koordiniert sein, eine Beschriftung für die Toiletten fehlt zum Beispiel noch. „Dieser Kleinkram hält einen ganz schön auf.“ Maierhofer (20) ist seit Februar Vorsitzender des Ayinger Burschenvereins. „Das ist die erste Rallye, die wir hier veranstalten“, sagt er. 15 Teams haben sich zur Seifenkisten-Premiere angemeldet, das Teilnehmerfeld war von vorneherein auf 30 limitiert. „Sicher ist sicher, wenn mehr kommen, ist das hier zeitlich gar nicht zu stemmen“, sagt Maierhofer. Seit April haben er und sein Team die Veranstaltung geplant. Warum gerade Seifenkistenrennen? „Keine Ahnung, die Idee war plötzlich da.“ Unterstützung gab es für das Projekt reichlich: Die ortsansässige Brauerei hat die Preise gestiftet (1. Platz: 30-Liter-Fass Bier; 2. Platz: zwei Tragerl Bier). „Für Platz 3 gibt’s Ruhm und Ehre“, sagt Maierhofer und lacht.
Anregungen für seine Veranstaltung hat sich der Burschenverein im Mai unter anderem beim Seifenkistenrennen in Oberhaching geholt. „Wir haben geschaut, was können wir besser machen.“ Überhaupt ist Maierhofer mächtig stolz auf die knapp 600 Meter lange Kaltenbrunner Piste. „Dagegen war Oberhaching ein Kindergeburtstag“, mahnt er die Teilnehmer bei einer kurzen Besprechung. Heißt: „Hier kommt man locker auf 60 Kilometer pro Stunde.“ Nicht umsonst ist der Auslauf nach dem Ziel gut 80 Meter lang, für ein sicheres Ausrollen. Die Fahrbahnränder sind mit Strohballen gepolstert. Und Streckenposten achten darauf, dass keine der zahlreichen Zuschauer plötzlich über die Rennstrecke laufen.
Erfahrene Seifenkisten-Piloten wie Klaus Wagenstetter schätzen sogar, dass hier „locker 80 km/h drin sind“. Er wird nach zwei Wertungsabfahrten auf Platz 5 landen, seine Frau auf Platz 2. 46 Sekunden hat sie für die Strecke gebraucht. Schnellster Fahrer ist Leonhard Oswald aus Esting (Kreis Fürstenfeldbruck).
Gaudi und einfach mitmachen: Das dürfte für Bürgermeister Peter Wagner (CSU) hier entscheidend sein, der ebenfalls beim Rennen an den Start geht. Sein orangefarbener Gemeinde-Unimog strahlt eher Solidität denn Geschwindigkeitsrausch aus. „Ich fahre sowas zum ersten Mal.“ Als vorgezogene Wahlkampfaktion zur Kommunalwahl im kommenden Jahr will er es nicht verstanden wissen. „Ist doch toll, dass hier was los ist“, sagt er. „Die Gemeinde unterstützt uns hier schon ordentlich“, betont Burschen-Chef Maierhofer.
Gestartet wird von einer Holzrampe. Die hat eine Neigung von 17 Grad, Helfer schieben die Fahrzeuge samt Fahrer rauf, ein Mechanismus blockiert die Hinterräder, per Hand wird der zum Start gelöst – und die Fahrzeuge schießen auf die Strecke. Zwei Testläufe sind angesetzt, die Teilnehmer sollen sich mit der Piste vertraut machen. Wann muss ich bremsen, wann wie lenken?
„Die Räder von so einer Seifenkiste müssen leicht sein“, erklärt Renn-Spezialist Klaus Wagenstetter. Und es schade nicht, wenn das Gefährt einiges an Gewicht auf die Straße bringt. Zusätzlicher Ballast ist aber laut Rennordnung verboten. Und unterwegs bremsen? Wagenstetter lächelt: „Möglichst nicht.“