50 Jahre Jugendhaus an der Würm

  1. Startseite
  2. Lokales
  3. Würmtal
  4. Gräfelfing

Kommentare

Das Jugendhaus an der Würm residiert in einem alten Bauernhaus, dem früheren Lischka-Hof, den die Gemeinde Gräfelfing 1973 erwarb und in den Folgejahren sanieren und baulich anpassen ließ. © Dagmar Rutt

Das „Freizi“, wie das Jugendfreizeitheim an der Würm in Lochham heißt, wird 50. Und da von Midlife-Crisis bei der jung gebliebenen Einrichtung nichts zu spüren ist, gibt es am Wochenende eine fröhliche, zweitägige Geburtstagsparty, zu der jeder willkommen ist. Wie immer im Freizi.

Die ersten Exemplare eines „VW Golf“ genannten, eckig geratenen Käfer-Nachfolgers sorgten für Aufsehen, und der Ford Capri war der Renner. Die Neue Deutsche Welle war noch unbekannt, man trug die Haare vorne kurz und hinten lang, die Hosen oben eng und unten weit. Es gab keine Videorekorder, keine Computer, keine Handys und kein Internet. Jugendliche mussten sich treffen, um gemeinsam Zeit zu verbringen. Zeit hatten sie mehr als heute – doch es fehlte am geeigneten Ort. „Die Notwendigkeit, der Bedarf, die Stimmung danach, für die Jugend etwas zu schaffen, lag in der Luft“, erinnert sich der damals junge Gräfelfinger Bürgermeister Eberhard Reichert im Merkur-Gespräch.

Getragen von einer breiten Mehrheit im Gemeinderat, die sich in Anträgen von Bürgerverein über IGG und CSU bis zur SPD dokumentierte, gelang es Reichert in längeren Verhandlungen, den leer stehenden Lischka-Hof in Alt-Lochham für die Gemeinde zu erwerben – einer seiner ersten kommunalpolitischen Erfolge. Der Hof war malerisch auf einem großen Grundstück direkt an der Würm und der Lochhamer Straße gelegen, jedoch dringend sanierungsbedürftig. 1974 beauftragte die Gemeinde einen Architekten mit Planungen für die Jugendfreizeitstätte.

Bemerkenswert: Im selben Jahr bereits schloss die Gemeinde mit dem Kreisjugendring (KJR) einen Vertrag über die Betriebsführung der künftigen Freizeitstätte. Der KJR war also vom ersten Tag an begeistert dabei – und ist es bis heute. Gleichwohl wurde es ein Stolperstart. Nach einer ersten, vielleicht auch übereilten Eröffnung der Freizeitstätte am 8. März 1975, wurde sie zum Jahresende bereits wieder geschlossen. Das pädagogische Konzept war eher lieb gemeint als professionell durchdacht, und die Jugendlichen nutzten die neuen (Frei)Räume nach eigenem Gusto. Es gab wilde Partys, eklatante Beschädigungen, und der Gemeinderat zog die Reißleine.

Ganz anders nach der Wiedereröffnung im April 1976. Seither ist das Jugendhaus an der Würm – eines der ersten im Landkreis München – eine ungebrochene Erfolgsgeschichte oder, wie Eberhard Reichert es sagt: „Ein einziges Vergnügen.“ Die Jugendlichen nahmen das Haus an, trafen sich hier unabgesprochen, verbrachten ihre Freizeit gemeinsam, feierten abends und vor allem an den Wochenenden.

Die KJR-Mitarbeiter wurden über die Jahrzehnte nicht müde, das Haus den sich ändernden gesellschaftlichen Bedingungen, Ansprüchen und Bedarfen anzupassen. Das Jubiläums-Motto „Von cool bis kultig“ beschreibt die vielen unterschiedlichen Aspekte, die das Freizi anspricht. Für jeden bedeutet dieser Ort etwas anderes: Ein zweites Zuhause, spannende Ferienprogramme, tolle Faschings- und Halloween-Partys für die Schüler der Gräfelfinger Schulen, ein Ort zum Reden und Freunde-Treffen, Möglichkeit zum Kreativ-Sein, Konzerte, Bandproben, Feiern. „In jedem Fall ein Platz zum Wohlfühlen und ein Grund, dieses Jubiläum gebührend zu feiern“, heißt es in einer Pressemitteilung des KJR.

Herzstück des Hauses ist nach wie vor der „Offene Treff“, zu dem Jugendliche ohne Anmeldung kommen und ihre Zeit verbringen können. „Durch die gesellschaftlichen Entwicklungen und die Veränderungen in der Lebenswelt der Jugendlichen ist die Offene Kinder- und Jugendarbeit mittlerweile ein wesentlicher außerschulischer Bildungsort“, erklärt Sabine Kraus, Sozialraumleitung des KJR. „Die Jugendlichen haben jetzt ein anderes Freizeitverhalten und andere Themen. Darauf reagiert die Offene Kinder- und Jugendarbeit. Nicht mehr das Jugendhaus alleine ist wichtig, sondern auch alle anderen Orte, an denen Jugendliche sich aufhalten.“ Die Folge seien eine stärkere Vernetzung und viele Kooperationen mit den Schulen und anderen Institutionen im Sozialraum.

Bürgermeister Peter Köstler begrüßt die Entwicklung ausdrücklich. „Dass unsere Kinder und Jugendlichen in allen Schulferien ein abwechslungsreiches und professionelles Programm genießen können, verdanken wir dem Kreisjugendring“, so Köstler. „Gräfelfing ist dabei die Gemeinde mit den meisten KJR-Mitarbeitern – zurzeit sind hier insgesamt 70 Personen in Voll- und Teilzeit beschäftigt.“

Jugendhaus-Leiter Florian Witschas stellt in einer Veröffentlichung der Gemeinde fest: „Unter der Woche und am Nachmittag sind wir Wohnzimmer und Treffpunkt für Teenies und Jugendliche im Alter von 12 bis 27.“ Das Jugendhaus biete Raum für Spiele aller Art, Bandproben, Tonaufnahmen oder Tanztrainings. Im Garten könne man Ball spielen „oder einfach im Liegestuhl entspannen“. Am Wochenende sei das Freizi auch Konzertstätte und Partylocation. Witschas: „Der Philosophie des Hauses entspricht es, die Eigeninitiative der Kinder und Jugendlichen zu fördern. Wir möchten hier als Gegenpol zu Schule und Kursen einen Freiraum schaffen.“

Ein Organisationsteam hat für die Feier des Jubiläums ein zweitägiges, vielfältiges und kostenloses Programm zusammengestellt, zu dem jeder willkommen ist.

Auch interessant

Kommentare

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/lokales/wuermtal/graefelfing-ort28743/50-jahre-jugendhaus-an-der-wuerm-93730354.html