„Es geht um Existenzen“: Schock für über 100 Mitarbeiter – Autozulieferer macht Standort in Bayern dicht

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Der französische Konzern schließt die Entwicklungsabteilung komplett. Nur 40 Beschäftigten wird ein Wechsel nach Erlangen angeboten. Die IG Metall spricht von einem „Skandal“.

Bad Neustadt – Der französische Autozulieferer Valeo schließt seinen Standort in Bad Neustadt an der Saale komplett. Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, erfuhren die Mitarbeiter heute von dem dramatischen Schritt, der das Aus für die noch verbliebene Entwicklungsabteilung bedeutet.

IG Metall-Flaggen
Die IG Metall kritisiert die Schließungspläne von Valeo in Bad Neustadt. (Symbolbild) © Thomas Banneyer/dpa

Drastischer Stellenabbau nach jahrelangem Schrumpfkurs

Während am Standort früher noch mehr als 500 Menschen arbeiteten, waren zum Jahreswechsel nur noch 183 Mitarbeiter beschäftigt. Die Produktion hatte Valeo bereits vor einigen Jahren eingestellt. Von den verbliebenen Beschäftigten verlieren nun mindestens 143 ihren Arbeitsplatz. Lediglich 40 Mitarbeitern soll ein Wechsel nach Erlangen angeboten werden, das rund 140 Kilometer entfernt liegt.

Valeo begründet die Schließung mit der schwierigen Lage der Automobilindustrie und dem hohen Wettbewerb aus dem Ausland. Das Unternehmen sehe sich gezwungen, seinen Forschungs- und Entwicklungsansatz anzupassen und die Aktivitäten in größeren Zentren zusammenzufassen. Der größere Standort in Erlangen soll durch die Verlagerung gestärkt werden.

IG Metall spricht von „Skandal“ – Betriebsrat unter Schock

Scharfe Kritik kommt von der Gewerkschaft IG Metall. „Diese Entscheidung ist ein Skandal und ein Schlag ins Gesicht der verbliebenen Beschäftigten, die mit Herzblut am Erhalt des Standortes gearbeitet haben“, sagt Reiner Gehring von der IG Metall. „Statt gemeinsam nach Lösungen zu suchen, will sich das Unternehmen aus der Verantwortung ziehen.“

Die IG Metall sieht sich in ihren Befürchtungen bestätigt. Mit der Entscheidung trete „genau das ein, was wir bereits Ende 2023 prophezeit hatten. Wir haben klar gesagt: Ein Entwicklungsstandort ohne dazugehörige Produktion wird in diesem Konzern keine Zukunft haben“, so Gehring weiter. Der Arbeitgeber habe dies damals aber noch vehement bestritten.

Auch die Belegschaft steht unter Schock. „Diese Nachricht ist ein Schock für uns. Es geht um Existenzen“, sagt die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Jessica Reichert. In der Belegschaft sei jedem die Bestürzung anzusehen.

Landrat kündigt Hilfe für betroffene Mitarbeiter an

Das Landratsamt Rhön-Grabfeld kommentierte die Entscheidung als schweren Schlag für den Industriestandort und den ländlichen Raum in Bayern. Der „schleichende Abbau von Industriearbeitsplätzen im Bereich Automotive und Maschinenbau“ erfordere „gewaltige Gegenanstrengungen bundesweit, von der Bayerischen Staatsregierung, den Verantwortlichen vor Ort und den Beschäftigten“. Landrat Thomas Habermann kündigte an, „mit aller Kraft nach zeitnahen Zukunftsperspektiven für die betroffenen Beschäftigten“ zu suchen.

Wann genau die Schließung vollzogen werden soll, ist noch offen. Ein Valeo-Sprecher gab keinen genauen Zeithorizont bekannt, geht aber davon aus, dass vieles im laufenden Jahr passieren werde. Die Zahlen könnten sich allerdings noch ändern, betonte er.

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