Leser: "Wir haben früher auch alles auf den Kopf gehauen und nichts bereut"

Ein Bericht über deutsche Urlauber, die in Ischgl trotz hoher Preise ausgelassen feiern und viel Geld ausgeben, hat unter den Lesern eine intensive Debatte ausgelöst. Die Kommentare reichen von klarer Zustimmung zur individuellen Konsumfreiheit über deutliche Kritik an Preisniveau und sozialer Abgrenzung bis hin zu grundsätzlichen Sorgen um wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen. Der folgende Überblick bündelt die zentralen Leserhaltungen und ordnet sie in den aktuellen wirtschaftlichen und sozialen Kontext ein.

Zustimmung zu freiem Geldausgeben

Ein großer Teil der Leser findet das im Artikel geschilderte Konsumverhalten deutscher Urlauber in Ischgl in Ordnung. Für sie ist ausschlaggebend, dass es sich um privat verdientes Geld handelt und dessen Verwendung in der Verantwortung des Einzelnen liegt. Luxus, Partys und hohe Ausgaben werden als legitimer Ausdruck von Lebensfreude gesehen. Mehrfach wird betont, dass diese Form des Konsums weder staatliche Leistungen beanspruche noch anderen schade. Zudem verweisen viele auf wirtschaftliche Effekte: Gastronomie, Hotellerie und Dienstleister profitierten direkt von der Zahlungsbereitschaft der Gäste. Implizit richtet sich diese Haltung gegen moralische Bewertungen oder Forderungen nach Zurückhaltung. 

"Na und? Wo ist denn nun das eigentliche Problem? Richtig - es gibt keins! Erstaunlich und auch logisch die Aussage bzgl. der Unruhestifter: Es gibt dort keine! Ist wie beim Golfen: Es ist eine andere (schöne) Welt!"  Zum Originalkommentar

"Was ist denn daran besonderes? Wer es hat, soll es ausgeben. Die Konjunktur freut und braucht es."  Zum Originalkommentar

"Jeder so, wie er möchte und kann. Leben und leben lassen."  Zum Originalkommentar

"Wer das ganze Jahr gearbeitet hat, um Geld zu verdienen, der hat auch das Recht, sein Geld auszugeben - und zwar so, wie es ihm beliebt. Dank der deutschen Politik werden sich die kleineren Brötchen bald massiv von alleine backen. Aber es gibt keinen Grund, jetzt schon der linken Verzichtsideologie zu frönen. Das werden wir früh genug bekommen..."  Zum Originalkommentar

Kritik an hohen Urlaubskosten

Eine fast ebenso große Gruppe äußert deutliche Vorbehalte gegenüber den Preisniveaus in Ischgl. Die genannten Summen für Unterkunft, Verpflegung und Freizeitangebote gelten als überzogen und stehen aus Sicht dieser Leser in keinem angemessenen Verhältnis zur Leistung. Teilweise wird von bewusster Abschöpfung zahlungskräftiger Gäste gesprochen. Die Kritik geht über persönliche Sparsamkeit hinaus und zielt auf strukturelle Effekte: Ein solcher Preistrend fördere soziale Abgrenzung und schließe breite Bevölkerungsschichten vom klassischen Skiurlaub aus. Vergleiche mit günstigeren Alternativen in anderen Alpenregionen oder im Ausland unterstreichen diese Argumentation.

"Lange bekannt, dass man in Österreich abgezockt wird. Und wer will, der soll und wird das alles gerne bezahlen."  Zum Originalkommentar

"Ich finde die Preise fürs Skifahren mittlerweile krank, aber gut, wer kann und will, bitte schön. Ich kenne noch Ischls (ab 1968), da war da noch die Welt noch in Ordnung, und damals hat’s kaum einer gekannt, und natürlich sind damals wesentlich weniger Menschen Ski gefahren." Zum Originalkommentar

Kritik an sozialer Ungleichheit 

Ein kleinerer, aber klar umrissener Teil der Kommentare rückt Fragen sozialer Gerechtigkeit in den Mittelpunkt. Der luxuriöse Skiurlaub dient hier als Symbol wachsender Ungleichheit. Leser verweisen darauf, dass viele Menschen mit niedrigen Einkommen oder geringen Renten von solchen Formen des Konsums vollständig ausgeschlossen seien. Der Kontrast zwischen ausgelassenem Feiern und finanziellen Sorgen großer Bevölkerungsteile wird als gesellschaftlich problematisch empfunden. Diese Haltung knüpft an breitere Debatten über Kaufkraftverluste, Inflation und steigende Lebenshaltungskosten an.

"Nur an die armen Rentner mit weniger als 1000 Euro Rente im Monat denkt keiner."  Zum Originalkommentar

"Das Ganze wird sich über kurz oder lang von ganz alleine regeln. Wenn sich nur noch Akademiker das leisten können, kommen die Damen und Herren von Ischgl & Co. wieder auf den Boden zurück bzw. auf die Alm."  Zum Originalkommentar

Sarkasmus zur Urlaubermentalität

Ein Teil der Leserschaft begegnet dem Thema mit Ironie und spöttischer Distanz. Der Party- und Konsumfokus wird überspitzt kommentiert, um die Absurdität hoher Ausgaben für kurzfristiges Vergnügen herauszustellen. Hinter dem Humor verbirgt sich jedoch häufig eine kritische Haltung gegenüber einer Mentalität, die Probleme und Krisen durch Konsum zu verdrängen versucht.

"Feiert, bis Bonanza kommt. In ein paar Jahren ist es vorbei. Dann gibt es Bier von Aldi."  Zum Originalkommentar

"„Kuhstall-Chef über Deutsche in Ischgl: „Sie kommen, um ihre Krise zu vergessen“. Dazu werden sie sicher nicht nach Österreich reisen, die Deutschen. Hat Deutschland einen Schnupfen, wird Österreich demnächst an einer schweren Grippe leiden ..."  Zum Originalkommentar

Kritik an politischer und wirtschaftlicher Lage

Vereinzelt nutzen Leser das Beispiel Ischgl, um auf wirtschaftliche und politische Unsicherheiten hinzuweisen. Der luxuriöse Urlaub wird dabei als Momentaufnahme gesehen, die nicht über strukturelle Probleme hinwegtäuschen könne. Hinweise auf Insolvenzen, industrielle Schwächen und energiepolitische Entscheidungen dienen dazu, ein pessimistisches Gesamtbild zu zeichnen. Diese Kommentare verlagern den Fokus vom individuellen Konsum auf makroökonomische Entwicklungen in Österreich und Europa. Der Urlaubsort wird so zum Kontrastmittel in einer Debatte über wirtschaftliche Stabilität und zukünftige Risiken.

"In Österreich läuft es derzeit auch nicht gerade rund wirtschaftlich. KTM, Fisker Pleite bei Magna in Graz. Selbst in der Schweiz wachsen die Bäume nicht mehr in den Himmel derzeit."  Zum Originalkommentar

"Keine Sorge, die EU sorgt schon dafür, dass es ausgeglichen ist, auch Österreich steckt in tiefen Problemen. Ab 2026 werden wir dann wöchentlich verwundert schauen. Aber die Absage an Nordstream wird die ganze EU treffen und unumkehrbar sein."  Zum Originalkommentar

Sonstiges

Einige Kommentare lassen sich keinem klaren Lager zuordnen. Häufig handelt es sich um persönliche Erlebnisse, humorvolle Bemerkungen oder spontane Vergleiche zu anderen Urlaubsarten und -orten. Diese Nutzer tragen zur inhaltlichen Vielfalt der Debatte bei, ohne dominant Stellung zu beziehen.

"Die kommen ja nicht nur in den Kuhstall. Die kommen vermehrt auch zum Arbeiten."  Zum Originalkommentar

"Das gibt man in Vegas oder Miami schon mal am Abend aus."  Zum Originalkommentar

"Wir haben früher auch alles auf den Kopf gehauen und nichts bereut." Zum Originalkommentar

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Hinweis: Die in diesem Artikel zitierten Kommentare geben ausschließlich die Meinungen unserer Leser wieder und wurden inhaltlich nicht verändert. Die Analyse, Auswertung und thematische Gruppierung der Kommentare erfolgt automatisiert mithilfe Künstlicher Intelligenz.
Kuhstall-Chef über Deutsche in Ischgl: „Sie kommen, um ihre Krise zu vergessen“
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