Kein Urlaub mehr am Mittelmeer? Tourismus-Wende deutet sich an – Hoteliers wittern Chance

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Heiße Sommer und Waldbrände: Der Klimawandel verändert auch Europas Urlaubsströme – und plötzlich locken Skandinavien und die Alpen.

Salzburg – In Urlaubsländern wie Spanien, Italien und Griechenland trägt der Tourismus mehr als zehn Prozent zur Wirtschaftsleistung bei. Doch vielerorts ist die Stimmung angespannt: Manche Regionen leiden unter einem Übermaß an Touristen, und es regt sich Protest bei den Einheimischen. Ein Durchatmen von den Besuchermassen wäre in einigen Regionen wohl willkommen. Laut österreichischen Touristikern könnte dies bald Realität werden: Reisebüros in Salzburg berichten dem ORF von einer wachsenden Nachfrage nach Reisezielen im Norden, wie Skandinavien, der Nordsee oder den bayerischen Alpen.

Ein Frühsommertag bei Kaltern an der Weinstraße. Während Griechenland und Spanien unter der Hitze ächzen, entdecken Reisende kühle Bergwelten für sich. © IMAGO/Ulrich Wagner

Der Klimawandel spielt dabei eine Rolle: In vielen Mittelmeerregionen herrschen im Sommer mittlerweile extrem hohe Temperaturen. In der Türkei erreichten die Temperaturen in der Hauptsaison 50 Grad, und in Spanien sind über 40 Grad keine Seltenheit mehr. Statt Erholung zu bieten, wird das für viele Reisende zur Belastung. Auch Waldbrände sind oftmals eine Folge der Hitze. Besonders Spanien und Griechenland waren in der Saison 2025 stark betroffen. Österreich sieht das als Chance für die eigenen Urlaubsregionen.

Umfrage: Drei von vier Europäern ändern ihr Verhalten wegen der Klimakrise

Der Trend zu kühleren Urlaubszielen zeigt sich auch in einer Umfrage der European Travel Commission (ETC). Drei von vier europäischen Reisenden passen demnach ihr Verhalten bereits der Klimakrise an. 16 Prozent der Befragten meiden Orte mit extremen Temperaturen. Der auf kühle Reiseziele spezialisierte Anbieter Magnetic North Travel bestätigte dem Guardian, dass sich die Anfragen für den Sommer 2024 im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt haben. Auch Reiseveranstalter wie Virtuoso oder Dragon Pass berichten von einem rapiden Anstieg der Buchungen, wie Euronews meldete.

Im zweiten Quartal dieses Jahres stieg die Zahl der Übernachtungen von US-Touristen in Skandinavien deutlich: In Norwegen um 35 Prozent und in Dänemark um 24 Prozent. Zum Vergleich: In Kroatien kletterte die Nachfrage um 18 Prozent, in Griechenland um 16 Prozent. Georg Imlauer, Hoteliersprecher der Stadt Salzburg, erklärte dem ORF: „Es ist ein großer Vorteil für die Gebirgsregionen. Man darf nicht vergessen: Die Berge werden ja auch im Sommer bespielt, das Bergerlebnis kann man auch im Sommer haben. Und die Kühle ist sicher ein großer Vorteil für die Zukunft.“ Dieses Phänomen ist so häufig, dass es sogar einen Namen: „Coolcations“ – ein Kunstwort aus dem englischen cool (kühl) und vacations (Urlaub).

Herbst statt Hochsommer? Immer mehr Touristen verlegen ihre Reisen in die Nebensaison

Ein weiterer Trend ist das Reisen in der Nebensaison. Besonders britische Reisende bevorzugen mittlerweile die gemäßigten Monate Oktober, Mai und Juni für Auslandsreisen, wie Daten des Branchenverbands britischer Reiseveranstalter ABTA zeigen. Nicht nur der Klimawandel selbst beeinflusst den Tourismus, sondern auch die Sorge darüber: Jüngere Menschen suchen oft nach nachhaltigeren Urlaubsformen, so Reiseexperten. Ein Ausdruck dieses Trends ist der „Overtourim-Index“: Diese 2024 eingeführte Übersicht bietet nachhaltigere Alternativen zu überlaufenen Reisezielen.

Zukunftsforscher Reinhold Popp warnt jedoch davor, den Effekt zu überschätzen. Neben dem Klima spielen vor allem Preis und Atmosphäre eine entscheidende Rolle, so der Experte zu ORF: „Viele Menschen suchen im Urlaub auch ein bestimmtes Lebensgefühl, das südliche Länder oft stärker vermitteln.“ Reisetrends ändern sich dem Experten zufolge außerdem schnell, weshalb langfristige Prognosen schwierig seien. Ein EU-Bericht von 2023 prognostiziert jedoch, dass bei einer globalen Erwärmung von über 2 Grad Celsius die Sommer in Nordeuropa für mehr Touristen attraktiv werden könnten, während das Interesse an südlichen Reisezielen abnimmt.

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