Ihrem Ruf als „schönster Festsaal des Oberlands“ wurde die Tölzer Marktstraße zuletzt besonders häufig gerecht. Die nächste Großveranstaltung ist schon in Planung.
Bad Tölz - Das Konzert der Stadtkapelle mit den Bananafishbones im September 2024, der Reichersbeurer Faschingszug, der Nachtflohmarkt, die Innenstadt-Freitage, zuletzt das geplante, dann aber wegen des Wetters abgesagte Konzert von Jugendsinfonieorchester und Jugendstadtkapelle: Gefühlt nehmen die besonderen Ereignisse in der Marktstraße zu. Eine neue Strategie stehe aber nicht dahinter, erklärt die Tölzer Kur- und Tourismusdirektorin Brita Hohenreiter auf Anfrage. „Die Marktstraße mit ihrem wunderschönen Ambiente ist schon immer ein besonderer Ort für große Veranstaltungen“, sagt sie.
Nach den jüngsten „Highlights“ werde die Stadt „auch in der Zukunft weitere Besonderheiten planen“, kündigt sie an. Neben dem „bekannten und bewährten Programm“ mit Wochenmarkt, Herbstmarkt, Christkindlmarkt, Ostermarkt und Leonhardi bereite man als Nächstes die Eröffnungsfeier des „Interbancario“ vor, also des internationalen Ski-Events der europäischen Banken in Lenggries im Januar 2026.
Bislang fragen nur wenige externe Veranstalter
Bei der „Weißen Nacht“ war es kürzlich ein externer Veranstalter, der etwas in der Marktstraße auf die Beine stellte. Viele solcher Anfragen von außen gebe es bisher nicht, sagt Hohenreiter. „Sollten diese bei uns eingehen, werden die Konzepte sehr gerne geprüft“, ergänzt sie. „Sofern nichts dagegen spricht und auch die Sicherheit gewährleistet werden kann, erhält der Interessent gerne eine Genehmigung.“
Bringen die Veranstaltungen auch den Einzelhändlern vor Ort etwas? „Es ist eine tolle Entwicklung, dass die Innenstadt belebt wird“, antwortet Christian Wiedemann, Chef der Parfümerie Wiedemann. Der „riesige Umsatzbringer“ seien Veranstaltungen allerdings nicht. So nutzte Wiedemann nicht die Möglichkeit, während der „Weißen Nacht“ bis 20 Uhr zu öffnen, sondern machte um 18 Uhr zu. Selbst bei den eigenen Aktionen der Händler, den regelmäßigen „Innenstadt-Freitagen“, sei der Umsatz „nicht größer als an anderen Freitagen“, so Wiedemann.
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Wichtig sei etwas anderes: „Die Veranstaltungen machen die Innenstadt zu einem Treffpunkt, einem Ort, an dem man gerne zurückkehrt. Und wenn die Innenstadt in Szene gesetzt wird, ist das eine Werbung für die Geschäfte vor Ort. Die Besucher nehmen uns wahr und sehen sich unsere Schaufenster an.“
In den Worten der städtischen Wirtschaftsförderin Sandra Herrmann klingt das so: „Die Innenstadt-Events bieten unseren Händlern und Gastronomen die Gelegenheit, sich einer großen Besucherzahl zu präsentieren.“ Dies sei besonders angesichts der Konkurrenz durch den Onlinehandel relevant. „Mehr Menschen in der Innenstadt bedeutet auch eine höhere Wahrscheinlichkeit für spontane Käufe und eine höhere Verweildauer führt oftmals zu mehr Konsum“, so Herrmann.
Wichtig sind auch die kleinen Momente
„Nicht immer direkt, aber manchmal indirekt“ sei der Nutzen für die Geschäfte: So formuliert es Claus Janßen, Inhaber der Enzianbrennerei Schwaighofer. Wenn sich die Menschen in der Marktstraße wohlfühlen, „dann kommen sie auch wieder und kaufen beim nächsten Mal etwas“. Effektvoll könnten dafür auch die kleineren Momente sein. „Beim Innenstadt-Freitag hat der Turnverein einen Parcours aufgebaut“, erinnert sich Janßen. „Die Kinder haben eine solche Freude gehabt, die Eltern waren dabei, da hat sich was gerührt.“
Anwohner nicht vergessen
Auch Andreas Munkert, Vorsitzender des Gewerbevereins „Wir für Tölz“ findet: „Es muss nicht immer das 10.000-Euro-Feuerwerk sein.“ Es sei auch schön, wenn, wie beim „Stadt-Lesen“ oder bei einem Innenstadt-Freitag, in der Marktstraße Bücherregale und Sitzsäcke installiert werden. Lieber sei es ihm, wenn es auch mal kleinere Events in der Marktstraße gebe, dafür aber konstant etwas geboten sei, Munkert. Und was sich jetzt schon rühre, sei beachtlich und gehe in die richtige Richtung. Zur möglichen Anzahl und der Art der Veranstaltungen merkt Kurdirektorin Hohenreiter an, dass für die Stadt auch ein Mehrwert geboten sein müsse, und: „Man darf die Anwohner nicht aus den Augen verlieren.“ (ast)