Madonna erstrahlt jetzt ohne Krone: Restaurierung der Tölzer Winzererkapelle abgeschlossen

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Heiligtum der Winzererkapelle in der Tölzer Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt ist der Altar von 1833. © Daniel Wegscheider

Die Winzererkapelle in der Tölzer Stadtpfarrkirche erinnert an die berühmte Familie Winzerer, an die Gründerin des Klosters Reutberg sowie an die Rosenkranzbrüderschaft mit ihrer hochverehrten Marienfigur. Fast zehn Jahre wurde sie renoviert und erstrahlt nun in neuem Glanz.

Bad Tölz – Die Muttergottes hat ihre eiserne Krone abgesetzt. Der katholische Stadtpfarrer Peter Demmelmair wollte es so. Es wirke einfach bescheidener und passe als Andachtsbild besser in die Pfarrei, berichtete Claus Janßen (Vorsitzender des Historischen Vereins im Oberland), der dort ehrenamtlicher Kirchenverwalter ist. Jetzt steht die Madonna mit Jesuskind wieder ganz oben auf dem neu-gotischen Altar in der Winzererkapelle, die sich wiederum in der katholischen Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt befindet.

Dort versammelten sich jüngst Vertreter der Kirchenverwaltung, der Stadtpfarrei und des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege. Anlass war der Abschluss der Restaurierungsarbeiten in der Kapelle, die nun der Öffentlichkeit vorgestellt worden sind.

Freuen sich über die Renovierung des Altars in der Tölzer Winzererkapelle: der Kirchenverwalter der Pfarrei Mariä Himmelfahrt, Claus Janßen, und Restauratorin Gabi Landskron.
Freuen sich über die fertige Renovierung des Altars in der Tölzer Winzererkapelle: der Kirchenverwalter der Pfarrei Mariä Himmelfahrt, Claus Janßen, und Restauratorin Gabi Landskron. © Daniel Wegscheider

Votivgaben der Tölzer Rosenkranzbrüderschaft werden von der Messerschmitt-Stiftung nun auch renoviert

Extra angereist war auch Finanzier Hans Heinrich von Srbik, er ist der Vorsitzende der Messerschmitt-Stiftung mit Sitz in München. Der zur Überraschung aller Anwendenden auch noch einen extra Zuschuss, für die noch zu restaurierenden Votivgaben und Ausstattungsgegenstände der Rosenkranzbrüderschaft zusagte, die noch ausstanden.

Rückblick auf die Restaurierungsgeschichte der Winzererkapelle (Winzerer waren ein bekanntes Tölzer Pflegergeschlecht) seit 2005: Bereits während der Pfarrkirchenrenovierung (2005 bis 2011) gab es erste Untersuchungen zum Sandsteinportal und zur Raumschale der Winzererkapelle. Auch der einst in Grün gefasste Altar von 1833 und die Ausstattung wurden dabei eingehend untersucht – aber sie waren nicht Teil der Pfarrkirchenrenovierung.

Medaillons mit den Rosenkranzgeheimnissen und Votivgaben, darunter etliche Rosenkränze, zeugen noch heute von der einstigen Bedeutung der Rosenkranzbruderschaft.
Medaillons mit den Rosenkranzgeheimnissen und Votivgaben, darunter etliche Rosenkränze, zeugen noch heute von der einstigen Bedeutung der Rosenkranzbruderschaft. © Daniel Wegscheider

Dieser Restaurierung nahm sich dann das Ehepaar Helga und Kurt Kappelmaier an, die sich zu ihren Lebzeiten der Stadt Bad Tölz auf vielfältige Weise als echte Mäzene für das kulturelle Leben erwiesen hatten und gewissermaßen über ihre Stiftung, verwaltet von der Messerschmitt-Stiftung, noch immer tun.

Restaurierungsgeschichte der Winzererkapelle in Bad Tölz

Die erste Maßnahme war die Restaurierung des Portals der Winzererkapelle 2018/19, einschließlich der Ausbesserung des Altarstipes im Jahr 2023. Die Gesamtkosten in Höhe von rund 58.000 Euro wurden dabei von den Kappelmaiers als Spende an die Kirchenstiftung überwiesen.

Nach dem Tod der beiden Tölzer Mäzene stellte die Messerschmitt-Stiftung entsprechen des letzten Wunsches von Kurt Kappelmaier weitere 50.000 Euro zur Restaurierung des Altars sowie der drei großen Figuren der beiden Rosenkranzheiligen Dominikus und Katharina von Siena sowie der Gnadenmadonna aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts zur Verfügung. Ebenso zu neuem Glanz poliert wurde die „Arme-Seelen-Gruppe im Fegefeuer“ in der Mitte des Altars.

Muttergottes sowie die Rosenkranz-Heiligen Dominikus und Katharina von Siena erstrahlen im neuen Glanz

Die Arbeiten führte die Restaurierungswerkstatt Lands­kron aus Regensburg aus. Unter anderem retuschierte und polierte Gabi Landskorn die durch Kerzenrauch und Zeit geschwärzten Figuren per Metallschliff, um damit deren ursprüngliche Fassung wiederherzustellen. „Damit bricht sich der Glanz und es entsteht der typische Metallcharakter“, erklärte die Restautorin.

Auch brachten Gabi und Andreas Landskron den Altar auf Vordermann. Die dortige Leuchterbank wurde farblich mit der Marmorplatte abgestimmt, ebenso die Abschlüsse. Im Original reichten diese bis zur hölzernen Wandvertäfelung der Kapelle, die es aber heute nicht mehr gibt. Jetzt bildet der Altar einen „sauberen Abschluss“.

„Der Altar ist explizit für die Muttergottes gebaut worden“, ergänzte Janßen. Dort thront sie im oberen Drittel der jetzt in grau-braun in gefassten hölzernen Opferstätte. Landskron nahm der Madonna auch die eiserne Krone aus dem 18. Jahrhundert ab. Ganz sanft, ohne größeren Eingriff in die Originalsubstanz. Denn die Restauratorin musste keine größeren Abtragungen am Kopf der Skulptur vornehmen; lediglich der Hinterkopf wurde mit Messzellulosefasern gefüllt und restauriert. „Jetzt hat sie wieder eine Schädeldecke“. Und erstrahlt im Strahlenkranz auch ohne die königlichen Insigne.

Die Rosenkranzbruderschaft

1626 wurde in Tölz die Rosenkranzbruderschaft gegründet. Mit mehreren hundert Mitgliedern die wohl bedeutendste Bruderschaft südlich von München. Sie hatte ihren Sitz in der einst neben der Pfarrkirche bestehenden Gruftkapelle, wohin sich eine rege Wallfahrt entwickelte. Eine Votivtafel von 1653 zeigt deren Inneres und bezeugt eine Wunderheilung. Im Zuge der Säkularisation wurde die Gruftkapelle profaniert, die Rosenkranzbruderschaft fand nach einer kurzen Zeit in der verwaisten Franziskanerkirche hier in der Winzererkapelle ab 1830 eine neue Bleibe. Von Anton Fröhlich wurde 1833 ein neuer Altar zur Aufnahme des alten Gnadenbildes (um 1460) gefertigt. Im Altar wurden die noch aus der alten Gruftkapelle stammenden Rosenkranzheiligen Dominikus und Katharina von Siena platziert. Eine Bruderschaftstafel, 15 Medaillons mit den Rosenkranzgeheimnissen und Votivgaben, darunter etliche Rosenkränze, zeugen noch heute von der einstigen Bedeutung der Rosenkranzbruderschaft.

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