Gegenüber vom Sportplatz in Percha soll eine Padel-Tennis-Anlage samt Halle entstehen. Der Bauausschuss des Starnberger Stadtrats hat dazu kürzlich sein Einvernehmen erteilt, im Rathaus gibt es aber auch skeptische Stimmen, was die Realisierung betrifft.
Starnberg – Padel-Tennis gilt als die am stärksten wachsende Sportart der Welt. In Berichten ist von 25 Millionen Spielern weltweit die Rede, Tendenz steigend. Einer von ihnen ist Serge Dolkhani, der seit acht Jahren in Starnberg lebt und der auch sein Herz an die Mischung aus Tennis, Badminton und Squash verloren hat. „Padel ist schnell zu erlernen, und man hat sofort Spaß daran“, sagt der 57-Jährige. Ob jung oder alt, Mann oder Frau spiele dabei keine Rolle. Nun möchte Dolkhani der Sportart weiteren Zulauf und den Spielern neue Möglichkeiten schaffen – mit dem Bau der nach seinen Angaben ersten Padel-Halle im Landkreis Starnberg, in der auch in den Wintermonaten gespielt werden kann. Der entsprechende Antrag auf Vorbescheid stand kürzlich auf der Tagesordnung der Sitzung des Starnberger Bauausschusses.
Demnach plant Dolkhani einen Umbau der bestehenden Tennisanlage an der Heimathausener Straße, direkt gegenüber vom Sportplatz in Percha. Dort gibt es bislang sechs Tennisplätze und ein dazugehöriges Clubhaus. Dolkhani ist seit Anfang des Jahres Pächter der Anlage und hat erkannt: „Das Interesse an Tennis ist in den vergangenen Jahren geschrumpft und stagniert jetzt ein bisschen.“ In München zum Beispiel hätten Tennisanlagen für Wohnbauprojekte weichen müssen. Genau entgegengesetzt sei die Entwicklung beim Padel-Tennis. Er selbst erlebe das hautnah. „Ich spiele schon lange Tennis und habe vor drei Jahren angefangen, auch Padel zu spielen“, erzählt Dolkhani im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. „Ich war sofort infiziert, so viel Spaß macht das.“
Erste und bislang einzige Anlaufstelle für Padel-Tennis-Spieler in Starnberg ist das Tennis- und Padel-Center an der Gautinger Straße, das nach eigenen Angaben über „fünf hochmoderne Padelplätze“ verfügt. Dort spielt auch Dolkhani. Allerdings handelt es sich um eine Außenanlage. „Wenn man die Jugend dazu bringen will, Padel zu spielen, braucht es eine Unabhängigkeit vom Wetter und stabile Bedingungen“, sagt der 57-Jährige.
Sein Plan sieht vor, in Percha drei der sechs bestehenden Tennisplätze aufzugeben und stattdessen eine Halle in Leichtbauweise für sechs Padel-Felder zu bauen. Diese Halle hat laut Plan eine Wandhöhe von 7,80 Metern und eine Firsthöhe von gut zwölf Metern. Dazu sind drei Freiplätze vorgesehen. Mit einem Maß von zehn mal zwanzig Metern ist ein Padel-Feld etwa ein Viertel kleiner als ein Standard-Tennisplatz (23,77 mal 10,97 Meter), dafür ist es in der Regel mit drei bis vier Meter hohen Wänden umschlossen. Für sein Vorhaben müsste Dolkhani auch einen Teil der Freifläche vor der bestehenden Tennisanlage nutzen. Geplant sind zudem ein Anbau für Gastronomie, Umkleide und Empfang mit knapp 284 Quadratmetern Grundfläche sowie 25 Pkw-Stellplätze.
Starnberger Stadtverwaltung sieht Vorhaben kritisch
Die Stadtverwaltung machte in der Bauausschusssitzung keinen Hehl daraus, dass sie das Vorhaben kritisch sieht. In der Beschlussvorlage hieß es unter anderem: „Durch die massive Bebauung kommt es zur Entstehung einer Splittersiedlung. Das geplante Vorhaben steht in keiner organischen Beziehung zu dem im Zusammenhang bebauten Ortsteil und fügt sich nicht in die geordnete städtebauliche Entwicklung ein.“ Vor allem die Höhenentwicklung der Halle führe in Richtung Norden „zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Orts- und Landschaftsbilds in der sensiblen Außenbereichs- und Ortsrandlage“. Zudem grenze das Vorhaben an ein Biotop an und in der Nähe würden ein Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiet, ein Fauna-Flora-Habitat-Gebiet sowie das Überschwemmungsgebiet „Würm“ liegen. Vor allem befinde sich das Vorhaben bauplanungsrechtlich im sogenannten Außenbereich, wofür eine Privilegierung erforderlich sei. Die Voraussetzungen dafür sieht die Verwaltung bislang nicht als gegeben an.
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Bei den Stadträten kam die ablehnende Haltung nicht besonders gut an. Marc Fiedler (UWG) bezeichnete Padel als Weiterentwicklung des Tennissports und sagte: „Wir sollten privaten Trägern, die so etwas umsetzen wollen, keine Steine in den Weg legen.“ Von einer „aufstrebenden Sportart“ sprach Dr. Johannes Glogger (WPS), von einer „Anlage, die Zukunft hat“, Josef Pfister (BMS). Franz Heidinger (BLS) betonte: „Das ist ein ganz hervorragender Platz für die Jugend von Percha und das Umfeld.“
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Bürgermeister Patrick Janik hielt die rechtliche Bewertung der Stadtverwaltung für plausibel, betonte aber auch: „Wir wehren uns nicht gegen einen positiven Beschluss.“ Der fiel am Ende mit 12:1 Stimmen eindeutig aus. Einzig Dr. Ursula Lauer (Grüne) war aus naturschutzrechtlichen Belangen dagegen. Ob das Landratsamt allerdings mitspielt, ist offen. Prof. Otto Gaßner (UWG) beschlich da schon eine Ahnung: „Ich befürchte, dass das Landratsamt sagt, euer politischer Wille ist uns egal“, erklärte er.