Mit einem Festgottesdienst wird an die Einweihung St.-Antonius-Kapelle in Bad Heilbrunner Ortsteil Ramsau vor 100 Jahren erinnert. Das Herzensprojekt hat eine bewegte Entstehungsgeschichte.
Bad Heilbrunn – Der 29. Juli 1925 war ein großer Tag für Anton Gschwandtner, Bauer zum „Bietsch“ im Bad Heilbrunner Ortsteil Ramsau. Mit ihm freuten sich viele Helfer, Unterstützer und Sponsoren: An jenem 29. Juli 1925 konnte endlich in einer feierlichen Zeremonie und unter großer Beteiligung der Bevölkerung sowie der örtlichen Vereine die St.-Antonius-Kapelle geweiht werden. Die Grundsteinlegung lag da schon elf Jahre zurück.
Sühneleistung für Streitigkeiten
Bereits im Frühjahr 1914 war das Vorhaben, auf dem „Bergl“ bei Ramsau eine Kapelle zu errichten, angegangen worden. Die Voraussetzungen dafür hatten die „Pfeiffer“-Bauersleute Leonhard und Anna Mörtl sowie der „Christlbauer“ Anton Singer von Oberbuchen geschaffen. Die Mörtl-Eheleute hatten dazu das ihnen gehörende Flurstück auf dem „Bergl“ unentgeltlich abgetreten, Anton Singer hatte sozusagen als Startkapital 1000 Mark gestiftet, berichtet die Kapellenchronik, die Gschwandtner bis 1937 führte.
Der Beweggrund für die großzügige Spende des „Christlbauern“ wurde laut Eintrag offenbar erst Jahrzehnte später bekannt: Singer habe die Kapelle damals als Sühneleistung gestiftet, „weil die Buchner Einwohner mit den Ramsauern, von jeher uneins, immer gestritten hatten“, heißt es darin.
Erster Weltkrieg unterbricht Arbeiten an Kapelle
Gschwandtner jedenfalls trug das Bauvorhaben, angeleitet von seinem in Oberenzenau ansässig gewordenen Bruder Maximilian, der Maurermeister war. Der Rohbau war gerade fertig, als mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs dem Tatendrang ein jähes Ende bereitet wurde. Nach dem Krieg vergingen noch weitere sieben karge Jahre, bis Gschwandtner sich mit neuer Energie wieder ans Werk machte. Dazu animiert hatte ihn wohl auch der Zuspruch des 1924 in Heilbrunn installierten Pfarrers Josef Rupp.
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Im Frühjahr 1925 ging dann alles ganz schnell: „Ich nahm 400 Mark auf mein Anwesen auf, um den Bau fertigstellen zu können“, hielt der damals 49-jährige Landwirt und Maurer schriftlich fest. Neben den handwerklichen Tätigkeiten gelang es, mit einem in Rothmühle freigewordenen älteren Altar, einer Glocke aus Dießen und etlichen von Bürgern gespendeten Kunstgegenständen das Herzensprojekt in kurzer Zeit auszustaffieren und zu vollenden.
Einbrecher stehlen „Heiligen Geist“
Das Patrozinium zum Antonius-Tag am 13. Juni wurde von der umliegenden Bevölkerung seither hochgehalten. Oft waren dazu Geistliche von auswärts zu Gast, um auf dem idyllischen Bergl den Gottesdienst zu zelebrieren. In die musikalische Umrahmung eingebettet war viele Jahre lang auch das „Antoniuslied“, das Anton Gschwandtner als talentierter Sänger und Orgelspieler aus einfacher und tiefer Religiosität schöpfend selbst verfasst hatte. Wie die kirchliche Handlung gehörte zum jährlichen „Kapellenfest“ auch der gesellige Ausklang.
1983 wurde das Kircherl von Einbrechern heimgesucht. „Sogar der Heilige Geist wurde von der Decke gerissen und gestohlen“, schildert die Chronik, die später von Michael Spindler weitergeführt wurde. Spindler ist mittlerweile, nachdem die Nachfahren von Anton Gschwandtner nicht mehr direkt vor Ort sind, der Kapellen-Kümmerer.
Kapelle 2008 generalsaniert
Spindler war auch schon wesentlich eingebunden, als 2008 die Mitglieder des Kapellensprengels eine dem Zahn der Zeit geschuldete Generalsanierung in Angriff nahmen. Mit 400 unentgeltlichen Arbeitsstunden und einer Haussammlung brachten sie das Kleinod rundum zu neuem Glanz.
Von seiner schönsten Seite wollen die Ramsauer ihr Wahrzeichen auch heuer anlässlich seines 100-jährigen Bestehens präsentieren – optisch ebenso wie im Sinne von Pfarrer Rupp. Der hatte die Kapelle auf dem Bergl bei ihrer Einweihung als „Stätte zum Ausruhen im Gebete und zur Ehre der allerhöchsten Dreieinigkeit und des heiligen Antonius von Padua“ bezeichnet.
Festgottesdienst am 15. Juni
Das 100-jährige Bestehen der Antoniuskapelle wird am Sonntag, 15. Juni, um 10 Uhr mit einem von der Bad Heilbrunner Blasmusik begleiteten Festgottesdienst gefeiert. Dem schließt sich ein gemütliches Beisammensein im „Müller“-Obstgarten an. (Rosi Bauer)