Seit Monaten gibt es eine Debatte um die Kletthamer Schulwegsicherheit. Besorgte Eltern hatten dazu eine überregionale Online-Petition gestartet.
Der Schulweg für die Kletthamer Grundschüler weist nach Ansicht von Christian und Verena Winter Defizite auf. Deshalb sammelten sie über Monate per Online-Petition rund 1000 Unterschriften für Verbesserungen. Nun fand auf Einladung von Oberbürgermeister Max Gotz ein Gesprächstermin in der Schule statt. Dort wurden die Kritik und Verbesserungsvorschläge mit Experten aus dem städtischen Ordnungsamt und der Polizei erörtert.
Polizei: Keine konkrete Gefährdungslage
Christian Winter, einst selbst Schüler in Klettham und Vater eines Sohnes, drängt vor allem auf Verbesserungen an der Rupprechtstraße direkt vor dem Schuleingang, wo Eltern ihre Kinder mit dem Auto vorfahren, ein- und aussteigen lassen, oft gefährlich wenden und andere Kinder gefährden, so seine Beobachtungen.
Der besorgte Vater schlägt vor, diese Straße nur in eine Richtung befahren zu lassen und ein Halteverbot auszusprechen. In der Siglfinger Straße stellt er sich eine einseitige Fahrradspur vor, dazu einen zusätzlichen per Ampel gesicherten Fußgängerüberweg auf der Dachauer Straße.
„Ich mache mir Sorgen um das Gefüge der Schulgemeinschaft, deshalb reagieren wir auch als Stadt, um alle vorgebrachten Kritikpunkte zu prüfen. Wir haben grundsätzlich großes Vertrauen in die Arbeit unserer Sicherheitskräfte, wollen selbstverständlich alles tun, damit sich Eltern und Kinder auch weiterhin sicher fühlen können“, betonte Gotz. Tatsächlich gebe es keinen konkreten Anlass, den Schulweg zur und von der Grundschule als unsicher zu bewerten, erklärte Daniel Kabjoll, Leiter des städtischen Ordnungsdienstes.
„In der Rupprechtstraße direkt vor der Schule ist, weil verkehrsberuhigter Bereich, sowieso schon Schrittgeschwindigkeit vorgeschrieben“, beschrieb Kabjoll den Istzustand. In der Siglfinger Straße gelte Tempo 30. Zudem seien dort die markierten Parkplätze versetzt angeordnet, um den Verkehrsfluss zusätzlich zu verlangsamen. „Zwei Zebrastreifen sichern den Überweg.“ Die Einstufung der Rupprechtstraße als Einbahnstraße sei nicht zielführend, die gehäufte Zufahrt durch Eltern-Taxis indes schaffe tatsächlich manchmal kritische Situationen.
Selbst die Polizei kann keine konkrete Gefährdungslage an der Schule und in ihrem direkten Umfeld ausmachen. „In den vergangenen sechs Jahren weist unsere Unfallbilanz keine Beteiligung durch Kinder aus“, klärte Inspektionsleiter Sebastian Pinta die rund 30 Zuhörer auf. „Es gab hier lediglich Sachschäden an Fahrzeugen und in der Siglfinger Straße selbstverschuldete kleinere Fahrrad-Unfälle.“ Seiner Ansicht nach sei es aber ebenso wichtig, mit Kindern den Schulweg abzugehen und zu besprechen – „auch das gehört zum Thema Sicherheit“.
Für einen Fahrradstreifen an der Siglfinger Straße fehlt nach Meinung aller Sicherheitsorgane der Platz. Auch ein weiterer Fußgängerüberweg könne den Verkehrsteilnehmern nicht erklärt werden, zumal nur unweit davon ein solcher Übergang existiere.
Rücksichtslose E-Roller-Fahrer
Winters Beobachtungen, dass ältere Schüler auf dem Gehweg jüngere wegdrängen, E-Roller zu schnell fahren und rücksichtslose Autofahrer unterwegs sind, wurden durchaus ernst genommen. „Doch wir haben nicht die Kapazität, alle diese Störungen täglich zu beobachten und auch zu ahnden“, so Polizeichef Pinta.
Gotz ergänzte: „Menschliches Fehlverhalten lässt sich nicht gänzlich kontrollieren.“ Der OB machte aber den Vorschlag, im unmittelbaren Bereich der Schule durch den Einsatz von Schulweghelfern eine Beruhigung erreichen zu können. „Vielleicht lässt sich dadurch sogar das eine oder andere Eltern-Taxi hier vermeiden.“
Schulweghelfer dringend gesucht
Die Stadt Erding sucht Bürgerinnen und Bürger, die sich ehrenamtlich als Schulweghelfer engagieren. „Durch ihre Präsenz verstärken Schülerlotsen und Schulweghelfer die Sicherheit auf dem Schulweg und helfen, gefährliche Situationen zu verhindern, indem sie Kinder vom unachtsamen Überschreiten der Fahrbahn abhalten und das gemeinsame Überqueren der Straße sichern“, schreibt Stadtsprecher Christian Wanninger in einer Pressemitteilung. Außer in Klettham bestehe zurzeit Bedarf an nahezu allen Schulen im Stadtgebiet. Interessierte werden von der Polizei eingewiesen und melden sich im Rathaus unter Tel. (0 81 22) 408-222.