Erneuerbare Energien sind umstritten. Besonders die Windenergienutzung im Landkreis Garmisch-Partenkirchen wird aktuell heiß diskutiert. So auch in der Online-Veranstaltung mit dem Titel „Woher pfeift der Wind? Windkraft als erneuerbare Energiequelle“ aus der Veranstaltungsreihe Grüner Diskurs des Kreisverbands Garmisch-Partenkirchen von Bündnis90/Die Grünen.
GAP - Christian Scheuerer, Bürgermeister der Gemeinde Ohlstadt und Vertreter der Landkreisbürgermeister, Martin Stümpfig, Energiepolitischer Sprecher der Landtagsfraktion der Bayerischen Grünen, Florian Diepold-Erl, Klimaschutzmanager des Landkreises und Benedikt Mayer, Vorstandsvorsitzender der Bürgergenossenschaft „Bürgerenergie Ebersberg“, diskutierten online über Potenziale, Chancen und Herausforderungen der Nutzung der Windenergie im Landkreis. Der Hintergrund: Seit gut einem Jahr sucht der „Planungsverband Region Oberland“ nach geeigneten Flächen zur Nutzung von Windenergie. Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen sind bislang 1,05 Prozent der gesamten Landkreisfläche dafür vorgesehen. Doch die Kommunen ziehen nicht so richtig mit. Im Nachbarland Tirol prüft die Landesregierung derzeit die Machbarkeit einer Windkraftanlage im Grenzgebiet zu Grainau.
Kaum Fläche im Landkreis
Diepold-Erl verwies auf die vielen Ausschlusskriterien, so seien beispielsweise Flugschneisen, Wasser-, Arten- und Naturschutzgebiete von vornherein ausgenommen, auch gebe es konkreten Abstimmungsbedarf mit der Bundeswehr bezüglich der vielen Fliegerhorste, so dass meist nur relativ kleine Flächen übrig blieben. „Die Kommunen müssen die Machbarkeit diskutieren, der Prozess läuft. Bis 2027 müssen 1,1 Prozent, bis 2032 sogar 1,8 Prozent der Gesamtfläche ausgewiesen sein, da gibt es wenig Spielraum“, so der Experte. Auch Scheuerer zeigte sich skeptisch: „Ich habe nichts gegen Windkraft im Allgemeinen, aber die bei uns im Ort dafür vorgesehenen Flächen eigen sich absolut nicht, ich lade jeden ein, sich das vor Ort bei uns einmal anzuschauen.“
Stümpfig berichtete, dass von den 1.250 Windrädern in Bayern die meisten in Franken stehen. Er hat gute Erfahrungen damit gemacht, die Kommunen rechtzeitig mit ins Boot zu holen. „Man muss mit den Bürgern frühzeitig ins Gespräch gehen, sie einbeziehen und Anreize wie günstige Stromtarife schaffen, dann funktioniert das schon“, berichtete er aus seiner Heimat Westmittelfranken. Scheuerer hielt dagegen, dass der Landkreis Garmisch-Partenkirchen als alpiner Raum völlig anders strukturiert sei und man von vornherein fast 50 Prozent der Fläche schon einmal ausschließen könne.
„Ziemliche Kaliber“
„Ich kann nicht für alle meine Kollegen sprechen, aber man muss sich klar machen: Wir reden über Windräder mit einer Höhe bis zu 270 Metern, das sind ziemliche Kaliber.“ Immer wieder betonte der Ohlstädter, dass es sowohl in der Debatte, als auch ihm nicht darum gehe, ob Windräder einem gefallen oder nicht. „Bei uns geht es schlichtweg nicht. Der Durchmesser des Fundaments eines Windrades beträgt ungefähr 25 Meter bei einer Höhe von etwa vier Metern, die Topographie und Geologie lassen solche Bauten bei uns, einem Ort mit vielen Forststraßen, nicht zu.“
Scheuerer plädierte für eine konstruktive Diskussion, verwehrte sich gegen Vorwürfe des Boykotts und verwies darauf, dass man mit Photovoltaikanlagen oder Wasserkraft bereits erneuerbare Energien produziert. „Wir wollen uns beteiligen, es muss nur machbar sein.“
Ob und welche Lösungen es in und für die einzelnen Gemeinden in Sachen Windkraft geben wird, muss sich zeigen. In jedem Fall, das machte die Veranstaltung deutlich, besteht noch jede Menge Gesprächsbedarf.
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