Maximilian Ulbrich setzte bei seinem Sieg im Luftgewehr-Finale der Deutschen Meisterschaft ein Ausrufezeichen: Dem 23-Jährigen gelang ein inoffizieller Weltrekord.
Durch das Publikum ging ein merkliches Raunen. Olympia-Teilnehmer Maximilian Ulbrich hatte sich tatsächlich die Unverfrorenheit geleistet, bei seinem 21. Schuss im Finale nur eine 10,5 zu treffen. Andere hätten für diese Leistung anerkennenden Applaus bei der Deutschen Meisterschaft in München-Hochbrück erhalten. Beim Sportschützen aus Wilzhofen werden inzwischen jedoch andere Maßstäbe angelegt, weshalb er mittlerweile in seiner eigenen Liga schießt. „Es hat mich innerlich zum Lachen gebracht“, kommentierte der 23-Jährige die Reaktionen auf den Rängen. Ist es sogar für ihn selbst doch immer wieder erstaunlich, wie schnell in der allgemeinen Wahrnehmung Besonderes zu Alltäglichem verkommt.
Sportschütze verbessert eigenen deutschen Rekord
Dass der Sportpolizist im Endkampf der besten acht Luftgewehrschützen etwas ganz Außergewöhnliches vollbrachte, bestätigte am Ende der Computer. Mit 254,8 Ringen verbesserte Ulbrich den alten nationalen Finalrekord um noch einmal 1,3 Zähler, den er im vergangenen Jahr selbst aufgestellt hatte. „Unfassbar“, war er selbst von seiner Leistung überwältigt. Aber das war noch nicht alles, was diese markante Zahl hergab.
Sehr schnell machte in der Olympia-Schießanlage die Nachricht die Runde, dass der Oberbayer sogar den Weltrekord von Lihao Sheng um 0,3 Zähler überboten hatte, mit dem der Chinese vor einem Jahr beim Worldcup in München für Furore gesorgt hatte. Allerdings besitzt dieser Vergleich einen kleinen Haken, wie Ulbrich erklärte: „Es wäre theoretisch ein Weltrekord, aber leider ist die Deutsche Meisterschaft nicht weltrekordberechtigt.“
Deutsche Meisterschaft „nicht weltrekordberechtigt“
Ulbrich fand es trotzdem „sehr cool“, wie er mit seiner Finalvorstellung die Zuschauer in Wallung brachte. Seine ersten 20 Versuche waren von einer solchen Güteklasse, dass im Durchschnitt ein Wert von 10,68 Ringen pro Schuss errechnet wurde. „Dass sie alle in der 10,6 aufwärts steckten, das kann man nicht beeinflussen“, gab er zu. Ulbrich hatte einen wahren Glücksmoment erwischt, in dem alles noch perfekter lief, als er es sich jemals erträumt hatte. Gerade acht Monate sind vergangen, seit er seine Haltung beim Schießen komplett verändert hat. Normalerweise ist so eine Korrektur auf diesem Niveau überhaupt nicht zu schaffen, doch Ulbrich scheint die Grenzen, die innerhalb des Schützensports festgezurrt sind, neu zu definieren. „Ich habe mich selbst gefragt, was da los ist.“ Er gab zu, dass er sich mit seiner Leistung selbst zum Rätsel geworden ist.
Nur hauchdünn an 255 Ringen vorbei
Dass der Außergewöhnliche bei seinen letzten vier Versuchen eine menschliche Ader zeigte und im Schnitt nur noch auf eine knappe 10,3 kam, machte ihn am Ende noch sympathischer. „Schade, dass ich nicht die 255 Ringe gepackt habe“, bedauerte er, dass er die imaginäre Schallmauer um zwei Zehntel nicht durchbrochen hatte. „Aber am Ende hat es mich etwas zerlegt.“ Vielleicht auch deshalb, weil er irgendwann begann, sich über seine sensationelle Serie Gedanken zu machen. Und da ist während eines Wettkampfs der Schießstand der denkbar ungeeignetste Platz dafür. „Ich wusste, dass es kommt, weil so viel Aufregung dahinter war. Ich habe quasi gegen mich selbst geschossen“, bat er um Entschuldigung.
Fast 20 Ringe Vorsprung im Team
Seinen Freund Maximilian Dallinger, der am Ende Silber holen sollte, hatte er zu diesem Zeitpunkt schon längst abgehängt. 3,3 Ringe Vorsprung hatte er auf seinen schärfsten Rivalen herausgearbeitet. Das sind im Spitzenschießsport Welten. Dabei hatte Dallinger den Vorkampf noch dominiert und mit stolzen 634,1 Ringen nach sechs Serien einen neuen deutschen Rekord erzielt. Ulbrich (632,2) hatte sich bei seinem Programm noch etwas zurückgehalten, obwohl seine Resultate imponierten. Eine 105,0 zu Anfang und zu Ende des Wettkampfs, dazwischen eine 104,8 und eine 105,2 sowie die Spitzenwerte von 106,4 und 106,0. Zusammen mit Dallinger und David Koenders (626,6) holte er auch noch den Titel in der Mannschaft für die FSG Der Bund München. Das Trio bewegte sich, wie sollte es bei zwei Ausnahmeschützen auch anders sein, in einer eigenen Dimension. Fast 20 Ringe betrug der Vorsprung auf Silbermedaillengewinner Goddelsheim.