Die jüngste Sitzung des Kreis- und Finanzausschusses des Landkreises war vor allem von Lob geprägt – und zwar für Kreiskämmerer Matthias Brugger, der dem Gremium den Haushalt für 2026 vorstellte. Eine Mammutaufgabe, denn auch heuer steht der Landkreis vor einem Haushaltsjahr, das von finanziellen Herausforderungen geprägt ist.
Landkreis Weilheim-Schongau - So leitete Landrätin Andrea Jochner-Weiß die Sitzung – „wie jedes Jahr“ – ein. Die schwierige Haushaltslage betreffe aber nicht nur Weilheim-Schongau, sondern alle Landkreise, erklärte sie. Die Gründe sind bekannt: steigende Personalkosten, Sozialleistungen und „äußere Faktoren“.
Auf diese ging Brugger in seiner „Gesamtschau“ ein. Knapp 200 Seiten zu Kreisumlage, Haushalt und Finanzplanung hatte er dem Gremium mitgebracht, dieses verzichtete allerdings auf eine ausführliche Darstellung. Und so führte Brugger zügig durch das Landkreis-Zahlenwerk, das im nächsten Jahr einen Meilenstein erreichen wird. Mit einem Volumen von rund 280 Millionen Euro (2025: 268 Millionen) ist der Haushalt so groß wie noch nie. Der Vermögenshaushalt ist rund 33,1 Millionen Euro (2025: 33,5 Millionen) schwer, der Verwaltungshaushalt rund 247,6 Millionen (2025: 234,8 Millionen).
Kreishaushalt in Weilheim-Schongau: Mehr Freiheiten durch Kapitaleinlage für die Krankenhaus GmbH
Die Veränderungen im Verwaltungshaushalt gegenüber 2025 begründete Brugger mit den hohen Betriebskostenzuschüssen für die Krankenhaus GmbH, davon sind 5 Millionen Euro als Kapitaleinlage im Vermögenshaushalt eingestellt. Wie berichtet, beschloss der Kreistag diese Maßnahme, um weitere wichtige Investitionen des Landkreises zu ermöglichen. Denn sie erhöht das Eigenkapital der GmbH und ist damit dem Investitionshaushalt (Vermögenshaushalt) des Landkreises zuzuordnen. Das entlastet den Verwaltungshaushalt, in dem laufende Ein- und Ausgaben verbucht werden. Somit wird die verpflichtende Zuführung zum Investitionshaushalt gewährleistet und die Geschäftsfähigkeit sichergestellt. Abgesehen vom Krankenhaus steigen die Ausgaben beim Personal, im Sozialen und beim ÖPNV.
Den hohen Ausgaben gegenüber stehen aber auch Einsparungen, die der Landkreis dieses Jahr im Rahmen einer verwaltungsinternen Konsolidierung schaffen konnte. So konnten durch Reduzierungen in den Personal- und Sozialhilfeausgaben sowie beim Bauunterhalt und der Jugendhilfe und bei weiteren Ausgaben 3,95 Millionen Euro im Verwaltungshaushalt gespart werden. Mit der Abrechnung ausstehender Erstattungen mit der oberbayerischen Regierung in Sachen Asyl kamen nochmal 5,5 Millionen dazu und somit Einsparungen von insgesamt knapp 9,5 Millionen Euro. Weitere Kürzungen seien aber nicht mehr möglich, konstatierte der Kämmerer.
Hilfen vom Freistaat
Andere „finanzielle Zuckerl“ haben sich erst jüngst ergeben – bei Finanzausgleichsverhandlungen Ende Oktober: So stehen Bayerns Kommunen im kommenden Jahr 4,7 Milliarden Euro mehr zur Verfügung. Der kommunale Finanzausgleich 2026 steigt um 846 Millionen auf 12,83 Milliarden Euro. Gleichzeitig stellt der Freistaat im Jahr 2026 3,9 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen des Bundes für Investitionen für Bayerns Kommunen bereit, ist auf der Website des Finanzministeriums zu lesen. Das „Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität“ soll Rekordinvestitionen für Schulen und Kitas, Bahnstrecken und Straßen, Forschung und Digitalisierung ermöglichen.
Allerdings ist für das kommende Jahr auch eine Steigerung der Bezirksumlage auf 24,70 Prozentpunkte (2025: 23,55) angesetzt – der Landkreis muss also gut 54,3 Millionen Euro an den Bezirk von Oberbayern zahlen. Immerhin können die Gemeinden aufatmen. Wie schon in der jüngsten Kreistagssitzung angekündigt, kann die Kreisumlage bei 55 Prozentpunkten bleiben. Eine Erhöhung wäre für viele Gemeinden kaum mehr tragbar gewesen, hieß es auch im Anschluss der Präsentation aus dem Gremium.
Summa summarum müssen gut 17 Millionen Euro neue Kredite aufgenommen werden (2025 waren es knapp 18 Millionen); abzüglich von Tilgungen bedeutet das eine Neuverschuldung von gut 12 Millionen Euro (2025: 10,4 Millionen). Damit steigt das Minus für den Landkreis auf 109,3 Millionen Euro oder einer eine Pro-Kopf-Verschuldung von 787 Euro (2025: 700 Euro).
Einen großen Teil der Ausgaben machen die Bezirksumlage (23 Prozent), die Personalausgaben (16 Prozent), der Verwaltungs- und Betriebsaufwand (19 Prozent) sowie die sozialen Leistungen (17 Prozent) aus. In Sachen Krankenhaus GmbH rechnet Brugger, wie berichtet, für 2026 und die Folgejahre mit Betriebskostenzuschüssen von jeweils zehn bis zwölf Millionen Euro (ursprünglich waren acht Millionen geplant) plus drei Millionen Euro an Zuschüssen für Investitionen, die der Landkreis der Krankenhaus GmbH zahlen muss. Generell liegen die Betriebskosten im nächsten Jahr voraussichtlich bei 12 Millionen Euro.
Rund 31 Millionen Euro kostet der laufende Sachaufwand für die Schulen im Landkreis – „jeder achte Euro geht in Richtung Schulen“, so Brugger. Vor allem die Digitalisierung und die allgemeinen Preissteigerungen sind für den Mehraufwand verantwortlich. Die Sozialausgaben des Landkreises verschlingen knapp 70 Millionen Euro, vor allem wegen des Anstiegs an Sozialhilfe, Asyl und Jugendhilfe seit 2023/2024.
Trotzdem stehen für die kommenden Jahre auch dringend notwendige Großinvestitionen an, wie etwa Maßnahmen an der Realschule Peißenberg, am Gymnasium oder der Realschule Weilheim, sowie am Penzberger Schulzentrum. Auf die FOS/BOS Weilheim wartet außerdem die Generalsanierung und für das Landratsamt-Gebäude an der Pütrichstraße gibt es einen Ersatzbau.
Trotz dieser Mammutaufgaben sind im Haushaltsplan auch freiwillige Leistungen des Landkreises in Höhe von insgesamt gut 7 Millionen Euro veranschlagt. Knapp 6 Millionen Euro davon macht der ÖPNV aus, aber auch andere freiwillige Leistungen wie die Schulsozialarbeit, Leistungen in der Landschaftspflege, Gastschulbeiträge oder Förderungen in beispielsweise der Kurzzeitpflege schlagen zu Buche – mit einem klaren Ergebnis: Es gebe keinen weiteren Spielraum mehr, erklärte Brugger. Die Leistungen, die im Haushalt 2026 veranschlagt sind, wurden von Kreis- und Finanzausschuss aber für gut befunden. Mit jeweils einer Gegenstimme wurden sie für das kommende Jahr abgesegnet.
Haushalt abgesegnet
Ähnlich verhielt sich das Gremium auch, als Brugger seinen Vortrag über den Haushalt 2026 beendete. So wollte Michael Marksteiner (Freie Wähler) dem Kämmerer „zu diesem Meisterstück gratulieren“. Als Problem sah er die Finanzen der Krankenhaus GmbH, denn es seien Gelder versprochen worden, die noch nicht ausgezahlt wurden. Falk Sluyterman (SPD) freute sich derweil, dass die Planungen für die Schulen Fahrt aufnehmen und einen Platz im Haushalt finden. In Sachen Kreisumlage sei die Schmerzgrenze der Kommunen erreicht, auch bei den stabilen 55 Prozentpunkten. Peter Erhard (CSU) bezeichnete den Haushalt als „anspruchsvoll“. Aber „jeder Euro, der ausgegeben wird, bleibt bei unseren Bürgern.“
Der Kreis- und Finanzausschuss segneten die Haushaltssatzung mit Haushaltsplan (mit jeweils zwei Gegenstimmen) und die Finanzplanung, einschließlich Investitionsplanung (jeweils eine Gegenstimme) ab. Jetzt liegt die Entscheidung beim Kreistag, die er in der nächsten Sitzung am 5. Dezember treffen soll.
Mit dem Kreisbote-Newsletter täglich zum Feierabend oder mit der neuen „Kreisbote“-App immer aktuell über die wichtigsten Geschichten informiert.