Wer regelmäßig mit dem Bus unterwegs ist, hat es sicher schon erlebt: Ein Fahrgast steigt mit seinem Hund ein – manchmal mit Maulkorb und Leine, manchmal ohne. Für viele Hundebesitzer ist das ein emotionales Thema, doch für uns Busfahrer gehört es zum Alltag, bei dem Sicherheit, Gesetz und gesunder Menschenverstand Hand in Hand gehen müssen.
Martin Binias, bekannt als „Herr Busfahrer“, ist Influencer und aktiver Busfahrer. Mit Humor und Reichweite macht er den ÖPNV nahbar, schafft Verständnis für den Berufsalltag und wurde mehrfach ausgezeichnet. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen seine persönliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.
Rechtlicher Hintergrund: Klare Vorschriften für Maulkorb und Leine
In vielen Städten und Bundesländern ist es tatsächlich gesetzlich oder per Beförderungsbedingungen der Verkehrsbetriebe vorgeschrieben, dass Hunde im öffentlichen Nahverkehr an der Leine zu führen und mit einem Maulkorb zu versehen sind. Dabei handelt es sich nicht nur um eine Empfehlung, sondern um eine rechtlich bindende Regelung, die auf Grundlage der jeweiligen Landeshundeverordnung und der Beförderungsbedingungen gemäß § 22 Personenbeförderungsgesetz (PBefG) festgelegt ist.
Besonders bei mittelgroßen und großen Hunden gilt in nahezu allen Verkehrsverbünden eine Maulkorbpflicht. Kleinere Hunde sind häufig davon ausgenommen, sofern sie in einer geschlossenen Transportbox mitgeführt werden. Verstöße gegen diese Regelungen können nicht nur zur Verweigerung der Mitfahrt führen, sondern im Extremfall auch mit einem Bußgeld geahndet werden.
Alltag auf dem Fahrersitz: Zwischen Verständnis und Verantwortung
Als Busfahrer erlebt man täglich, wie unterschiedlich Fahrgäste mit dieser Regel umgehen. Ein Beispiel aus meinem Arbeitsalltag:
Vor einigen Wochen stieg eine ältere Dame mit einem Schäferhund ohne Maulkorb ein. Als ich sie freundlich auf die Vorschrift hinwies, reagierte sie überrascht: „Der tut doch nichts!“ Solche Situationen sind typisch – doch selbst wenn der Hund bislang immer friedlich war, kann der Stress einer lauten und engen Busfahrt sein Verhalten verändern. Ich erklärte ihr ruhig die Regelung, und sie stieg bei der nächsten Haltestelle wieder aus. Kurz darauf kam sie mit Maulkorb zurück – und die Fahrt verlief völlig problemlos.
Ein anderes Mal hatte ich einen Fahrgast mit einem kleinen Terrier, der laut bellend durch den Bus sprang. Da er nicht in einer Box transportiert wurde, bestand auch hier eine Pflicht zur Sicherung. In solchen Momenten liegt es an uns Fahrern, höflich aber bestimmt einzugreifen. Denn wenn sich andere Fahrgäste unwohl fühlen oder gar gefährdet sehen, ist es unsere Aufgabe, Sicherheit und Ordnung im Fahrzeug zu gewährleisten – genau das sieht auch § 4 der Beförderungsbedingungen vor.
Sicherheit für alle – nicht nur für die Fahrgäste
Der Maulkorb dient nicht nur dem Schutz anderer Fahrgäste, sondern kann auch dem Hund selbst helfen. Laute Geräusche, fremde Menschen, hektisches Gedränge – all das kann bei Hunden Stress oder sogar Angst auslösen. Ein Maulkorb verhindert, dass der Hund in einer Schrecksekunde schnappt oder zubeißt, und gibt damit auch seinem Halter Sicherheit. Zudem tragen Maulkörbe heute oft eine leichte, gut belüftete Bauweise, die das Atmen und Hecheln nicht beeinträchtigt.
Aus meiner Erfahrung reagieren viele Fahrgäste entspannter, wenn sie sehen, dass Hunde gesichert sind. Das schafft ein besseres Klima im Bus und beugt Konflikten vor. Gerade bei Schulfahrten oder Stoßzeiten ist das wichtig – hier ist jeder zusätzliche Faktor, der für Sicherheit sorgt, Gold wert.
Tipp für Hundebesitzer: Vorbereitung ist alles
Mein Rat an alle Hundebesitzer: Informieren Sie sich vor Fahrtantritt über die Regeln Ihres regionalen Verkehrsverbundes. Die Informationen finden Sie meist auf der Website des Unternehmens oder an den Aushängen an Haltestellen. Ein passender Maulkorb und eine kurze, stabile Leine gehören dann ebenso zur Grundausstattung wie ein gültiges Ticket.
Übrigens: In manchen Städten ist die Mitnahme kleiner Hunde sogar kostenlos, wenn sie in einer Tasche oder Transportbox reisen. Größere Hunde benötigen oft ein ermäßigtes Kinderticket. Auch hier lohnt sich ein kurzer Blick in die Beförderungsbedingungen.
Fazit: Die Maulkorbpflicht im ÖPNV ist kein bürokratischer Selbstzweck, sondern ein wichtiger Beitrag zur Sicherheit aller Beteiligten – Fahrgäste, Fahrer und Hunde eingeschlossen. Aus meiner Sicht als Busfahrer ist es entscheidend, dass wir alle die Vorschriften kennen und respektieren. Nur so kann der öffentliche Nahverkehr für Mensch und Tier sicher und stressfrei bleiben.