Südtirol rüstet sich gegen massive Plage: „Sind wir auf Mithilfe aller Bürger angewiesen“

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In Südtirol dürfen Jäger jetzt offiziell die aus Südamerika stammende Nutria töten. Eine Region hat ganz besonders mit den Nagern zu kämpfen.

Bozen – Sie schwimmen durch die Gräben, knabbern an Uferböschungen und vermehren sich rasant: Nutrias haben Südtirol erobert. Was 2006 als vereinzelter Nachweis begann, ist inzwischen zu einer echten Plage geworden. Nun schlägt die Provinz Bozen zurück – mit Fallen sowie zahlreichen Jägerinnen und Jägern.

Drei Nutrias sitzen auf einem Baumstamm
Drei Nutrias sitzen auf einem Baumstamm. © Julian Stratenschulte/dpa

Die Nutria gilt als invasive Art, auch in Hessen verbreitet sie sich schnell. Und steht seit 2016 auf der EU-Liste der problematischen gebietsfremden Arten. Forstwirtschaftslandesrat Luis Walcher erklärt in einer Mitteilung der Landespresseagentur (LPA) der Autonomen Provinz Bozen: „Für ein möglichst effizientes Management invasiver Wildtierarten spielt die Früherkennung eine wesentliche Rolle. Dafür sind wir auf die Mithilfe aller Bürgerinnen und Bürger angewiesen, vor allem von Jägern, Fischern und auch der Bonifizierungskonsortien.“

Südtirol erlebt erhebliche Nutria-Plage – Unterland besonders betroffen

Die aus Südamerika stammenden Nagetiere breiten sich seit 20 Jahren unaufhaltsam in Südtirol aus, in Deutschland wird die Nutria ebenfalls vielerorts zur Plage. Nach Angaben von Forstwirtschaftslandesrat Walcher ist besonders das Unterland, also die Region im südlichen Teil Südtirols, von der Invasion betroffen. Vereinzelt wurden die bis zu 60 Zentimeter großen Tiere auch im Etschtal zwischen Gargazon und Salurn gesichtet.

Nagetier Nutria

Bei der Nutria, auch Sumpfbiber genannt, handelt es sich laut Website des Landesamts für Umwelt Brandenburg (LfU) um ein an Wasser gebundenes Nagetier. Dessen Kopf-Rumpf-Länge beträgt 45 bis 65 Zentimeter, die Schwanzlänge 30 bis 45 Zentimeter. Das Fell der aus Südamerika stammenden Nutria ist gelbgrau bis schwarz gefärbt, mit dichter graubrauner Unterwolle. Die Tiere haben auffällige orangefarbene Nagezähne, lange dicke Schnurrhaare und kleine Ohren, so das LfU. Die Nutria kann demnach mit dem größeren einheimischen Biber (Castor fiber) verwechselt werden, dessen Schwanz jedoch breit abgeplattet ist, und mit der kleineren gebietsfremden Bisamratte (Ondatra zibethicus), deren Schwanz jedoch seitlich abgeplattet ist.

Jäger dürfen Nutria jetzt offiziell töten – bereits 40 Tiere erlegt

Mit einer Gesetzesänderung hat Südtirol den Kampf gegen die Nager verschärft. Landesforstdirektor Günther Unterthiner erklärte in der LPA-Mitteilung: „Das Landesamt für Wildtiermanagement führt ein gezieltes Management zur Kontrolle der Nutria-Population in Südtirol durch und hat schwerpunktmäßig spezielle Fallen ausgelegt.“

Dafür habe man das Omnibusgesetz Nummer 44 von 2025 geändert, der Artikel 29 des Landesgesetzes von 1987 wurde angepasst. Ab sofort dürfen auch „Jagdausübungsberechtigte im Besitz der allgemeinen Voraussetzungen“ Nutrias erlegen. Nach Angaben von Unterthiner wurden bislang rund 40 der Nagetiere getötet.

Das Landesamt für Wildtiermanagement rüstet die Jagdreviere bei Bedarf mit speziellen Fallen aus. Außerdem werde es „für die hauptberuflichen Jagdaufseher der Gebiete mit nachgewiesenem Nutria-Vorkommen“ Schulungen zum Umgang mit Nutria-Fallen und Waffen geben, ergänzte Dominik Trenkwalder von der Landesabteilung Forstdienst des Landesamts.

Nagetier-Plage in Südtirol: Bürger sollen Nutria-Sichtungen melden

Wer eine Nutria oder mehrere der Nagetiere beobachtet, soll dies umgehend dem Landesamt für Wildtiermanagement melden. Die Telefonnummer lautet +39 471 415170, per E-Mail erreicht man das Amt unter wildtiermanagement@provinz.bz.it. Auch die örtlichen Forststationen nehmen Hinweise entgegen.

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Die Nutrias gelten als Bedrohung für heimische Ökosysteme. Sie graben Höhlen in Uferböschungen, was zu Erosion führen kann, und konkurrieren mit einheimischen Arten um Lebensraum und Nahrung. Im vergangenen Sommer bereitete in Italien auch eine Kakerlaken-Plage Probleme. (Quellen: Landespresseagentur der Autonomen Provinz Bozen, Landesamt für Umwelt Brandenburg) (kh)

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Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/welt/suedtirol-ruestet-sich-gegen-massive-plage-sind-wir-auf-mithilfe-aller-buerger-angewiesen-94114835.html