Pentagon muss jetzt Kohlestrom kaufen: Trump macht das Militär zum Umwelt-Sünder

  1. Startseite
  2. Politik

Kommentare

US-Präsident Donald Trump. © Salwan Georges/The Washington Post

Donald Trump will, dass das Pentagon mehr kohlebasierten Strom einkauft. Die Executive Order lässt offen, wie teuer das wird. Eine Analyse.

Washington D.C. – Präsident Donald Trump hat das Pentagon angewiesen, mehr auf Kohle basierende Elektrizität zu kaufen. Damit zieht er das US-Militär in seine Kampagne zur Subventionierung eines stark umweltschädlichen fossilen Brennstoffs hinein, der sich im Wettbewerb am Markt schwer tut.

Trump kündigte die Maßnahme am Mittwoch bei einem Termin im Weißen Haus an. Bei dem Termin erklärte er zudem, seine Regierung werde Steuergelder einsetzen, um Kohlekraftwerke in vier Bundesstaaten aufzurüsten.

Experten warnen, dass die Bemühungen der Regierung zur Wiederbelebung der Kohle die Strompreise für alle Verbraucher in die Höhe treiben könnten. Sie könnten zudem erhebliche Luft- und Wasserverschmutzung durch Feinstaub, Schadstoffe und Kohlendioxidemissionen verursachen.

The Washington Post vier Wochen gratis lesen

Ihr Qualitäts-Ticket der washingtonpost.com: Holen Sie sich exklusive Recherchen und 200+ Geschichten vier Wochen gratis.

„Wir werden eine Menge Kohle über das Militär einkaufen“, sagte Trump. „Das wird billiger und tatsächlich viel effektiver sein als das, was wir seit vielen, vielen Jahren genutzt haben.“

Executive Order und Folgen für das Klima

Die am Mittwoch unterzeichnete Executive Order von Trump gibt nicht an, wie viel das Pentagon ausgeben soll. Sie weist Verteidigungsbeamte an, Kohle in langfristigen Energieverträgen zu bevorzugen. Darin heißt es, „Kohle ist wesentlich für unsere nationale und wirtschaftliche Sicherheit“ und es sei „zwingend erforderlich“, dass „das Pentagon den Erhalt und die strategische Nutzung kohlebasierten Stroms priorisiert.“

Die Trump-Regierung arbeitet zudem daran, Kohle und andere karbonintensive Industrien zu stützen, indem sie bundesstaatliche Vorschriften abbaut, die den Ausstoß von Treibhausgasen begrenzen. Das Weiße Haus will voraussichtlich diese Woche verkünden, dass es die Feststellung der Bundesregierung aufhebt, wonach diese Emissionen die Ursache der globalen Erwärmung sind – die Grundlage für die US-Klimapolitik.

Die Anordnung beruft sich auf den vom Weißen Haus Anfang letzten Jahres ausgerufenen Energie-„Notstand“ sowie auf eine Executive Order vom April zur Stärkung des US-Stromnetzes. Regierungsvertreter argumentieren, die landesweite Stromknappheit – verursacht insbesondere durch die Zunahme von Rechenzentren – habe eine nationale Sicherheitskrise ausgelöst.

Maßnahmen zur Stützung der Kohleindustrie

Zusätzlich zur Pentagon-Direktive kündigte Trump am Mittwoch an, seine Regierung werde Gelder des Energieministeriums einsetzen, um Kohlekraftwerke in Kentucky, North Carolina, Ohio und West Virginia „am Netz zu halten und diese Anlagen offen zu lassen“. Wie viel Geld in das Projekt fließen wird, sagte Trump nicht. Es soll aber aus einem bestehenden Etat von 625 Millionen Dollar stammen, den die Regierung im September zur Unterstützung der Kohleindustrie ankündigte.

Die beispiellosen Maßnahmen der Regierung zwingen Energieunternehmen und Verbraucher zur Subventionierung von ohnehin stillzulegenden Kohlekraftwerken. Sie haben in mehreren Bundesstaaten zu heftigen Protesten von Generalstaatsanwälten, Branchenvertretern und Verbraucherschützern geführt.

Energieminister Chris Wright hat mehrfach kaum genutzte Notfallbefugnisse eingesetzt, um die geplante Stilllegung von fünf großen Kohleanlagen zu verhindern. Die Anordnungen werden von mindestens 15 Bundesstaaten vor Gericht angefochten. Sie zwingen Versorger de facto, ihre Stilllegungspläne aufzugeben und beliebige Summen zu investieren, um die Kraftwerke weiter zu betreiben. Diese Kosten werden in der Regel über höhere Stromrechnungen an die Verbraucher weitergegeben.

Das Ergebnis, so Ari Peskoe, Energierechtsexperte an der Harvard University, waren „höhere Stromrechnungen bei minimalem Nutzen für die Verbraucher.“

„Jedes der fünf Kraftwerke sollte geschlossen werden, weil deren Betrieb teuer ist und es günstige Alternativen gibt, die die Nachfrage decken können“, sagte Peskoe. „Die Eigentümer schalten die Anlagen nicht einfach wieder ein – sie investieren Millionen in Wartung, erneuern ausgelaufene Kohleverträge und stellen Personal wieder ein.“

Die Betreiber eines Kohlekraftwerks in Colorado, das auf Anordnung der Regierung weiterlaufen muss, argumentieren, dass die Trump-Regierung sie rechtswidrig zum Weiterbetrieb zwinge. Zwei Versorger aus Colorado, Tri-State Generation and Transmission Association und Platte River Power Authority, erklärten in einem Antrag bei der Bundesaufsichtsbehörde vergangenen Monat, die Weisung sei eine verfassungswidrige Enteignung von Privateigentum. „Die Kosten der Einhaltung fallen direkt bei ihren Mitgliedern und Kunden an, die nun zahlen müssen“, heißt es in dem Antrag. Der Antrag weist die Ansicht des Energieministeriums zurück, die Anlage sei entscheidend zur Abwendung einer Energieknappheit im Westen der USA.

Kosten und rechtliche Auseinandersetzungen

15 Bundesstaaten versuchen, die Anordnungen der Trump-Regierung, Kohlekraftwerke weiter zu betreiben, mit einer Klage zu blockieren. Mit der Klage wollen sie die Energienotstand-Erklärung aus dem letzten Jahr aufheben, die vom Energieministerium als Rechtfertigung für die Maßnahmen angeführt wird.

Die Kosten für die Verbraucher, um die Anlagen offen zu halten, sind beträchtlich. Der Betreiber des J.H. Campbell-Komplexes, eines westmichiganischen Kohlekraftwerks, das auf Anweisung der Regierung weiter betrieben werden muss, hat angegeben, dass dies täglich 615.000 Dollar kostet. Einer Analyse der Forschungsgruppe Grid Strategies zufolge würde die Ausweitung der Regierungsanordnung auf Dutzende bis Ende 2028 zur Stilllegung vorgesehene Kohlekraftwerke jährliche Mehrkosten von mehr als 3 Milliarden Dollar verursachen.

Die Kosten der Anweisung des Weißen Hauses an das Pentagon, Kohle zu kaufen, sind unklar. Die Regierung hat bislang keine Angaben zu den bestehenden Energieverträgen des Verteidigungsministeriums und zu möglichen Mehrausgaben gemacht. Fest steht jedoch laut Rob Gramlich, Präsident von Grid Strategies: „Die Steuerzahler müssen zahlen, was das Verteidigungsministerium einkauft.“

Zum Autor

Evan Halper ist Wirtschaftsjournalist bei der Washington Post und berichtet über die Energiewende. Seine Arbeit konzentriert sich auf die Spannungen zwischen Energiebedarf und Dekarbonisierung der Wirtschaft. Er kam von der Los Angeles Times zur Washington Post, wo er zwei Jahrzehnte lang tätig war und zuletzt aus dem Washingtoner Büro über Innenpolitik und Präsidentschaftspolitik berichtete.

Dieser Artikel war zuerst am 12. Februar 2026 in englischer Sprache bei der „Washingtonpost.com“ erschienen – im Zuge einer Kooperation steht er nun in Übersetzung auch den Lesern der IPPEN.MEDIA-Portale zur Verfügung.