Glascontainer quellen über, an Wertstoffinseln stapelt sich Sperrmüll. Immer wieder kommt das von der Vivo beauftragte Abfuhrunternehmen mit der Arbeit nicht mehr hinterher. Im Rottacher Gemeinderat war man sich auch mit Blick auf den Tourismus einig: So kann‘s nicht weitergehen.
Rottach-Egern – Es war Sebastian Kölbl (CSU), der das Problem auf den Ratstisch brachte. Er berichtete von einer Wochenend-Tour zu den Container-Standorten im Ort. „Es war überall dasselbe Bild“, berichtete er. Jede Menge Flaschen vor den Iglus, ein unschöner Anblick. „Wir sind doch eine Urlaubsregion“, erinnerte er. Wenn sich am vermüllten Zustand den ganzen Sommer hindurch nichts ändere, sei dies für Rottach-Egern ein großes Problem. Er bitte Bürgermeister Christian Köck (CSU), das Thema im Verwaltungsrat des Abfallwirtschaftsunternehmens Vivo anzugehen.
„Das Erscheinungsbild ist katastrophal“
Bei Köck traf er einen Nerv. „Das Erscheinungsbild ist katastrophal“, bestätigte der Bürgermeister. Er fürchte die Sommerhitze. „Wenn man sieht, was die Leute alles hinschmeißen, können wir ein Schädlingsproblem bekommen.“ Der Unrat mache die Anstrengungen der Gemeinde für ein schönes Ortsbild zunichte: „Es ist vergebene Liebesmüh‘, wenn wir Blumen pflanzen.“
Die Problematik, so Köck, habe er bereits zu einem früheren Zeitpunkt mit Vivo-Vorständin Sarah Tschachtli besprochen. Wie berichtet, hat die Vivo einen Subunternehmer aus Fischbachau mit der Leerung der Wertstoff-Iglus beauftragt. Wegen Fahrzeugausfällen kam es immer wieder zu Verzögerungen bei der Abfuhr. Leider, so Köck, habe in den vergangenen Jahren kein Wettbewerb bei der Auftragsvergabe stattgefunden: „Wir haben es mit einem Monopolisten zu tun“, ließ Köck wissen.
Unterstützung aus Rosenheim
Er bat seinen Ratskollegen Hermann Ulbricht (FWG), die Situation näher zu erläutern: Mit ihm habe man schließlich einen Vivo-Mitarbeiter im Gremium. Ulbricht zierte sich nicht und sprach Klartext. Die geschilderten Probleme gebe es im ganzen Landkreis: „Und das ist kein Zustand.“ Bei dem beauftragten Unternehmen seien unlängst zwei Lkw kaputtgegangen: „Ich weiß nicht, warum der so ein Glump hat.“ Trotz aller Versprechungen träten die Probleme immer wieder auf, in jüngster Zeit hätten sie sich gehäuft. Im akuten Fall habe die Firma nun Unterstützung aus Rosenheim engagiert.
Einziger Bieter
Die Vivo habe aber keine andere Wahl gehabt, als den Auftrag an diese Firma zu vergeben: „Es war das einzige Angebot.“ Es sei so günstig, dass deshalb wohl auch kein anderer geboten habe. Schließlich muss laut Kommunalrecht der billigste Bieter den Zuschlag bekommen.
Josef Lang (CSU) will das nicht hinnehmen. „Offensichtlich kann die Firma ihren Auftrag ja nicht erfüllen“, wandte er ein. Für diesen Fall müsse es ein Sonderkündigungsrecht geben. „Es kann doch nicht sein, dass die Vivo zwei Jahre nur zuschaut, weil der sagt, sein Auto ist kaputt.“ Seine Fraktionskollegin Alexandra Wurmser sieht das genauso: „Da muss man Druck ausüben.“ Auch Köck plädiert für einen neuen Vertragspartner: „Wenn er den Landkreis nicht bedienen kann, muss man die Pferde wechseln.“
Wechsel erst ab 2028 möglich
Die Vivo, merkte Köck an, habe kommunalrechtlich nichts falsch gemacht. „Aber man muss dringend nacharbeiten.“ Um die Situation zu verbessern, müsse mehr Geld eingesetzt werden, auch wenn dies zu Abstrichen beim Jahresergebnis der Vivo, einer Landkreistochter, führe.
Auf die Schnelle, so Vivo-Vorständin Tschachtli auf Nachfrage, lässt sich am Konzept nicht rütteln. Der Vertrag gelte bis 2027 und sehe kein Sonderkündigungsrecht vor. Ab 2028 wäre ein Systemwechsel möglich. Allerdings sei dieser bei den Leichtverpackungen auch nur mit Zustimmung der Dualen Systeme möglich, erklärt Tschachtli. Weil Hol-Modelle wie die Gelbe Tonne viel teurer kommen als die Wertstoffinseln, sei bei der Umstellung mit einem Rechtsstreit zu rechnen. „Aber es ist uns sehr wichtig, uns den Bedürfnissen der Bürger anzupassen“, versichert die Vorständin. Darum führe die Vivo, wie angekündigt, nach den Pfingstferien eine Bürgerbefragung durch.
Sperrmüll wird abgeladen
Der Bürger ist im Übrigen auch gefragt, was sein Verhalten angeht. „Müll zieht Müll an“, weiß Tschachtli. Wer einen übervollen Container vorfinde, sei gebeten, Flaschen und anderes nicht danebenzustellen, sondern an anderer Stelle zu entsorgen.
Ein Problem ist auch, dass immer häufiger Sperrmüll an den Wertstoffinseln abgeladen wird. „Ganze Wohnzimmereinrichtungen“, berichtete Ulbricht im Gemeinderat. Vor zehn Jahren habe man vier Tonnen Sperrmüll pro Jahr abfahren müssen. Jetzt seien es 42 Tonnen: „Ein Wahnsinn.“