Vor gut neun Jahren kaufte die Stadt Wolfratshausen ein denkmalgeschützes Haus in Bestlage. Doch für die notwendige Sanierung fehlt das Geld. Nun wird ein Investor gesucht.
Wolfratshausen – Gut neun Jahre sind ins Land gezogen, im November 2016 kaufte die Stadt die ehemalige Happsche Apotheke am Untermarkt 13 in der Wolfratshauser Altstadt. Seither steht sie leer. Alle – meist nur vagen – Vorschläge, wie das prominente Gebäude genutzt werden könnte, blieben graue Theorie. Nicht zuletzt, weil die Immobilie Denkmalschutz genießt und stark renovierungsbedürftig ist. Nun hat der Bauausschuss des Stadtrats in nicht öffentlicher Sitzung entschieden: Für die ehemalige Apotheke, ein laut Ausschreibung „denkmalgeschütztes Wohn- und Geschäftshaus in bester Innenstadtlage“ wird ein Erbpachtnehmer gesucht.
In den Augen von Rathauschef Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung) ist das mit einer markanten Lüftlmalerei verzierte Anwesen ein Kleinod, das einen Teil des besonderen Ambientes der Altstadt ausmache. Dies sei mit ein Grund gewesen, warum die Stadt das Haus, 1633 als „Braubehausung“ urkundlich erwähnt, erworben habe. Die Kommune räumte Annemarie Eichner-Happ, die die elterliche Apotheke gemeinsam mit ihrem Bruder Anton seit 1956 bis zur Schließung 2006 geleitet hatte, ein lebenslanges Wohnrecht ein. Die Wolfratshauserin verstarb im April 2022 im Alter von 96 Jahren.
Vize-Bürgermeister rechnet mit „zwei bis drei Millionen Euro“ Sanierungskosten
Nicht nur das Haus selbst steht unter Denkmalschutz, sondern auch das historische, zum Teil vor dem Jahr 1800 aus Fichtenholz gefertigte Apothekeninventar ist „integraler“, das heißt wesentlicher Bestandteil des Denkmals. Eine Herausforderung hinsichtlich der möglichen Nutzung der Immobilie. Zudem macht Heilinglechner kein Hehl aus der Tatsache, dass die notwendige Sanierung des Objekts ein kostspieliges Unterfangen wird. Sein Stellvertreter Günther Eibl (CSU) ging vor rund zwei Jahren von „zwei bis drei Millionen Euro“ aus, widersprechen wollte ihm kein Stadtrat und auch kein Experte.
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Für das Erbpachtmodell gibt es in der Innenstadt ein Beispiel
Mit Blick auf den leeren Stadtsäckel konstatiert Bürgermeister Heilinglechner: „Das haben wir nicht im Kreuz.“ Angesichts des angespannten Wohnungsmarkts und den mutmaßlich weiter steigenden Preisen in Sachen Sanierung sei es Tenor im Fachausschuss gewesen, „dass wir nicht länger warten wollen“. Die Stadt wolle Eigentümer der Immobilie bleiben, sie aber in Erbpacht für 66 Jahre einem Investor ans Herz legen. Für dieses Modell gibt‘s ein Beispiel: das ehemalige Vermessungsamt neben dem Rathaus. Das übernahm 2011 Jürgen Kindervater, bis 2002 Kommunikationschef der Deutschen Telekom, für 99 Jahre in Erbpacht. Nach Kindervaters Tod im März 2023 gingen Rechte und Pflichten an einen seiner Söhne über.
Wesentlich sei das Nutzungskonzept, das der potenzielle Investor präsentiere. „Über die Vergabe entscheide nicht ich, sondern das zuständige Fachgremium, der Bauausschuss“, betont Heilinglechner im Gespräch mit unserer Zeitung.
Interessenten können sich bis 24. Februar beim Liegenschaftsamt melden
Überlegungen, die ehemalige Apotheke wieder zu verkaufen, die Anfang 2025 wie berichtet die Runde gemacht hatten, „sind nicht vom Tisch“, so der Rathauschef. Sollte sich kein Erbpachtnehmer finden, stehe es den Stadträten frei, „über die Option Verkauf zu diskutieren“. Heilinglechner ist allerdings guten Mutes, da es in jüngster Vergangenheit Interessenten für das Gebäude gegeben habe.
Konkrete Angebote nimmt die Liegenschaftsverwaltung der Stadt Wolfratshausen bis 24. Februar entgegen. (cce)