Nach Kostenschock über 3,5 Millionen: Wolfratshauser will Parkplatz-Plan retten – „Bin optimistisch“

  1. Startseite
  2. Lokales
  3. Geretsried-Wolfratshausen
  4. Wolfratshausen

Kommentare

Parken am Hatzplatz: Die Debatte wie es dort weitergehen soll, dauert schon Jahrzehnte an. © Hans Lippert/Archiv

Der SPD-Politiker will seinen Entwurf für das Parkhaus am Hatzplatz retten. Jeder neue Stellplatz würde 75.000 Euro kosten, sagt ein Fachbüro. Gärtner hat nun nachgelegt.

Die Reaktionen reichten von blanker Ablehnung bis zu ungläubigen Nachfragen. Und so wirklich rechnete keiner mehr damit, dass der hübsche Plan eine Zukunft hat. Denn in der letzten Sitzung des Stadtrats im vergangenen Jahr hatte ein Fachbüro erstmals belastbare Zahlen zum Gärtner-Parkhaus am Hatzplatz vorgelegt. Nach Prüfung von „Scherr + Klimke“ kostet jeder zusätzliche Stellplatz auf dem Areal an der Loisach gute 75 000 Euro. „Das ist der Hammer“, meinte Hans-Georg Anders (Grüne) damals und fasste damit ziemlich treffend die Reaktionen des Rats zusammen. Einer möchte die Hoffnung für das gefälligere Parkhaus jedoch nicht aufgeben. Hans Gärtner, emsiger SPD-Politiker, sieht noch Chancen für die Variante aus seiner Feder.

Im Februar erwartet Rathauschef Klaus Heilinglechner eine Entscheidung: Zwei Möglichkeiten stehen dann zur Wahl. Zum einen der Gärtner-Plan, der als der gefälligere der beiden gilt, zum anderen die Variante, die das Planungsbüro Adlwarth entworfen hat, und die spätestens seit der Dezember-Offenbarung als zweckmäßiger gilt. Gärtner hat die Zeit seit der Sitzung genutzt. Er ist der Meinung: Eine Entscheidung für die Adlwarth-Variante kann der Stadtrat eigentlich nicht treffen. Zu vieles sei offen.

Bei der Prüfung seines Plans stellte sich heraus, dass Gärtner und das Fachbüro von unterschiedlichen Grundwasserwerten ausgegangen waren. Das sorgte für die enorme Preissteigerung auf bis zu 3,6 Millionen Euro. Ob der Höchstwert, den das Büro angewendet hat, tatsächlich realistisch ist? Gärtner hat da seine Zweifel. Die Grundwasserwerte wurden einige 100 Meter entfernt gemessen, an der Pfaffenrieder Straße, weit weg vom Loisachufer. „Der Stand sollte am Hatzplatz gemessen werden, nicht derart weit entfernt“, findet der Wolfratshauser. Und sollte sich dann die Sorge der Fachplaner von Scherr+Klimke bewahrheiten, habe das nicht nur auf seine Zeichnung Auswirkungen. „Bestätigt sich das, müssen auch Statik und Kosten der anderen Variante geprüft werden“, die auf demselben Bodenniveau geplant wurde.

Trotz Kostenexplosion: Hans Gärtner kämpft für seinen Parkhaus-Plan

Für seine eigene Variante, die er mit SPD-Stadtrat Manfred Menke entworfen und beworben hat, machte er sich in der Zwischenzeit auch Gedanken. Mit Anpassungen an der Zufahrtsrampe könnte das ganze Parkhaus über dem genannten Grundwasserniveau gebaut werden. Geprüft werden diese Umplanung und ihre finanziellen Auswirkungen vom Fachbüro nicht mehr. In der jüngsten Sitzung des Stadtrats sprach der Bürgermeister in dieser Frage ein Machtwort, als Menke mehrfach nachhakte, ob sich die beiden Planer mit dem Fachbüro austauschen sollten. Aufgeben ist trotzdem keine Option für Gärtner. „Eine Kostenexplosion muss es nicht geben“, sagt er. Er versteht, dass einige Lokalpolitiker nach langem Ringen eine Entscheidung treffen wollen – „aber man sollte sich die Planung sachlich anschauen und sie nicht übers Knie brechen“.

+++ Uns gibt's auch auf Instagram! Unter „MerkurWolfratshausenGeretsried“ finden Sie immer die spannendsten Geschichten aus unserer Region +++

Fachplaner Veit Grün stellte dem Stadtrat sein Ergebnis vor. Er sieht beim Gärtner-Menke-Plan Überflutungsrisiken sowie einige notwendige Anpassungen bei Rampen, Parkplatzgrößen und Wegführungen. Seiner Prüfung zufolge kostet das Bauwerk 3,6 Millionen Euro, damit 112 Autos parken können. Das wären 42 mehr als heute schon auf dem Hatzplatz stehen. Unterm Strich kostet dann jeder neue Stellplatz 74 800 Euro – wenn man die Nebenkosten nicht einrechnet. „So einen Wert habe ich noch nie gesehen“, sagte Grün. „Das ist extremst. Das ist viel zu teuer.“

Von verschiedenen Grundwasserwerten ausgegangen

Gärtner kündigt an, sich um Gespräche mit den Fraktionen und dem Rathauschef bemühen zu wollen. „Ich bin Optimist“, sagt er. „Deswegen glaube ich immer noch, dass es unsere Lösung werden kann.“ Wie berichtet wird seit Jahrzehnten über die Parksituation am Hatzplatz gerungen. Bis zur Dezember-Sitzung war der Entwurf der beiden SPD-Politiker der favorisierte Plan des Stadtrats. Das scheint sich geändert zu haben.