Die Stadt sieht Wohnraumbedarf – Anwohner fürchten Lebensqualitätsverlust

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Paradeis-Anwohner in Aufregung: Während einer Anhörung im Rathaus gaben viele ihrer Wut Ausdruck. © Holly

Über die Baupläne der Stadt Weilheim im Stadtteil Paradeis empören sich Anwohner und Eigentümer schon seit langem. Denn: Die Stadt möchte zwei Mehrfamilienhäuser auf den freistehenden Grünflächen errichten. Jetzt wurden sie von der Stadt eingeladen, ihre Meinung zum Projekt während einer Anhörung zu äußern.

Weilheim - Seit Monaten sorgt ein Bauprojekt der Stadt Weilheim im Stadtteil Paradeis für Unmut. Auf bislang unbebauten Grünflächen sollen zwei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 22 Wohnungen sowie Tiefgaragen entstehen.

Die geplanten Gebäude messen 10x18 bzw. 10x20 Meter und sollen aus drei Vollgeschossen plus einem zurückgesetzten Penthaus bestehen. „Der Wohnungsdruck in Weilheim wächst – dem müssen wir gerecht werden“, erklärte Bürgermeister Markus Loth den über 50 anwesenden Anwohnern am Dienstagabend im Rathaus. Doch die Empörung unter den Eigentümern der bestehenden Wohnanlage ist groß.

Baupläne empört Paradeis-Anwohner

Beschwerden häufen sich, wie Manfred Stork vom Bauamt zusammenfasste: „Es gab viele Zuschriften – von grundsätzlicher Ablehnung über Sorgen wegen der Gebäudehöhe, Verlust von Grünflächen, weniger Lichteinfall, steigenden Heizkosten, Parkplatzmangel, Verkehrsproblemen bis hin zur Angst vor Hochwasser.“ Die Stadt habe daher mehrere Gutachten beauftragt.

„Die Versickerung funktioniert laut Gutachter – mit Bodenaustausch und dem Einbau zweier Rigolen sowie einer optionalen Zisterne“, so Stork. Für heftige Reaktionen bei den Besuchern sorgte seine Aussage, das Wasser werde „aufgrund der Abstände nicht auf bestehende Gebäude gedrückt“. Barbara Koch, Sprecherin der Eigentümerinitiative, widersprach sofort: Bereits jetzt sammle sich bei Starkregen Wasser in den Kellern. Ein eigenes Gutachten aus dem Jahr 2018 – erstellt von derselben Firma wie das aktuelle – habe gegenteilige Ergebnisse geliefert. Zudem sei eine Bebauung dieser Flächen ursprünglich nicht vorgesehen gewesen.

„..machen alles kaputt.“

„1992 kaufte die Stadt das Grundstück für eine symbolische D-Mark“, erinnerte Koch. „Die damaligen Mieter, meist Beamte, konnten die Wohnungen kaufen – damit wollte man Investoren fernhalten.“

Viele Eigentümer hätten damals Kredite über 30 Jahre aufgenommen, die erst kürzlich abbezahlt wurden. „Und jetzt kommen Sie und machen uns alles kaputt!“

Bürgermeister Loth entgegnete: „Die Grundstücke gehören der Stadt, es besteht Baurecht. Der Stadtrat hat sorgfältig geprüft, wie eine Nachverdichtung möglich ist – und die Abstände sind noch großzügig.“ Stadtbaumeisterin Katrin Fischer ergänzte: „Das Baurecht legt der Staat fest. Theoretisch könnten wir dort sogar noch mehr bauen.“

Diese Bemerkung führte zu lautstarken Protesten im Saal. Fischer versuchte zu beschwichtigen: „Aber genau das wollten wir nicht – deshalb bauen wir in die Höhe, nicht in die Breite.“ Beruhigen ließ sich die Stimmung nicht. „Diese Gebäude sind eine Zumutung und eine Beleidigung fürs Auge der Nachbarschaft“, empörte sich ein Anwohner.

Loth versicherte: „Wir wägen Ihre Rückmeldungen sorgfältig ab und haben die ganze Stadt im Blick.“ Er bat die Eigentümer, dem Bauamt das widersprechende Gutachten zur Verfügung zu stellen.

Die Pläne werden nun den Fraktionen zur weiteren Beratung vorgelegt. Mit einer erneuten öffentlichen Anhörung ist frühestens im Dezember oder Anfang kommenden Jahres zu rechnen.

Mehr kontroverse Projekte

Tatsächlich stehen in Weilheim noch weitere große Bauprojekte an, die bereits zu Bürgerinitiativen geführt haben (wir berichteten). Dazu gehört ein Plan des Weilheimer Bauamts, in der Parchetwiesen. Dort sind drei Wohnhöfe mit je vier Gebäuden und insgesamt rund 50 Wohneinheiten geplant. Laut Anwohnern liegt das Gelände auf moosigem Untergrund und einige fürchten, der Bau könnte zu weiteren Setzungen und Problemen an den Häusern und Boden führen. Außerdem: Die Zufahrt erfolgt über eine kleine, verkehrsberuhigte Straße.

Auch im Ortsteil Unterhausen regt sich Protest. Auf einem rund 5.000 Quadratmeter großen Grundstück, das die Stadt 2011 von der Kirche erwarb, sollen 33 Wohneinheiten entstehen – obwohl ursprünglich eine Friedhofserweiterung geplant war. Anwohner fühlen sich getäuscht. Auch über dieses Projekt diskutiert die Stadt noch intern intensiv.

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