Lange hat Hohenkammer gesucht. Und wurde mit Dr. Sonja Hömig fündig: Endlich hat die Gemeinde wieder eine Ärztin. Im FT-Interview berichtet sie über ihren aufregenden Start.
Hohenkammer – Lange stand die Arztpraxis in Hohenkammer leer, etwa genauso lange bemühte sich die Gemeinde um einen neuen Allgemeinarzt im Ort, wofür sie so manche ungewöhnliche Register zog – mit Erfolg. Seit 1. Juli sind die Bürgerinnen und Bürger in Hohenkammer medizinisch wieder top versorgt. Dr. Sonja Hömig ist nach dem Praxis-Umbau mit ihrem Team eingezogen. Im FT-Interview erzählt die 43-Jährige, die mit ihrer Familie in Jetzendorf lebt, von den Vorbereitungen, der Eröffnung, ihren Ambitionen und den ersten Monaten, die schon mal aufregend waren.
Frau Dr. Hömig, wie fühlt es sich an, wieder nach Hohenkammer zurückzukehren?
Es fühlt sich sehr positiv an. Es ist schön, dass die Gegend mir nicht komplett fremd ist, weil ich nach dem Studium hier gewohnt habe. Ich hätte damals nie zu träumen gewagt, dass ich hier nochmal herkomme. Ich dachte damals, es zieht mich mehr in Richtung München. Aber es ist hier auf dem Land doch viel schöner.
Lange hat Hohenkammer nach einem Allgemeinarzt gesucht. Fühlen Sie sich ein bisschen wie eine Heldin, welche die Gemeinde gerettet hat?
Nein, das ist kein Begriff, den ich für mich nutzen würde. Doch ich fühle mich sehr willkommen und spüre große Wertschätzung. Ich bekomme häufig die Rückmeldung, dass sich die Leute freuen, dass ich da bin. Das ist ein sehr schönes Gefühl. Grundsätzlich möchte ich eine gute Hausärztin sein, die für ihre Patienten da ist und zuhört.
Haben Sie die Unterstützung von der Gemeinde erhalten, wie Sie es erwartet haben?
Ja. Ich bin sehr dankbar, dass ich in der Bauphase so viel mitreden durfte, also wie der Umbau stattfindet, und wie ich meine Praxis gestalten möchte. Auch nach wie vor gibt es ein gutes Miteinander. Es war schön, dass der 1. und der 2. Bürgermeister zur Eröffnungsfeier gekommen sind.
Stichwort Umbau: Was war Ihnen wichtig?
Mir war es wichtig, dass es genug Behandlungszimmer gibt und es eine große, offene, freundliche Praxis wird, was auch gelungen ist. Meine Architektin und das Architekten-Team der Gemeinde haben gut zusammengearbeitet. Es wurde alles so umgesetzt, wie ich es mir erträumt hatte, und ich bin sehr zufrieden. Wir fühlen uns alle jeden Tag sehr wohl, wenn wir hier reinkommen.
Wer sind denn alles „wir“?
Ich habe vier tolle Mitarbeiterinnen, die alle in Teilzeit arbeiten. Das Team stand bereits Ende letzten Jahres fest. Seitdem haben wir uns häufiger getroffen und unter anderem gemeinsam die Praxis eingeräumt. Durch die mediale Aufmerksamkeit haben sie sich alle initiativ bei mir beworben. Es macht wahnsinnig Spaß, mit ihnen zu arbeiten, und ich weiß es sehr zu schätzen, dass ich sie wie auch mein Putzteam gefunden habe, beziehungsweise vielmehr sie alle mich.
Wie war die Reaktion der Bürger auf die Eröffnung Ihrer Arztpraxis?
Wir bekommen viel positives Feedback. Viele sind von den neuen Räumlichkeiten begeistert, sind zum Beispiel froh, dass die Praxis barrierefrei mit Aufzug ist, und dass es Parkplätze gibt – das scheint den meisten wohl sehr wichtig. Viele erzählen auch, dass sie früher schon bei meinem Vorgänger in Behandlung waren und jetzt gerne wieder zurückkommen in das gleiche Praxishaus in Hohenkammer.
Können Sie eine besonders erinnerungswürdige Begegnung mit einem der ersten Patienten in Hohenkammer teilen?
Wir hatten direkt in der ersten Woche einen Notfallpatienten da. Er kam kurz vor Praxisschluss mit einem akuten Herzproblem. Erst war kurz die Überlegung, direkt einen Rettungswagen zu rufen. Doch wir haben ihn dann in der Praxis gut behandeln können. Er war sehr froh, dass wir da waren. Es hat sich also direkt ausgezahlt, dass wir kurz vor der Eröffnung erst noch ein Notfalltraining gemacht hatten.
Viele erzählen auch, dass sie früher schon bei meinem Vorgänger in Behandlung waren und jetzt gerne wieder zurückkommen in das gleiche Praxishaus.
Gibt es bestimmte Herausforderungen, die Sie bei der Eröffnung Ihrer Praxis in Hohenkammer erlebt haben?
Die Klimaanlage ging in der ersten Woche nicht. Das war etwas ungünstig, weil es zu dieser Zeit sehr heiß war. Mittlerweile funktioniert alles. Dann hatten wir im ersten Monat auch schon einen Feuereinsatz in der Praxis. Wegen Rauch㈠geruch mussten wir Patienten evakuieren und die Feuerwehr alarmieren. Zum Glück wurde letztlich nichts gefunden. Die Vermutung war, dass Rauch von draußen, von einem Ofen zum Beispiel, hier hereingezogen ist. Für den Moment war das sehr aufregend, auch weil wir natürlich eine Fürsorgepflicht den Patientinnen und Patienten gegenüber haben, die teilweise nicht so mobil sind. Im Nachhinein hat der Tag gezeigt, dass im Notfall alles klappen würde.
Nach jetzt zwei Monaten Praxisbetrieb: Wie läuft es bisher?
Das Meiste läuft schon rund, weil die Abläufe nun routiniert und abgesprochen sind. Doch es stehen noch einige Premieren aus, wie die erste Infekt-Saison und die Grippeimpfungen im Herbst.
Wenn die meisten Premieren dann geschafft sind, haben Sie schon Ambitionen für die etwas fernere Zukunft?
Gerne würde ich irgendwann die Weiterbildung von jungen Ärztinnen oder Ärzten in der Praxis anbieten. Mich würde auch freuen, nicht für immer alleine zu bleiben, dass irgendwann mal eine ärztliche Kollegin oder ein Kollege dazukommt. Die Größe der Praxis gäbe es her, dass hier bis zu drei Ärztinnen oder Ärzte parallel behandeln. Doch wir müssen erst einmal sehen, wie sich die Patientenzahlen entwickeln. Noch können wir jedenfalls neue Patienten aufnehmen.