Nun plant die Maduro-Feindin eine Harakiri-Aktion – sie braucht dafür aber Trump

Noch vor wenigen Wochen war María Corina Machado die strahlende Gewinnerin des Friedensnobelpreises 2025. Sie wurde für ihren unermüdlichen Kampf für Demokratie in Venezuela gefeiert. In einer von der US-Regierung unterstützten abenteuerlichen Flucht über die raue Karibik reiste sie nach Oslo, wo ihre Tochter ein paar Stunden zuvor den Preis entgegengenommen hatte. 

Doch nicht einmal einen Monat später hat US-Präsident Donald Trump sie brüskiert und paktiert nach der Verschleppung des Präsidenten Nicolás Maduro mit dessen Stellvertreterin: Delcy Rodríguez wurde am Montag als Interimsherrscherin vereidigt. 

Für Machado hatte Trump nur abschätzige Worte übrig: Sie habe weder die Unterstützung noch den Respekt ihres Volkes. Dabei hatten erst im Juli 2024 bei der Präsidentschaftswahl fast 70 Prozent der Venezolaner für Machados Kandidaten gestimmt. Warum hat Trump die Hoffnungen der erzkonservativen, US-freundlichen Regimegegnerin enttäuscht?

CIA warnte Trump vor Machado als Venezuela-Chefin

Es war wohl reiner Pragmatismus. Presseberichten zufolge warnte der US-Geheimdienst CIA, Machado und der sich im Exil befindliche Oppositionspolitiker Edmundo González Urrutia würden "Schwierigkeiten haben, das Land unter Kontrolle zu bekommen; mit Widerstand des Staatsapparats, des Militärs und von regierungsfreundlichen kriminellen Gruppen sei zu rechnen."

Das klang für Trump nach einer Kamikaze-Mission wie Afghanistan und Irak. Die Wahl für die Herrscherin von Gnaden der USA fiel dann auf Rodríguez – wohl auf Drängen der amerikanischen Erdöllobby. Vor allem Chevron – der einzige US-Ölmulti, der weiter in Venezuela produziert und exportieren darf – hatte mit ihr in den vergangenen Monaten erfolgreich zusammengearbeitet, um die Produktion zu steigern und die Exporte abzuwickeln. 

Machado-Berater hofft auf Rubios Drei-Phasen-Strategie

Sind damit die Hoffnungen der Regimegegner auf eine Demokratisierung Venezuelas verpufft? Das ist unklar, und viele Oppositionelle machen jetzt gute Miene zum bösen Spiel. "Man isst einen Wal Stück für Stück", sagte Pedro Burelli, ein Berater Machados. Noch sei die US-Kampagne gegen das Maduro-Regime nicht vorbei, glaubt er. 

Marco Rubio und Donald Trump
Die venezolanische Opposition setzt darauf, dass ein Plan von US-Außenminister Marco Rubio ihr doch noch zur Macht verhilft. Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa

Burellis Hoffnung fußt auf den Worten von US-Außenminister Marco Rubio. Der hat eine Drei-Phasen-Strategie vorgestellt: Stabilisierung, wirtschaftliche Erholung und Aussöhnung, was dann in einen Regimewandel münden soll. 

Repressalien gegen venezolanische Opposition

Trotz der ersten Enttäuschung gibt sich die Opposition kämpferisch. Exil-Politiker bemühen sich vor allem bei den Europäern um Unterstützung, dass es doch noch eine demokratische Lösung für Venezuela gibt. 

Im Inland hat die Opposition kaum Spielräume. Nur ein Dutzend der 284 Abgeordneten der Nationalversammlung gehört nicht dem Regierungsbündnis an und wird von diesem scharf kontrolliert. Die Repression ist brutal, bewaffnete Schlägertruppen patrouillieren die Straßen, prüfen die Mobiltelefone der Passanten und verbieten ihnen die Teilnahme an Demonstrationen. Journalisten werden festgenommen. Laut der Nichtregierungsorganisation Foro Penal gibt es derzeit rund 800 politische Gefangene. 

Trotzdem fassten einige oppositionelle Abgeordnete allen Mut zusammen und traten am Mittwoch vor die Presse: "Wir fordern eine Amnestie der politischen Gefangenen, wirtschaftliche Notstandsmaßnahmen und Neuwahlen unter internationaler Aufsicht", erklärten sie. 

Machado: "Ich kehre so früh wie möglich zurück"

Oppositionsführerin Machado, die noch im Ausland weilt, kündigte derweil ihre Rückkehr an. "Ich kehre so früh wie möglich zurück", erklärte sie in einem Interview mit CBS-News. Das ist eine Kampfansage an die aktuelle Führung im Land: Machado gibt ihren Führungsanspruch nicht auf. 

Ob das Teil des Rubio-Plans ist oder ihre eigene Initiative, ist unklar. Sie habe seit Längerem nicht mit Trump gesprochen, sagt sie in dem Interview auf eine entsprechende Frage. 

Eine Rückkehr ist momentan wegen des Ausnahmezustands und der militarisierten Grenzen riskant. Ohne professionelles Team wie bei ihrer Ausreise und ohne die Unterstützung der USA ist die Gefahr einer möglicherweise gewaltsamen Festnahme groß. 

Aber an Mut fehlt es Machado nicht, das hat sie immer wieder unter Beweis gestellt. Als viele Oppositionspolitiker ins Exil gingen oder mit dem Regime paktierten, blieb sie standfest und ging in den Untergrund. 

Rückkehr-Kalkül: Jedes Szenario würde die Regierung schwächen

Ihr Kalkül ist wohl, dass eine Rückkehr die einzige Chance und ihre Aussicht auf Erfolg nicht schlecht ist: Sowohl eine Festnahme als auch eine erfolgreiche Rückkehr würden die neue Führung unter Druck setzen. Ihre Präsenz könnte internationale Medien anlocken und Massenproteste auslösen.

Doch ohne das Eingreifen der USA könnte das zu einem Blutbad führen. Machados Schicksal liegt damit letztlich in den Händen der Person, die ihr den Friedensnobelpreis neidet: Donald Trump.