Aying beweist: Weltklassekultur geht auch auf dem Land

  1. Startseite
  2. Lokales
  3. München Landkreis
  4. Aying

Kommentare

Ausdrucksstark: Sophie Pacini war kurz vor dem Konzert in Aying in der Elbphilharmonie in Hamburg aufgetreten, sie ist sonst auch in Tokio, Luzern, den großen Konzerthäusern der Welt zu hören. © ak

Das Ayinger Musikfestival „Nuancen“ zeigt, dass man Weltklassekultur auch aufs Land bringen kann. Den Auftakt machte Initiatorin und Pianistin Sophie Pacini.

Aying - Wenn wieder mal was ist mit der S-Bahn – dann ist das für die Ayinger inzwischen gar nicht mehr so schlimm. Wenigstens kulturell sind sie auf München nicht unbedingt mehr angewiesen. Sie haben den Verein Ayinger Gmoa Kultur, der Theater spielt, sie haben die Brauerei, die das Brauchtum fördert, sie haben seit 2023 das Musikfestival Ayinger Nuancen, das von der Pianistin Sophie Pacini initiiert worden ist und von der Ayinger Gmoa wie der Brauerei unterstützt wird. Die dritte Auflage des Festivals ging am Wochenende über die Bühne, mit einem unheimlich tollen Auftaktabend, den Pacini selbst bestritt.

Die Schönheit und der Schmerz des Lebens

Überschrift des Konzerts war „Bittersweet“, so heißt auch das neue Album der Deutsch-Italienerin (wir berichteten). Darin versammelt sie Kompositionen, die beides beinhalten: die Schönheit und den Schmerz des Lebens. Pacini sagte in ihren Moderationen, sie trete immer wieder gern dort auf, wo Musik nicht selbstverständlich erklingt, in Frauenhäusern, in Wirtschaften, auch mal in einer Kfz-Werkstatt. Sie merke, dass auch den Besuchern, denen es grade nicht so gut geht, wenn sie dann Mozart hören, ein Lächeln ins Gesicht kommt – so wie andere, bei denen alles in Ordnung ist, vielleicht über die Musik sich auch an schwierigere Zeiten erinnern. Musik sei eine Art „Selbsttherapie“, sagte sie, sie wolle, dass die Zuhörer „sich gönnen, zu hoffen, dass es anders werden kann“.

Ausgezeichnet: Mit 19 Jahren hat Sophie Pacini ihr Konzert-Examen am Hochbegabten-Institut des Mozarteums Salzburg mit Auszeichnung abgelegt.
Ausgezeichnet: Mit 19 Jahren hat Sophie Pacini ihr Konzert-Examen am Hochbegabten-Institut des Mozarteums Salzburg mit Auszeichnung abgelegt. © ak

200 Besucher saßen im ausverkauften Sixthof und wollten am Ende gar nicht mehr aufhören, zu klatschen. Sie hatten den Veranstaltern, wie Bürgermeister Peter Wagner zu Beginn gesagt hatte, „die Karten aus den Händen gerissen“. Er schloss daraus: „Unser Festival, mit dem wir Kultur von Weltklasse aufs Land bringen wollten, ist schon jetzt etabliert.“

Pacini hatte den Abend mit Schubert begonnen, und zwar mit seiner Sonate in a-Moll – die er komponiert hat, nachdem er erfahren hatte, dass er sich mit Syphilis angesteckt hat. Wut, Verzweiflung, das Ringen um Akzeptanz: kommt alles vor in dem Stück, und überhaupt sei Schubert so viel mehr als nur der Komponist der Kunstlieder, als den man ihn hauptsächlich wahrnimmt. „Er ist radikal, krass.“ Pacini versprach aber auch gleich, als sie den Schubert ankündigte: „So tragisch bleibt der Abend nicht“, das Programm, das mit Schumann endete, sei letztlich „eine Reise ins Licht“.

Von Mozart bis Schumann und zwei Zugaben

Das Schöne war natürlich die Musik. Sophie Pacini spielte viel mit geschlossenen Augen, was man zu hören bekam, war ein Konzert von Weltrang. Aber es machte auch großes Vergnügen, Pacini zu folgen bei dem, was sie zwischen den Stücken erklärte. Dass das „Herzstolpern“, das bei der Sonate in a-Moll im ersten Satz immer wieder vorkommt, sich im zweiten Satz als Triole wiederholt, um im dritten Satz dann zum Perpetuum Mobile zu werden.

Ausverkauft: 200 Besucher im schönen Sixthof, die sich glücklich schätzen konnten, eine Karte ergattert zu haben. Das Festival ging über drei Tage.
Ausverkauft: 200 Besucher im schönen Sixthof, die sich glücklich schätzen konnten, eine Karte ergattert zu haben. Das Festival ging über drei Tage. © ak

Dass Mozart seine Fantasie d-Moll, die sie als zweites spielte, mit einer Verbeugung vor Bach begann, dass Mozart auch deshalb „Glückseligkeit“ erzeugt beim Zuhörer, weil er eben selbst schlimme Situationen kennengelernt hat. Dass der Carnaval von Schumann, mit dem das Programm ausklang, aus 21 Miniaturwerken besteht – und eins der Themen darin eine Kombination der Töne a, s, c, h ist, die, gelesen als Buchstaben, zum einen den Geburtsort von Schumanns Verflossener ergeben, zum andern alle in Claras Namen enthalten sind. Zwei Zugaben gab es, auch ein Stück von Händel, „einer meiner absoluten Helden“. Sehr schön auch die Ankündigung auf dem Programmzettel: „Nach dem Festival ist vor dem Festival“.

Auch interessant

Kommentare

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/lokales/muenchen-lk/aying-ort28266/aying-beweist-weltklassekultur-geht-auch-auf-dem-land-93705587.html