Heiße Phase zur Bundestagswahl beginnt: Grüner Wahlkampfauftakt im Gasthof Maximilian in Gmund

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Grüner Wahlkampfauftakt mit (v.l.) Ulrike Küster, Karl Bär, Anton Hofreiter, Astrid Güldner und Georg Kammholz. © Grüne

Über 100 Besucher waren am 10. Januar im Gasthof Maximilian in Gmund beim Grünen Neujahrstreffen. Die Zusammenkunft war auch der Start in die heiße Phase des Bundestagswahlkampfes.

Gmund – Der Kreisverband der Grünen hatte einige „Stargäste“ beim Grünen Neujahrstreff im Gasthof Maximilian in Gmund im Aufgebot. Neben den örtlichen Mandatsträgern aus den Landkreisgemeinden und dem Kreistag drängelten sich als aktuelle Mitglieder des Deutschen Bundestages auch Karl Bär und Anton Hofreiter im restlos überfüllten Veranstaltungssaal.

79 neue Mitglieder konnten die Grünen des Landkreises im letzten Jahr begrüßen. Entsprechend motiviert und selbstbewusst gab sich deshalb auch Karl Bär in seiner Eröffnungsrede. Mit Platz sechs auf der Bundeswahlliste der Grünen hat der Holzkirchner Direktkandidat gute Chancen, wieder ein Mandat für Berlin zu holen. Wegen der zahlreichen Krisen unserer Zeit hat Bär die größte Sorge, dass Umweltthemen als das Ur-Anliegen der Grünen „runterfallen“ könnten.

Der aktuelle Deutschlandtrend gibt ihm da durchaus recht, sind doch in der repräsentativen Befragung der deutschen Bevölkerung die Klimathemen im Ranking deutlich nach hinten gerutscht. Bär führte einige Beispiele an, dass die Energiewende sich schon heute lohne und setzte sich in diesem Zusammenhang durchaus kritisch mit der These auseinander, dass die Grünen den Menschen zu viel Änderung zumuten und sie deshalb überfordern würden.

Karl Bär mit guten Chancen auf Mandat für Berlin

Das mochte er nicht gelten lassen und argumentierte am Beispiel der Generation der heute 90-jährigen, die den zweiten Weltkrieg, Wiederaufbau, zahlreiche Wirtschaftskrisen und gesellschaftliche Veränderungen miterlebt habe, dass Veränderung und Verluste schon immer Bestandteil des sozialen Lebens waren. Als Vater einer sechsjährigen Tochter rief er deshalb auf, sich der gesellschaftlichen Verbitterung zu widersetzen und unterstrich vehement, dass sich es sich lohne, für die nächste Generation zu arbeiten und grüne Politik zu machen.

Damit war das Feld bestellt für Toni Hofreiter, seit über 40 Jahren für die Grünen aktiv, bereits seit 2005 im Deutschen Bundestag und zuletzt als Vorsitzender des Europa-Ausschusses tätig. Der promovierte Biologe sieht die Rettung der Lebensgrundlagen vor allem aufgrund des „dramatischen Artensterbens und der fortschreitenden Klimaerwärmung“ als eine von vier zentralen Herausforderungen für die nächste Regierung.

Er betonte in diesem Zusammenhang aber auch, dass die Ampelregierung viel mehr Positives geschafft habe, als es auf den ersten Blick und aufgrund schlechter Kommunikation wirke. So habe der Abbau von Bürokratie insbesondere bei der Photovoltaik und der Windkraft ökonomische Dynamik entfaltet.

Eine von vier zentralen Herausforderungen, sei es Frieden in Europa zu schaffen

Als zweite Herausforderung sieht Hofreiter, wieder „Frieden in Europa“ zu schaffen. Eine auch aus der Friedensbewegung entstandene Partei wie die Grünen habe angesichts des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine für sich die deutlichsten Konsequenzen gezogen und gehöre mittlerweile zu den stärksten Befürwortern von Waffenlieferungen. „Appeasementpolitik und Schwäche zeigen sind Fehler“, so Hofreiter, der mittlerweile bereits fünf Mal in der Ukraine war. Deshalb müsse das Land so stark gemacht werden, dass es sich für Putin mehr lohne in Friedensverhandlungen einzutreten als weiter Krieg zu führen.

Die dritte Herausforderung sieht der Bundespolitiker darin, „Wohlstand, Industrie und gutes Leben zu verteidigen und zu erhalten“. Insbesondere plädierte er dafür, die deutsche Industrie gegen die Chinesen zu schützen und Investitionen in modernste Technologie zu tätigen. „Schluss mit fossiler Techniknostalgie. Kein Technikmuseum“, rief er den politischen Gegnern zu.

Hofreiter sieht Kardinalaufgabe darin, Demokratie zu sichern

Last but not least sieht Hofreiter eine Kardinalaufgabe darin, die „Demokratie zu sichern“. Die Feinde säßen bereits im Parlament und müssten wieder hinausgewählt werden. Er plädierte für größeren Mitteleinsatz bei Polizei und Justiz und dafür die ausländische Propaganda einzuschränken, sei es der Chinesen, der Russen oder amerikanischer Tech-Milliardäre.

Zum Abschluss seiner Rede streckte Hofreiter die Hand zum politischen Gegner aus. Man müsse auf „anständige Konservative“ zählen und dürfe den demokratischen Gegner nicht verächtlich machen. „Hängt euch rein“, rief er den Besuchern zu. „Gutes Leben, Freiheit und Frieden. Darauf kommt es an.“ Manfred Stoff

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