25 Jahre ist es her, dass die Fachklinik in Bad Heilbrunn erstmals eine Reha für Patienten nach einer Nierentransplantation anbot. Zum Jubiläum blicken Chefärztin Dr. Doris Gerbig und Leitender Oberarzt Dr. Marc Albersmeyer zurück.
Bad Heilbrunn – Rund 7000 Patienten waren in den vergangenen zehn Jahren zur Reha in der Abteilung Nephrologie (Nierenheilkunde)/Transplantationsnachsorge an der Fachklinik Bad Heilbrunn. Weiter reiche die Statistik nicht zurück, sagt Chefärztin Dr. Doris Gerbig. Insgesamt aber besteht das Angebot, mit dem die Klinik eine deutschlandweite Vorreiterrolle einnimmt, schon seit einem Vierteljahrhundert. Heute ist es ein unverzichtbarer Baustein in der Versorgung der Patienten – damit das empfangene Organ möglichst lange seinen Dienst tut.
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Im Schnitt warten Patienten sieben Jahre auf eine neue Niere
„Das Medizinische ist das Grundrauschen“, erklärt Gerbig. „Wir sehen aber auch das Drumherum.“ Bevor sie eine neue Niere bekommen, haben Betroffene meist eine jahrelange Wartezeit hinter sich. „In Deutschland beträgt sie im Durchschnitt sieben Jahre“, gibt der Leitende Oberarzt Dr. Marc Albersmeyer zu bedenken. In dieser Zeit sind die Patienten auf Dialyse angewiesen, können deswegen oft nicht mehr arbeiten, werden immobil, nehmen in vielerlei Hinsicht nicht mehr am „normalen Leben“ teil. „Mit einem Trainingsprogramm verbessern wir in der Reha ihren körperlichen Zustand. Darüber hinaus haben wir eine intensive Sozialberatung zu Themen wie Berufstätigkeit, Rentenversicherung oder Grad der Behinderung“, erklärt die Chefärztin. „Wir schulen die Patienten zu Ernährung, Hygiene und medizinischem Wissen. Und die psychologische Betreuung ist ganz wesentlich.“
Ganzheitlicher Blick auf den Patienten
Die Idee zu der damals neuartigen Reha sei in Zusammenarbeit zwischen der Transplantationsabteilung des Klinikums Großhadern, der Klinikgruppe Enzensberger und dem Verband der Krankenkassen entwickelt worden, so Gerbig. Prof. Helmut Feucht, der erste Chefarzt der neuen Abteilung in Bad Heilbrunn, „war ein Pionier der Transplantationsmedizin und der Erste, der in Deutschland den Weg gegangen ist, den Patienten so ganzheitlich zu sehen. Er war bereit, das Experiment zu wagen, und hat bei null angefangen.“ Doris Gerbig ist seit 2013 Chefärztin – die ersten zwei Jahre noch in einer Doppelspitze mit Feucht. Heute bezeichnet die 61-Jährige den Leitenden Oberarzt Dr. Marc Albersmeyer als ihren „Wunschnachfolger“.
Lange Warteliste für Reha-Plätze
In den Anfangsjahren habe es einige Zeit gebraucht, bis alle Beteiligten – wie Transplantationszentren und Kostenträger – Vertrauen in das neuartige Angebot gefasst hätten, sagt Gerbig. Heute aber „haben wir einen Zustrom aus ganz Deutschland und aktuell eine Warteliste von 300 Patienten“, so die Chefärztin. Vergleichbare Angebote gebe es nur in Damp an der Ostsee und in der Müritz-Klinik nahe Berlin – wenn auch für deutlich weniger Patienten als in Bad Heilbrunn.
Mittlerweile hat die Heilbrunner Fachklinik ihr Spektrum auf weitere Gruppen erweitert. Zur Reha kommen auch Ehepaare oder zwei Verwandte, bei denen einer dem anderen eine Niere gespendet hat. Wichtig ist der Chefärztin zudem das Projekt „Fit für die Nierentransplantation“ gemeinsam mit der Uni Erlangen. Dabei werden Menschen, die noch auf der Warteliste stehen, physisch und psychisch auf die Operation vorbereitet.
Es motiviert zu sehen, wie sich das Leben der Empfänger verbessert
Etliche Patienten kehren Jahre nach ihrer Transplantation zur Wiederholungsreha zurück. Es motiviert Gerbig und Albersmeyer dann zu sehen, wie sich das Leben der Empfänger verbessert hat. „Es gibt Patienten, die mit Partnern und Kindern wiederkommen“, schildert Gerbig. Während einer Dialyse sei es für Frauen meist nicht möglich, schwanger zu werden. Andere hätten ihre Ausbildung fortsetzen beziehungsweise ihren Beruf wiederaufnehmen können. „Jedes Mal, wenn es uns gelingt, mit einem Patienten seine persönlichen Ziele zu erreichen – sei es, dass er wieder ohne Rollator geht, oder dass sich klärt, wie es beruflich weitergeht: Das sind die Momente, für die ich gern arbeite“, sagt Albersmeyer.
Großes Interesse in der Fachwelt
Weil es sich in diesem Bereich um eine „Pilotklinik“ handle, wie Gerbig sagt, sei in Fachkreisen das Interesse groß. „Es hospitieren immer wieder Mitarbeiter anderer Kliniken bei uns“, sagt sie. Sowohl sie als auch Albersmeyer reisen viel, um Vorträge zu halten. Im August etwa wird Gerbig bei den „World Transplant Games“ in Dresden sprechen und die deutsche Mannschaft mit betreuen.
So sei die Transplantationsnachsorge hinter der diabetologischen, orthopädischen und neurologischen Rehaabteilung zwar die kleinste in Bad Heilbrunn – aber wegen ihrer Alleinstellung „die, die am meisten von sich reden macht“.