„Wasser-Bomben“ bedrohen Alpen-Orte – Geologe fordert radikales Umdenken

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In den Alpen trifft es die Dolomiten gerade mit voller Wucht. Nach einer Erdrutsch-Serie warnt ein italienischer Geologe vor unzureichenden Schutzmaßnahmen.

Cortina d‘Ampezzo – Geröll- und Steinmassen donnern von den Bergen ins Tal und begraben alles unter sich: Die berühmte Olympiastraße – die Strada S51 – eine der wichtigsten Verbindungsrouten in den Dolomiten nach Cortina d‘Ampezzo wurde nach einem schweren Erdrutsch in der Nacht auf den 13. Juli verschüttet. Es war der dritte Erdrutsch binnen weniger Wochen in der beliebten Urlaubsregion in Italien. Für den italienischen Geologen Piero Gianolla muss sich jetzt dringend etwas ändern.

Erdrutsch-Alarm in den Dolomiten: Italienischer Geologe fordert neue Strategie

„Anstatt weiterhin öffentliche Gelder für den Bau von Staudämmen auszugeben, sollten wir über eine Umsiedlung nachdenken“, erklärt der Geologe Piero Gianolla von der Universität Ferrara im Gespräch mit Il Dolomiti. Felsstürze in den Dolomiten sind wegen des brüchigen Gesteins in der Region (Karbonatgestein) keine Seltenheit.

„Wasser-Bomben“ fegen Bergdörfer in den Alpen hinweg. Besonders kritisch ist die Lage in den Dolomiten (Montage).
„Wasser-Bomben“ fegen Bergdörfer in den Alpen hinweg. Besonders kritisch ist die Lage in den Dolomiten (Montage). © Screenshot X/Vigili del Fuoco/ Facebook/CPC

Jedes Jahr falle etwas hinunter, so Cianolla. Doch das eigentlich natürliche Phänomen nehme zu. Der Klimawandel verstärke lokal atmosphärische Ereignisse, wie plötzliche sintflutartige Regenfälle, sogenannte Wasser-Bomben (italienisch: Bombe d’acqua), die dann Geröll- und Felsmassen mit einer enormen Zerstörungskraft ins Tal spülen. Dazu steige der Gefrierpunkt in den Alpen an, der Permafrost taue auf und das Eis der Gletscher schwinde.

„Wasser-Bomben“, Felsstürze und Erdrutsche bedrohen Dolomiten-Orte in den Alpen

Besonders kritisch ist die Lage in Dolomiten-Orten in der Nähe von Cortina d‘Ampezzo. So ereignete sich nach schweren Gewittern ein gigantischer Felssturz an der Croda Macora (3205 Meter hoch) am 14. Juni 2025 oberhalb von San Vito Cadore. Die Gesteinsmassen erreichten zwar zu diesem Zeitpunkt nicht die Staatsstraße SS 51 – doch eine enorme Staubwolke hing über dem Tal. Kurz darauf löste sich jedoch eine weitere Mure. Steine und Schlamm wälzte sich in Cancia di Borca di Cardore und über die Staatsstraße SS 51. Die wichtigste Route nach Cortina – die Staatsstraße 51 – wurde überschwemmt und unpassierbar.

„Es geht natürlich nicht darum, Menschen wegzuschicken: Wir brauchen eine Argumentation für Resilienz und Entwicklung in der Zukunft“, betont der Geologe bei ildolomiti.it.

„Wenn die Alarme losgehen, haben die Menschen trotzdem nur wenige Minuten“

Unterdessen haben Wissenschaftler der Universität Florenz modernste Technik aufgefahren. Seit dem 11. Juli überwacht ein Interferometrie-Radar den Gipfel der gefährlichen Croda Marcora. „Bodenverschiebungskarten werden erstellt“, sagte Nicola Casagli, Geologe und Präsident des Zentrums für Zivilschutz der Universität Florenz der Agentur Dire. „Und wir haben dieses System auf Croda Marcora ausgerichtet, das Relief, das über der Staatsstraße Alemagna aufragt.“

Das System kontrolliert rund eine Million Messpunkte und kann Bodenbewegungen im Millimeterbereich erfassen. Die Experten hoffen, Abbrüche rechtzeitig zu erkennen und dann die Bevölkerung rechtzeitig warnen zu können. „Wenn die Alarme losgehen, haben die Menschen trotzdem nur wenige Minuten, um sich in Sicherheit zu bringen“, kritisiert Geologe Piero Gianolla. Was passieren kann, wenn der Ernstfall eintritt, machte der gewaltige Gletschersturz in der Schweiz deutlich.

Nach einer Unwetter-Serie in Südtirol blockierten indes Murenabgänge die Brennerstraße. (ml)

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