Der Rost zwingt die „Andechs“ ins Trockendock

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Schon seit 1956 liegt die historische „Andechs“ am vereinseigenen Bootssteg der Bayerischen Seglervereinigung in Utting. © Roettig

Vor über 100 Jahren pflügten zwei Königlich Bayerische Schaufelraddampfer durch den Ammersee: Ab 1907 die „Andechs“ und ab 1908 das Schwesterschiff „Dießen“. Letztere fährt immer noch, allerdings nicht mehr mit Dampf, sondern mit Dieselmotoren. Die „Andechs“ außer Dienst wiederum liegt fest verankert vor Utting und dient als Vereinsheim und Segelschule

Utting - Und das macht der „Bayerischen Seglervereinigung“ (BSV) Kopfzerbrechen. Sie hat nämlich 1956 den Raddampfer nach seiner Ausmusterung zum Schrottpreis von 8.000 Mark gekauft und als schwimmendes Vereinsheim am nördlichen Seeufer Uttings nahe dem Freizeitgelände fest vertäut. Durch die Korrosion des Stahlrumpfes im Wasser ist wieder einmal eine gründliche Sanierung nötig, die rund eine halbe Million Euro kosten wird. Gefördert werden davon 115.000 Euro, unter anderem vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. Den Rest muss der Verein selbst aufbringen, weshalb gerade eine Spendenkampagne läuft.

Ortsbildprägend

So hat man auch im Uttinger Rathaus angeklopft, die das Anliegen bei der jüngsten Gemeinderatssitzung diskutierte. Man war sich einig, dass die „Andechs“ zumindest von der Seeseite aus „ortsbildprägend und damit erhaltenswert“ sei. Gelobt wurde auch die vorbildliche Nachwuchsarbeit der gemeinnützigen BSV, die das Segeln auch ohne eigenes Schiff ermöglicht. Das Vereinsleben und die theoretische Ausbildung findet dabei auf der „Andechs“ direkt am eigenen Steg statt. Um den Haushalt nicht übermäßig zu strapazieren, einigte man sich schließlich auf einen gemeindlichen Zuschuss von 10.000 Euro.

Schaufelraddampfer „Andechs“ - BSV - Utting
Vereinsheim und Segelschule der BSV in einem ist die denkmalgeschützte „Andechs“ in Utting. © Roettig

Ab diesen Herbst beginnen die BSV-Vereinsmitglieder mit den Vorkehrungen, um das Schiff ins Trockendock der Seenschifffahrt in Stegen überführen zu können. Alle für den laufenden Betrieb erforderlichen, aber für die Sanierung störenden Einbauten und Ausstattungen werden demontiert und kommen in ein Zwischenlager. Anfang März 2026 wird die „Andechs“ durch Motorboote befreundeter Segelvereine und der Wasserwacht behutsam nach Stegen überführt und dort auf einer Unter­konstruktion im gefluteten Dock positioniert. Mit der hoffentlich erfolgreichen Durchführung der Maßnahmen hofft die BSV, den Betrieb des Vereinsheims und der Segelschule für die nächsten 15 Jahre zu sichern. Zum 75-jährigen Vereinsjubiläum im Jahr 2026 soll die historische „Andechs“ wieder im Glanz an anno dazumal erstrahlen.

Ähnlich umfangreiche Sanierungen in Stegen wurden seit 1965 in regelmäßigen Abständen durchgeführt, zuletzt 2017. Im Winter 2006/2007 packten die Vereinsmitglieder selbst mit an und erneuerten schadhafte Außenhautbleche, sandstrahlten den Unterwasserteil der Schiffsschale, grundierten und sorgten für einen komplett neuen Außenanstrich. Unter den Deckräumen wurden alle Bilgen entrostet und neu beschichtet.

Im April 1945 gesunken

Der Stapellauf der „Andechs“ erfolgte am 25. Juni 1907. Drei Jahre später übernahm die Reichsbahndirektion den Betrieb der Staatlichen Schifffahrt und den Personenverkehr auf dem Ammersee. Vor allen an den Wochenenden florierten die Familienausflüge mit Dampferrundfahrten. Während des Zweiten Weltkriegs fuhren die „Andechs“ und ihr Schwesterschiff „Dießen“ auch im Winter als einzige Verbindungsmöglichkeit zwischen West- und Ostufer. Im April 1945 wurde die „Andechs“ an den Dampfersteg in Holzhausen verlegt, um den Bombardierungen auszuweichen. Trotzdem wurde sie auch hier leck geschlagen und ging auf Grund.

Schaufelraddampfer „Andechs“ - Historisches Aufnahme
1,5 Tonnen Kohle verbrauchte die „Andechs“ pro Tag bei ihren Ammersee-Rundfahrten vor 100 Jahren. © BSV

Es gelang jedoch, das beschädigte Schiff zu bergen und von der „Dießen“ in den Heimathafen nach Stegen schleppen zu lassen. Hier wurde sie aufwendig wieder fahrtüchtig gemacht. Die Dampfer waren nach dem Krieg schließlich dringend benötigte Verkehrsmittel. Da die Sicherheitsauflagen des jetzt zuständigen Verkehrs- und Wirtschaftsministeriums zunehmend strenger wurden, ein neuer Kessel zu teuer war und auch kein Heizer mehr für das Verfeuern von 1,5 Tonnen Kohle pro Tag zu finden war, wurde die „Andechs“ 1955 außer Dienst gestellt.

Damit begann die gemeinsame Geschichte des Raddampfers und der Bayerischen Seglervereinigung. Sie rettete das Schiff vor der Verschrottung und kaufte es. Die Schlösser- und Seenverwaltung genehmigte einen Dauerliegeplatz in Utting vor dem damaligen „Hexenhäusl“.

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