Kapellentag am Ammersee: Wenn die Musik ins Gotteshaus lockt

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Michail Leontchik und die UkrBand beim Eröffnungskonzert in der Uttinger Pilgerkirche St. Jakob. Links lauscht andächtig Doris M. Pospischil, die Gründerin des Kapellentags. © Roettig

Mit einer besonderen Entourage ist Sophie-Alexandra Prinzessin von Bayern „zwischen Himmel und See“ unterwegs gewesen. So das Motto des 11. Kapellentags am Ammersee, bei dem sie erstmals als Schirmherrin und damit Nachfolgerin von Landtagspräsidentin Ilse Aigner fungierte.

Ammersee - Neben ihrem Vater Dorus Evekink wurde die Ehefrau von Prinz Ludwig von Bayern begleitet von den Dominikaner-Patres Joseph Trout aus Chicago und Pater Robert Mehlhart. Letzterer ist nicht nur Chordirekter der Münchner Theatinerkirche, sondern auch Direktor des „Päpstlichen Instituts für Kirchenmusik“ in Rom. Beide gehören zum privaten Freundeskreis der Prinzessin und wollten unbedingt den „Tag der offenen Haus- und Hofkapellen“ rund um den Ammersee kennenlernen, der traditionsgemäß am letzten August-Sonntag stattfindet und Musik für jeden Geschmack und jede Altersklasse bietet.

Vielleicht erfährt auf diesem Weg Papst Leo XIV. von dieser einzigartigen Veranstaltungsreihe, die Doris M. Pospischil und ihr Mann Hans-Joachim Scholz ins Leben gerufen haben. Das Bundesverdienstkreuz hat man Doris M. Pospischil bereits verliehen, fehlt nur noch eine Privataudienz beim Papst.

Kapellentag - Gedränge
So ein Gedränge wie hier in der Fischerkirche Dießen-St. Alban beim Auftritt der „AmmerseeAmseln“ Monika Drasch und Carolin Völk herrschte nahezu bei allen Stationen des Kapellentags. © Roettig

Immerhin gelingt es mit dieser Reihe, die Kirchen und Kapellen bis auf den letzten Stehplatz zu füllen. Dafür dankte Prinzessin Sophie-Alexandra in ihrer Begrüßungsrede den vielen freiwilligen Helfern und natürlich den Musikern als Garanten für den Erfolg. Bei der Auftaktveranstaltung in der Schondorfer Pilgerkirche St. Jakob aus dem Jahr 1149 schloss sich ihren Worten der frühere Kultusminister Dr. Thomas Goppel an. Er begleitet und fördert den Kapellentag von der ersten Stunde an.

Ausgerechnet vor der Auftaktveranstaltung in Schondorf gab es helle Aufregung, weil „Michail Leontchik & die UkrBand“ dank der Deutschen Bundesbahn verspätet ankam. Während der Rede von Dr. Goppel packten die Musiker aus der Ukraine und aus Belarus ihre Instrumente aus und konnten letztendlich punktgenau mit ihrem virtuosen Spiel beginnen, das mit viel Beifall bedacht wurde.

Kapellentag - Begrüßungskomitee
Das Begrüßungs-Komitee des Kapellentags: Hans-Joachim Scholz, Doris M. Pospischil, Dr. Thomas Goppel, Sophie-Alexandra Prinzessin von Bayern, Dorus Evekink, Pater Robert Mehlhart und Pater Joseph Trout (von rechts). © Roettig

Nach Schondorf durfte Prinzessin Sophie-Alexandra ihre Rede noch dreimal halten. So in Dießen in der Ev.-Luth. Friedenskirche von 1750, wo Tenor Yi-Wei Lin, extra angereist aus Taiwan, und sein Landsmann und Pianist Chen-Yang Wen mit eindrucksvollen „Liedern aus der Ferne“ brillierten. Besonders beeindruckt war Ehrengast Prof. Dr. Ian-Tsing Dieu, Generaldirektor der Taipeh-Vertretung in der Bundesrepublik Deutschland.

Weiter fuhr die Gruppe an das Ammersee-Ostufer in den Weiler Rausch bei Herrsching. Hier musizierten in der kleinen Hofkapelle „Mariens Vermählung“ aus dem Jahr 1833 die Hausmusikgruppe „SaitenRausch“, gegründet von den zwei Besitzerfamilien der Kapelle. Inzwischen machen bei „Volksmusik pur“ auch befreundete Musikbegeisterte mit wie aktuell Anne Jäger (Gitarre, Querflöte), Ingeborg Bauer (Harfe), Katharina Braun (Fidel) oder Claudia Weinhart (Blockflöte). Doris M. Pospischil, der Prinzessin und dem Begleittross gefiel die besondere Atmosphäre so gut, dass sie bei Kaffee und von den Gastgebern selbst gebackenen Kuchen eine Pause einlegten.

Zurück ans Westufer war die letzte Station der Schirmherrin die Kirche St. Leonhard in Utting aus dem Jahr 1707, die jedes Jahr im November dreimal vom Leonhardi-Ritt umrundet wird. Bei vollem Haus – wie überall – musizierte das „Heinz Jürgens Akkordeon-Orchester“ aus Kaufering. Das Ensemble mit zwölf exzellenten Laienmusikern spielte ganz weltlich Märsche, Walzer und Musicalhits bis zum Chanson „Sous le ciel de Paris“, was „Unter dem Himmel von Paris“ heißt. Und an das Kapellentagsmotto „Unterwegs zwischen Himmel und See“ erinnern soll.

Kapellentag - Schirmherrin
Schirmherrin Sophie-Alexandra Prinzessin von Bayern und Doris M. Pospischil (links) auf ihrer Eröffnungstour des Kapellentags. © Roettig

Das optimale Sonntagswetter trug natürlich dazu bei, dass bei sämtlichen 24 Stationen ein Gedränge und Geschiebe wie beim Oktoberfestauftakt herrschte. Teilweise waren alle Kirchenbänke schon über eine Stunde vor dem Termin besetzt. Wer pünktlich kam, musste mit einem beengten Stehplatz vorliebnehmen. Kein Vergnügen, da viele Besucher mit dem Radl und einem Rucksack auf dem Rücken gekommen sind. Auch vor den Toren gab es enttäuschte Gesichter, weil teils wegen Überfüllung niemand mehr hereinkam. Kapellentag-Fans sollten sich für nächstes Jahr unbedingt das Wort „rechtzeitig“ in den Kalender eintragen.

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