Volvos Allrad-Spaßgranate mit Ausdauer-Problem

Volvo setzt seinen Kurs zur reinen Elektro-Marke unbeirrt fort. Und das übrigens zulasten der Marke Polestar, die unter dem Dach derselben Mutter firmiert - dem Autoriesen Geely aus China. Polestar bringt zwar im Akkord neue Model heraus, verkaufte von Januar bis November aber nur knapp 4300 Autos in Deutschland. Volvo brachte es im gleichen Zeitraum auf 54.082 Fahrzeuge.

Das Schweden-Image verfängt also immer noch und Volvos kantig-markantes Design tut sein Übriges dazu. Damit hebt sich auch das Einstiegsmodell EX30 von der Masse ab. Wir haben die neueste Version des elektrischen Kompaktwagens getestet, den EX30 CrossCountry.

Karosserie und Innenraum

Der EX30 unterscheidet sich durch sein kantiges Blechkleid deutlich von vielen Wettbewerbern, und dieser Wiedererkennungseffekt quer durch Volvos Modelpalette ist ein echtes Plus für die Marke. Bei einem „Cross Country“-Modell allerdings hätte man durchaus mehr Offroad-Optik erwartet statt nur ein paar super-dezenter Kunststoffleisten an den Radläufen.

Im Innern bietet der 4,23 Meter lange Volvo solide Kompaktklasse-Ausmaße, mehr aber auch nicht. Der 318 Liter große Kofferraum fällt etwas schmal aus, das winzige Frunk-Fach vorn bietet eigentlich nur Stauraum fürs Ladekabel.

Bedienung und Infotainment

Im Cockpit erwartet den Fahrer ein extrem reduziertes Bedienkonzept im Tesla-Stil. Das hat uns schon beim normalen EX 30 nicht überzeugt und das größte Manko bleibt das Fehlen eines Instrumentendisplays bei gleichzeitiger Abwesenheit eines Head-Up-Displays. Selbst die Geschwindigkeit muss man am Zentraldisplay ablesen. Immerhin: Die Probleme mit der Zentralverriegelung des komplett schlüsselllosen Wagens hatten wir diesmal nicht. Und das Infotainment-System mit Google-basierter Navigation, solider Sprachsteuerung und großem 12,3-Zoll Touchscreen ist unterm Strich eins der Glanzstücke des Wagens.

Motor, Antrieb und Verbrauch

Damit sich der Begriff „Cross Country“ mit Leben füllt, hat der Volvo natürlich Allradantrieb. Der kommt durch zwei Synchronmotoren mit 115 kW / 156 PS vorn und 200 kW / 272 PS hinten, wobei die Hinterachse mehr Drehmoment zugewiesen bekommt als die Vorderachse. Das Ergebnis überzeugt, selbst wenn die E-Motoren zwei Tonnen Auto bewegen müssen. Der Wagen hat eine bärige Beschleunigung (3,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h).

Auf der Autobahn endet der Spaß bei 180 km/h, denn hier regelt Volvo alle seine Autos seit ein paar Jahren strikt ab. Leicht getrübt wird der Fahrspaß auch durch den etwas enttäuschenden Aktionsradius: Der 69 kWh-Akku erlaubt bei einem Durchschnittsverbrauch von offiziell 18,7 kWh auf 100 km und real 21-22 kWh kaum mehr als 320 km Reichweite. An der Schnelladesäule zapft der Volvo mit maximal 175 kW Strom, an der Wallbox dauert die Ladung dank Dreiphasen-Lader keine vier Stunden (den passenden Netzanschluss vorausgesetzt).

Fahrwerk und Fahrverhalten

Der Elektro-Volvo hat eine ausgezeichnete Traktion, so dass er bei Überholmanövern und schnellen Kurvenfahrten - mit leichten Abstrichen wegen des Gewichts und der etwas gefühllosen Lenkung - zur echten Spaß-Granate wird. 

Preise und Ausstattung

In der 57.290 Euro teuren Version Cross Country hat der EX30 nahezu Vollausstattung, bei unserem Testwagen standen auf der Aufpreisliste nur die Lackierung in „Crystal White Pearl“, getönte Scheiben und die „Wool Blend & Nordico“-Polster. Macht dann 58.940 Euro. Vom großen Infotainmentsystem über Standheizung - wie bei den meisten Elektroautos eine der schönsten Komfort-Funktionen im Winter - bis hin zu diversen Assistenten inklusive 360-Rundumsicht-System und Panorama-Glasdach ist alles dabei. Das gilt auch für den 22 kW Onboard-Lader. Je nach Leistung der eigenen Wallbox dauert das Aufladen dann auch ohne Schnelladesäule nur rund drei Stunden.

Fazit

Der Volvo ist kein Schnäppchen. Fast 60.000 Euro für eine Reichweite von nicht mal 400 Kilometern, da muss man schon schlucken. Vor allem wenn man die neuesten Stromer wie den BMW iX3 anschaut, die fast doppelt soweit kommen. Schließlich reden wir von einem relativ kleinen Auto. Belohnt wird man dafür mit ordentlichem Fahrspaß und viel Komfort sowie - abgesehen vom fehlenden Head-Up-Display - einer sehr guten Ausstattung. Auch das Laden klappt zügig und gerade jetzt für den Winter bietet sich der Schweden-Stromer mit tollem Allrad-System, programmierbaren Komfort-Funktionen und hoher Fahrsicherheit als schicker Schlitten für Elektro-Fans an, der optisch aus der Masse herausragt.

Plus und Minus Volvo EX30 Cross Country

Pluspunkte

  • Sehr guter Allradantrieb
  • Rasante Fahrleistungen
  • Hoher Innenraum-Komfort
  • Viele Assistenzsysteme
  • Gute Geräuschdämmung

 

Minuspunkte

  • Durchschnittliche Reichweite
  • Kein Head-Up-Display
  • Gewöhnungsbedürftige Instrumentierung
  • Hoher Preis

Technische Daten Volvo EX30 Twin Motor Performance Cross Country

  • Motor: Zwei E-Motoren
  • Leistung: max. 115 kW / 156 PS an der Vorder- und 200 kW / 272 PS an der Hinterachse
  • Max. Drehmoment: 200 Newtonmeter vorn, 343 Nm hinten
  • Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h (abgeregelt)
  • Beschleunigung 0 – 100 km/h: 3,7 Sekunden
  • Antrieb: Permanenter Allradantrieb
  • Leergewicht: 1960 kg
  • Normverbrauch: 18,7 kWh / 100 km
  • Reichweite (Herstellerangabe): max. 427 km
  • Reichweite (FOCUS online-Praxistest): 320 km
  • Preis: ab 57.290 Euro
Информация на этой странице взята из источника: https://www.focus.de/auto/fahrberichte/volvos-allrad-spassgranate-mit-ausdauer-problem_626cebf4-98d6-4db3-81b9-5dd1b623b496.html