Ex-CIA-Chef: Trump legte in seinem Buch offen, was er für Grönland plant

US-Kriegsminister Pete Hegseth hat den Korpulenten in der US-Armee den Kampf angesagt. Im September sagte er vor US-Militärs in schneidigem Ton, es sei "ermüdend", übergewichtige Truppen zu sehen: "Es ist völlig inakzeptabel, fette Generäle und Admiräle in den Hallen des Pentagon und an der Spitze von Kommandos im ganzen Land und in der Welt zu sehen ... Das ist nicht unser Wesen."

Einer, der sich da nicht angesprochen fühlen muss, weil er auch mit 73 Jahren noch militärisch-drahtig aussieht, ist David Petraeus. Er war CIA-Chef unter Barack Obama. Er war Vier-Sterne-General der US-Army, Oberbefehlshaber (der westlichen Einheiten/ISAF) in Afghanistan und Oberkommandeur (der Koalitionstruppen) beim Irak-Feldzug der Bush-Regierung. Heute arbeitet der parteilose Spitzenmilitär für den Finanzinvestor KKR.

"Systemversagen", das neue Buch von Gabor Steingart
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Für den "Pioneer"-Podcast haben wir über seinen Blick auf die US-Außenpolitik unter Donald Trump gesprochen: Straight to the point. Petraeus befand sich während unseres Gesprächs auf dem Rücksitz seiner Limousine, unterwegs in New York City.

"Dänemark wäre sicher bereit, mit USA über Grönland zu sprechen"

Trump hat gesagt, die USA bräuchten Grönland. "We need Greenland", waren seine Worte. Brauchen die USA Ihrer Meinung nach wirklich Grönland?

David Petraeus: Grönland bietet eine Reihe attraktiver Möglichkeiten. Aber die Wahrheit ist: Wir haben dort bereits eine Militärbasis. Sie ist für die Vereinigten Staaten sehr strategisch. Es ist durchaus möglich, dass diese ausgebaut wird oder dass es sogar weitere Stützpunkte geben könnte. Ich bin sicher, dass Dänemark bereit wäre, darüber mit den Vereinigten Staaten zu sprechen. Es gibt verschiedene Initiativen rund um Grönland, die für die USA sehr attraktiv sind – und hoffentlich auch für Dänemark. Denn natürlich handelt es sich letztlich um dänisches Territorium. 

Aber was bedeutet dann "Wir brauchen Grönland"? Bedeutet das: Amerika muss einmarschieren? Ist das überhaupt eine Möglichkeit?

Petraeus: Ich denke eher nicht. Die Menschen müssen sich daran erinnern, wie Präsident Trump verhandelt, und er war darüber im Laufe der Jahre sehr offen. Das steht alles in seinem Buch "The Art of the Deal". Er selbst hat gesagt, dass der Beginn einer Verhandlung darin besteht, eine Position der Stärke aufzubauen. Deshalb befürwortet er es, bevor man sich an den Tisch setzt, dem anderen sprichwörtlich erst einmal einen auf die Nase zu geben. Man sollte nicht überreagieren oder seine Aussagen überinterpretieren – insbesondere einige seiner Äußerungen aus den letzten Tagen nicht.

Griff nach Grönland, um Abhängigkeit von China zu verringern

Aber was könnte ein realistisches Ziel für solche Verhandlungen um Grönland sein? Worin genau besteht das Interesse der Vereinigten Staaten? 

Petraeus: Nehmen Sie nur die enormen Mengen an Seltenen Erden und strategischen Mineralien. Daran besteht ein dramatisch gestiegenes Interesse angesichts der chinesischen Kontrolle über diese Ressourcen und deren Einsatz als Hebel in den Handelsgesprächen. Es gab sogar Drohungen, zeitweise den Export dieser Seltenen Erden zu stoppen. 

Das Problem: Man kann keine Autos bauen ohne die Magnete, die aus diesen Materialien entstehen. Man kann keine modernen Kampfjets herstellen ohne Seltene Erden – und das gilt für unzählige weitere Kategorien der Fertigung. Daher ist das Interesse massiv gewachsen und man sieht eben entsprechende Initiativen der USA. Alle versuchen, die monopolistische oder zumindest oligopolistische Macht zu verringern, die China in diesen Märkten besitzt. Und ich denke, es ist ganz natürlich, dass die USA, Europa, Japan, Australien und andere weltweit nach alternativen Bezugsquellen suchen. Grönland könnte eine davon sein. 

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Durch Venezuela-Coup haben USA enormen Einfluss auf Kuba

Lassen Sie uns über Kuba sprechen: Wie beurteilen Sie die Zukunft des Inselstaates?

Petraeus: Ich denke, Kuba wird in einer sehr schwierigen Lage sein. Das Stromnetz und die Stromerzeugung dort sind in einem sehr fragilen Zustand. Sie hatten Blackouts in den vergangenen Wochen und Monaten; die Wirtschaft liegt am Boden. Kuba ist zudem stark von Venezuela abhängig – vom Rohöl, das man von dort bezieht und wieder zu Energie, Treibstoff für Fahrzeuge und anderes verarbeitet. 

Bedeutet was?

Petraeus: Wenn Venezuela den Export von Rohöl an Kuba einstellt, wird das Land in einer Situation sein, die noch härter wird. Dadurch haben die Vereinigten Staaten enormen Einfluss in Bezug auf Kuba. Und natürlich spielt auch eine Rolle, dass unser Außenminister, der zugleich Nationaler Sicherheitsberater ist, seit Langem ein starkes Interesse an Kuba hat, aufgrund seines biografischen Hintergrunds und auch wegen der Interessen von Südflorida. Er war Senator in Florida und lebt weiterhin dort.

"Kuba sollte sich große Sorgen um seine Zukunft machen"

Das heißt: Es könnte Außenminister Marco Rubio für einen möglichen Wahlkampf um die Präsidentschaft helfen?

Petraeus: Das ist im Moment noch zu früh, um darüber zu sprechen. Ich denke eher: Er hat seit Langem ein starkes Interesse an Kuba, und er befindet sich derzeit in einer sehr zentralen Position – nicht nur wegen der traditionellen Rollen von Außenminister und Nationalem Sicherheitsberater zusammen, sondern auch, weil es so aussieht, als würde er die zentrale Person sein, die den Versuch beaufsichtigt, die Regierung in Venezuela zu lenken und direkt zu beeinflussen. 

Heißt für Kuba …

Petraeus: … das Land sollte sich große Sorgen um seine Zukunft machen und ehrlich gesagt überlegen, wie es Initiativen mit den Vereinigten Staaten voranbringen kann – denn es hat wahrscheinlich seine Energiequelle verloren.

"Hätten unsere Hemisphäre genauer beobachten sollen"

Trump sagte in dieser Woche: "Das ist unsere Hemisphäre" – richtig oder falsch aus Ihrer Sicht?

Petraeus: In gewisser Weise ist das eine Tatsachenfeststellung: Wir sind mit Abstand das größte Land der Hemisphäre. Wir hatten historisch immer ein Interesse daran, was in unserer Hemisphäre passiert. 

Die Wahrheit ist: Wir hätten unsere Hemisphäre in den letzten zehn Jahren oder länger vermutlich noch genauer beobachten sollen, weil China dort so stark Fuß gefasst hat. Wir hatten immer ein starkes Interesse an der westlichen Hemisphäre – ob Sie nun an die Monroe-Doktrin denken, an Teddy Roosevelts Initiativen damals oder auch an Kennedys Politik während der Kubakrise. Es ist nur verständlich, dass man ein großes Interesse daran hat, was bei den Nachbarn passiert. 

Es scheint, dass die US-Geheimdienste in der Lage sind, Autokraten überall auf der Welt aufzuspüren und festzusetzen. Sie kennen als ehemaliger CIA-Chef den Apparat und seine Möglichkeiten von innen. Würden Sie sagen: Wladimir Putin sollte aufpassen?

Petraeus: Nein. Das ist so sensibel, dass ich darauf nicht eingehe. Das, was Sie da fragen, ist lächerlich. In jedem Fall sind unsere Fähigkeiten weithin bekannt, und sie wurden gerade erneut demonstriert.