„Der Ruf der Pflege hat gelitten“: Einrichtungsleiter räumt mit Vorurteilen auf

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Immer mehr ältere Menschen brauchen Unterstützung, doch dafür muss es ausreichend Personal geben. Das Evangelische Pflegezentrum Lore Malsch in Hohenbrunn versucht das Interesse von Jobsuchenden über einen Bewerbertag zu wecken. (Symbolbild) © Imago/zoonar.com/yuri Arcurs Peopleimages.com/IMAGO/Zoonar

Hart arbeiten bei geringer Bezahlung: Dieses Bild des Pflegeberufs hat sich in den Köpfen festgesetzt. Mit diesem Vorurteil will Jan Steinbach, Leiter des Pflegezentrums Lore Malsch in Hohenbrunn, jetzt aufräumen und zeigen: Pflege ist besser als ihr Ruf.

Hohenbrunn - Personal in der Pflege zu finden, gestaltet sich immer schwieriger. Das Image einer Branche, in der man hart arbeitet, aber schlecht bezahlt wird, hat sich in den Köpfen festgesetzt. Dabei werden gerade hier Mitarbeiter dringend gebraucht. Deshalb geht das Evangelische Pflegezentrum Lore Malsch in Hohenbrunn neue Wege und veranstaltet am morgigen Dienstag einen Bewerbertag. Einrichtungsleiter Jan Steinbach erhofft sich dadurch, das Interesse an dem Berufsfeld zu wecken.

Herr Steinbach, in der Gesellschaft haben Pflegeberufe nicht den besten Ruf. Woran liegt das und wie kann sich das wieder ändern?

Es stimmt, der Ruf der Pflege hat in den letzten Jahren sehr gelitten. Es hat sich leider in den Köpfen festgesetzt, dass Pflegekräfte schlecht bezahlt werden. Dem ist nicht so. Wir zahlen nach Tarif und unsere Mitarbeiter verdienen wirklich anständig. Jedoch gab es vor vielen Jahren von der politischen Seite noch mehr Chancen für Quereinsteiger. Für Frauen, die aus der Kindererziehung raus sind und dann wieder ins Berufsleben einsteigen wollen, etwa. Das gibt es jetzt viel weniger. Das sollte sich wieder ändern. Denn es gibt immer mehr Menschen, die einen Pflegeplatz brauchen. Das funktioniert aber nur, wenn auch ausreichend Personal in der Branche arbeitet.

Wie ist die Personalsituation in Ihrem Haus?

An sich ist sie stabil. Aktuell sind wir 116 Mitarbeiter. Da sind Pflegehilfskräfte und Pflegefachkräfte aus Deutschland, aber auch aus ganz verschiedenen Nationen wie etwa Bosnien, den Philippinen, Vietnam oder Tunesien dabei. Es ist notwendig, dass wir international denken. Die Voraussetzung ist natürlich, dass das Deutschniveau stimmt. Vor ein paar Monaten wurde eine komplett neue Station mit 35 Plätzen eröffnet – eine beschützende Station für Demenzerkrankte, das gibt es sehr selten. Ein Grund mehr, dass wir unsere Teams erweitern.

Jan Steinbach, Leiter des Lore Malsch Pflegezentrums in Hohenbrunn
Jan Steinbach, Leiter des Lore Malsch Pflegezentrums in Hohenbrunn. © privat

Liegt die Zukunft des Pflegepersonals im Ausland?

Die Zukunft liegt darin, es hinzukriegen, dass mehr aus dem eigenen Land Lust auf Pflege haben und sich bewerben. Aber ohne Mitarbeiter aus dem Ausland geht es nicht mehr. Die Mischung machts, sonst wird es nicht funktionieren.

Woher kam die Idee, einen Bewerbertag zu veranstalten?

Wir wollen den Spieß mal umdrehen. Es geht um ein niederschwelliges Angebot, dass die Jobsuchenden ohne viele Papiere und Vorstellungsgespräche die Atmosphäre des Hauses kennenlernen und herausfinden können, ob das was für ihn ist. Es ist dabei ganz egal, ob man schon Pflegeerfahrung hat. Wir haben auch Interesse, Quereinsteiger zu gewinnen. Der Bewerbertag ist wie ein Tag der offenen Tür, aber nicht für Bewohner oder Angehörige, sondern für Jobsuchende, die vielleicht damit liebäugeln, in die Pflege wechseln zu wollen. Wir sind auf die Idee gekommen, weil man neue Wege bestreiten muss. Die klassischen Stellenanzeigen zünden nicht mehr. Da bekomme ich teilweise null Bewerbungen. Das ist wirklich schwierig.

Die Zukunft liegt darin, es hinzukriegen, dass mehr aus dem eigenen Land Lust auf Pflege haben. Aber ohne Mitarbeiter aus dem Ausland geht es nicht mehr. 

Was sollte man mitbringen, um in der Pflege zu arbeiten?

Die richtige Einstellung zu den Bewohnern ist das A und O. Es geht darum, gut mit den Bewohnern umzugehen, sich Zeit zu nehmen und Geduld zu haben. Pflege kann man auch als Quereinsteiger erlernen. Natürlich sollte man auch eine gewisse Belastbarkeit haben, denn es gibt Schichtdienst. Wichtig ist auch Teamfähigkeit. Bei uns bestehen die Teams aus zehn Mitarbeitern pro Station. Das Miteinander wird großgeschrieben.

Was macht den Job attraktiv?

Er ist unglaublich abwechslungsreich. Kein Tag ist wie der andere. Der größte Pluspunkt ist aber, dass der Job enorm krisensicher ist. Pflegekräfte werden überall gebraucht und gesucht. Außerdem gibt es viele Karrieremöglichkeiten, jeder kann seinen Weg machen. Wir haben einige Leute, die hier als Pflegekraft angefangen haben und jetzt leitende Aufgaben haben.

Was erhoffen Sie sich von dem Bewerbertag?

Ich freue mich, wenn Leute, interessierte Menschen kommen und wir bei Häppchen miteinander ins Gespräch kommen. Wir stellen das Haus vor und zeigen die Arbeit. Ich wäre schon mit zwei oder drei Einstellungen zufrieden, das wäre schon ein Erfolg. Aber auch wenn es nicht zu Einstellungen kommt, haben wir zumindest Interesse erzeugt – mehr als mit einer klassischen Stellenanzeige auf jeden Fall.

Bewerbertag am 22. Oktober

Das Evangelische Pflegezentrum Lore Malsch, Friedrich-Hofmann-Straße 4a, in Hohenbrunn lädt am kommenden Dienstag, 22. Oktober, zum Bewerbertag ein. Willkommen sind nicht nur Pflegefachkräfte, sondern auch Hilfskräfte und Quereinsteiger ohne Vorerfahrung in der Pflege. Es gibt Häppchen, ein Glücksrad und eine Vorstellung des Hauses. Interessierte können auch direkt Kontakt aufnehmen mit Einrichtungsleiter Jan Steinbach, Tel. 089/60 05 61 01, der stellvertretenden Leiterin Ruth Hald, Tel. 089/60 05 61 07 oder mit Pflegedienstleiterin Renate Sienerth, Tel. 089/60 05 61 03.

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