Eigentlich ist Italien ein beliebtes Ziel für den Badeurlaub. Doch die Wasserqualität im Meer und in Seen ist teils sehr schlecht, warnt eine Organisation.
Rom - Die Wasserqualität an vielen italienischen Küsten und in Seen ist laut einer Umweltschutzorganisation besorgniserregend. Die Organisation Legambiente hat in einem Bericht kritisiert, dass insbesondere Flussmündungen in Seen und Meere in Italien oft „stark verschmutzt“ seien, wie Wasserproben aus insgesamt 19 italienischen Regionen ergaben. Zudem werde beobachtet, dass die Qualität in den Gewässern seit den letzten Jahren weiter abnimmt. „Italiens Meere und Seen erfreuen sich keiner guten Gesundheit“, schreiben die Umweltschützer in den Ergebnissen. Erst im Juli trieben tonnenweise tote Fische im Gardasee.
Im Rahmen von zwei Initiativen, Goletta Verde und Goletta dei Laghi, wurden an 394 Standorten in Italien Wasserproben genommen. Dabei stellte sich heraus, dass 39 Standorte „verschmutzt“ und weitere 101 Standorte sogar „stark verschmutzt“ waren. Besonders alarmierend sei der Zustand der Meere. Dort wurde durchschnittlich alle 76 Kilometer Küstenlinie eine Verschmutzung festgestellt. Zudem ist die Anzahl der Standorte, die über dem Grenzwert liegen, in den letzten Jahren insgesamt langsam gestiegen: 2022 waren es 31 Prozent der Gewässer, 2023 bereits über 36 Prozent und in diesem Jahr 37 Prozent.
Wasserqualität in Italien verschlechtert sich stetig: Vor allem Flussmündungen sind „stark verschmutzt“
Besonders betroffen sind laut Legambiente Flussmündungen und andere Stellen, an denen Wasserläufe aus dem Landesinneren ins Meer oder einen See fließen. Acht solcher kritischen Mündungen wurden am Gardasee gefunden, wie aus einer Karte der Organisation hervorgeht. Zwei davon befinden sich im Osten, in den Ortschaften Toscolano Maderno und Salò in der Lombardei. Weitere sechs Stellen liegen am südlichen Ende des Gardasees: in Padenghe sul Garda, Desenzano, Sirmione, Peschiera und Lazise.
Die Ursachen für die Verschmutzung sind laut den Umweltschützern vielfältig: „mangelhafte Reinigung, illegale Einleitungen, Verschmutzung, aber auch [...] die Beschleunigung der Klimakrise, die insbesondere bei starken Regenfällen die Kläranlagen unter Druck setzt“.
Verschmutzungen in Fließgewässern sind laut Experten nicht ungewöhnlich. Mitarbeiter des Biologischen Landeslabors in Südtirol sagten gegenüber Südtirol Heute, dass zum Beispiel Flüsse wie die Etsch, die bei Chioggia ins adriatische Meer mündet, Wasser von großen Einzugsgebieten sammeln. Es sei demnach nicht überraschend, dass gelegentlich nicht „perfekt geklärtes Abwasser“ in die Flüsse gelangt.
Schlechte Qualität in Italiens Gewässern gemessen: Ist Baden im Urlaub trotzdem möglich?
Trotz der insgesamt sinkenden Wasserqualität in Italien gibt es gute Nachrichten für Touristen und Badegäste: Seen und Meeresgewässer schnitten in den Messungen grundsätzlich besser ab, sodass Baden vielerorts nicht gefährdet ist. In „Gebieten mit dem größten Zustrom von Badegästen“ wurde demnach deutlich seltener eine schlechte Qualität gemessen als zum Beispiel bei Flussmündungen. Wer sich über die Wasserqualität an seinem Urlaubsort informieren möchte, findet auf der Infoseite der Organisation eine Übersicht aller gemessenen Standorte. Eine weitere Karte zeigt Urlaubern, an welchen Stränden in Italien sie mit Müll baden müssen.
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Angesichts der negativen Entwicklung in Italien fordert Legambiente einen nationalen Plan zum besseren Schutz der nationalen Gewässer. Dazu gehören unter anderem eine Modernisierung und Vervollständigung des Klärsystems, die Umsetzung von Klimaanpassungsplänen, mehr Schutzgebiete bis 2030 und eine Wende hin zu erneuerbaren Energien. (nz)