Lucy Werner, Autorin und PR-Expertin, wanderte 2021 mit ihrem Mann und ihren Kindern von London in die Provence aus. Wie sie der britischen Tageszeitung „The i Paper“ erzählt, sei der Ausschlag eine Mischung aus familiären Belastungen und steigenden Kosten gewesen. „Mir wurde klar, dass das Leben kurz ist – und ich mich fragen musste, welches Leben ich meiner Familie bieten möchte“, sagt sie.
200 Quadratmeter zum London-Preis
Finanziell habe sich der Schritt für die Auswanderer besonders gelohnt, berichtet Werner in „The i Paper“. Für rund 400.000 Pfund (462.006 Euro) habe die Familie in Frankreich ein 200-Quadratmeter-Haus gekauft – schuldenfrei.
In London hätte derselbe Betrag lediglich für eine kleine Ein-Zimmer-Wohnung gereicht. „Wir haben keine Hypothek mehr, nur laufende Kosten“, sagt sie. Diese finanzielle Freiheit habe ihr ermöglicht, beruflich kürzerzutreten und neue Projekte zu starten.
Geringere Betreuungskosten nehmen „enormen Druck aus dem Alltag“
Ein weiterer entscheidender Faktor seien die Betreuungskosten. Laut „The i Paper“ zahlt die Familie für die Dorf-Kita rund zehn Euro pro Tag – in London wären es etwa 90 Pfund gewesen. Auch Ferienbetreuung sei in Frankreich deutlich günstiger organisiert. „Das nimmt enormen Druck aus dem Alltag“, sagt Werner.
Die Familie schätzt heute vor allem die Natur, das langsamere Leben und das starke Gemeinschaftsgefühl im Dorf. Gleichzeitig sei nicht alles einfach: Sprache, Bürokratie und Visaregeln nach dem Brexit seien herausfordernd. Dennoch zieht Werner ein klares Fazit gegenüber „The i Paper“: „Ich kann mir nicht vorstellen, nach London zurückzukehren.“
Auswandern aus Deutschland – diese Punkte entscheiden über Erfolg oder Scheitern
Der Schritt von Lucy Werner nach Südfrankreich zeigt, wie sehr sich ein Umzug ins Ausland auf Lebensqualität, Finanzen und Alltag auswirken kann. Gleichzeitig macht ihr Beispiel deutlich, dass ein solcher Neuanfang sorgfältige Vorbereitung erfordert – von rechtlichen Fragen bis zur realistischen Kostenplanung.
- Rechtliches und Visum früh klären: Aufenthaltsstatus, Arbeitserlaubnis, Steuern und Sozialversicherung unterscheiden sich je nach Zielland erheblich und sollten vorab verbindlich geprüft werden.
- Kosten realistisch kalkulieren: Miete, Krankenversicherung, Kinderbetreuung und Mobilität können im Ausland deutlich teurer oder günstiger sein – ein belastbares Budget ist entscheidend.
- Arbeitsmarkt und Anerkennung prüfen: Nicht jeder Abschluss wird automatisch anerkannt, Sprachkenntnisse und lokale Qualifikationen spielen oft eine zentrale Rolle.
- Plan B mitdenken: Rücklagen, Rückkehroptionen und soziale Netzwerke helfen, falls der Neustart nicht wie erhofft verläuft.