Buchung, Mietwagen, Hotels: TV-Doku deckt fiese Tricks der Reiseveranstalter auf

Unter dem offenen schwarzen Hemd wird ein Schmetterlingstattoo auf der Brust sichtbar. Das Ohrläppchen zieren gleich mehrere Ohrringe. Und in seinem Gesicht trägt Ramon Kamberi einen breiten Schnäuzer, als wäre er mit einem dicken schwarzen Filzstift ins Gesicht gezeichnet. Etwas unseriös sieht der junge Mann von der Plattform urlaubspiraten.de schon aus. Aber das Gegenteil ist der Fall: Ramon Kamberi spart vielen Urlaubern bares Geld. Vorausgesetzt, sie halten sich an seine Ratschläge. 

"Wer mit Apple bucht, zahlt mehr", lautet etwa einer seiner geldwerten Tipps. Ganz offenbar gehen manche Reiseveranstalter nämlich davon aus, dass Besitzer eines Gerätes mit dem Apfel-Logo besser bei Kasse sind, als andere Smartphone-Besitzer. Also müssen sie auch mehr für ihre Reisen bezahlen.

Manipulation bei Urlaubs-Angeboten: "Nicht nervös werden"

Ähnlich perfide agieren Reiseanbieter auch auf ihren Verkaufsportalen. Kamberi warnt vor schwarzen Schafen. Lockangebote sind oft bereits abgelaufen oder waren dort nie erhältlich. Der Endpreis ist letztlich oft wesentlich höher. Auch unvollständige Angaben im Impressum weisen auf unseriöse Webseiten hin. Die schlimmsten Fälle sind auf der Internet-Watchlist mit dem Titel "Betrügerische Plattform" aufgelistet. 

Peter Giesel, Moderator von "Achtung Abzocke", zeigt ein unseriöses Angebot, das auf dem Weg bis zum Bezahlen von 956 auf 1216 Euro steigt, weil das eigentliche Angebot längst vergriffen war. Auch Sätze wie "Nur noch ein Zimmer zu dem Preis" oder "Drei Personen machen sich ebenfalls gerade Gedanken über eine Buchung" sind Manipulationen. Kamberi rät: "Nicht nervös werden."

Dreister Betrug der Autovermieter

"Buchen Sie keinen Urlaub, bevor Sie diese Sendung nicht gesehen haben", fordert Peter Giesel zu Beginn von "Achtung Abzocke". Besonders fies sind offenbar die Autovermieter unterwegs. Giesel erwähnt rund 100 Mails, die 2025 allein zur Mietwagen-Abzocke in der Kabel-1-Redaktion eingegangen sind. 

Auch das Ehepaar Roland und Helene aus der Nähe von Pforzheim hatte es erwischt. Via Internet hatten sie vor Reiseantritt einen Preis von 93 Euro für den Wagen bezahlt. Auf Mallorca angekommen, wollte der Vermieter plötzlich 369 Euro. Ursache waren zusätzliche und unnötige Aufschläge unter anderem für Vollkasko-Versicherung sowie Flughafen- und Umweltgebühren. 

Giesel flog also nach Mallorca und prüfte den Vorfall. "Die verkaufen Sachen tatsächlich doppelt und auch zusätzliche Versicherungen, die man nicht braucht." Juristin Lina Goldbach meint: "Ein etwas teurerer Preis ist vielleicht manchmal der bessere."

Schriftlich beschweren, Schadenssumme angeben

"Achtung Abzocke" vermittelt den Eindruck, ein Urlauber müsse schon ein detektivisches Gespür entwickeln, um nicht über den Tisch gezogen zu werden. Wer verreist, muss offenbar stets damit rechnen, betrogen zu werden. 

So wunderten sich die Eheleute Martinez nicht schlecht, als sie von ihrem Hotel in Neapel Richtung Strand aufbrachen, der nach Angaben des Verkaufsportals nur 20 Meter entfernt liegen sollte. "Das ist eine Lüge gewesen", meint Peter Giesel und schreitet die Strecke höchstselbst vor Ort ab. Der Strand entpuppt sich schließlich als kleines und steiniges Plateau in der Nähe des Hafens und liegt 1,7 Kilometer entfernt. Dank des Intervenierens von Giesel bekamen die Eheleute schließlich 100 Prozent erstattet. 

Helfen konnte der Sender auch Familie Fischer aus Gotha. Von der TUI erhielten sie immerhin 550 Euro ihrer 5500-Euro-Reise erstattet, weil hinter den Fenstern ihres gebuchten Zimmers mit Gartenblick nur Straße und Taxistand zu sehen waren. Nun ist auf der Homepage von "Achtung Abzocke" ein Standardbrief hinterlegt, den sich geprellte Kunden herunterladen können, um Ansprüche bei den Reiseveranstaltern geltend machen zu können. Es gilt: schriftlich beschweren, Sachverhalt darstellen, Frist nennen, Schadenssumme angeben.

Was die Sterne bei Hotels verraten

Um einen Anhaltspunkt für die Qualität einer Unterkunft zu erhalten, verlassen sich viele Bucher auf die Kategorisierung anhand von einem bis fünf Sternen. In Deutschland prangen fünf Sterne an der Hotelfassade, wenn die Herberge etwa Minibar, Safe, zwei Kopfkissen pro Person, Schreibtisch, Sitzecke und Kaffeemaschine vorrätig hat. 

Peter Giesel sagt: "Auf die Sterne kann man sich in Deutschland gut verlassen, im Ausland ist das schon schwieriger." Tatsächlich beteiligen sich nur 18 europäische Länder am Sternesystem – darunter etwa Deutschland, Österreich, die Schweiz, Ungarn und Tschechien. 

Interessanter wird es bei den Ländern, die ihre Teilnahme verweigern, und genau diese Destinationen sind bei deutschen Urlaubern besonders beliebt: Spanien, Frankreich, Griechenland und Portugal. Gerade mal die Balearen haben vergleichbare Einteilungen. Die Hotelsuche wird so zur Lotterie. Also vielleicht einfach schon mal den Standardbrief runterladen.