Mit Gewehr und Greifvogel gegen Saatkrähen

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Der Saatkrähe geht es an den Kragen. © imago

Die Genehmigung zur Vergrämung der Saatkrähen rückt näher. Doch Landwirte fürchten, am Ende allein mit dem Problem dazustehen.

Es sieht so aus, dass bereits im Frühjahr auf die Saatkrähen das Feuer eröffnet werden darf. Das gab der Vorsitzende des Kreisjagdverbands, Thomas Schreder, bei der Ortsobmännertagung des Kreisverbands des Bayerischen Bauernverbands (BBV) bekannt. Im Dezember hatte unter seiner Federführung die Stadt Erding bereits drei Anträge bei der Regierung von Oberbayern eingereicht.

Ortsobmännertagung Bayerischer Bauernverband in Riedersheim (v.l.) Kreisobmann Jakob Maier, Michael Schulze vom LfU und Kreisjagdverbandsvorsitzender Thomas Schreder
Eine hitzige Debatte um Saatkrähen führten (v.l.) Kreisobmann Jakob Maier, Michael Schulze vom LfU und Kreisjagdverbandsvorsitzender Thomas Schreder bei der Ortsobmännertagung des Bayerischen Bauernverbands. © Raffael Scherer

Wie der CSU-Stadtrat den rund 50 Landwirten im Gasthaus Prostmeier in Riedersheim erklärte, gibt es laut Bayerischem Landesamt für Umwelt (LfU) für zwei der Anträge hohe Erfolgsaussichten. Einmal forderte die Stadt, dass Saatkrähen rund um den Stadtpark durch Jäger und Falkner vergrämt beziehungsweise getötet werden dürfen. Dort seien etwa 1400 der rund 1700 Brutpaare im Landkreis zu finden.

Auch bei der zweiten großen Nahrungsquelle, dem Kompostier- und Müllentsorgungswerk der Firma Wurzer, darf vermutlich geschossen werden. Schreder empfahl, dass man dort keine heimischen Jäger einsetzen solle. Vogelbeobachter und Hobbyfotografen könnten Bilder von den Abschüssen im Netz teilen: „Die Leute schimpfen zwar über die Krähen, aber noch mehr über den, der sie abschießt.“

Die dritte Forderung, auch in einem Radius von zehn Kilometern rund um Erding auf die Vögel schießen zu dürfen, sei indes nicht genehmigungsfähig, so die Rückmeldung vom LfU. „Das ist ein richtiger Schritt in die richtige Richtung, aber ich bin noch nicht ganz zufrieden und ungeduldig“, kommentierte Schreder. Kreisobmann Jakob Maier stimmte zu und forderte: „Reduzieren, nicht nur dezimieren.“

Schreder sei guter Dinge, dass im Februar die Regierung der LfU-Empfehlung folge und man im Frühjahr mit dem Vergrämen beginnen könne. Das freute auch die Landwirte, müssen die doch nach dem Aussäen im Frühling stets um ihre Körner bangen. In Langengeisling habe ein Bauer teils dreimal aussähen müssen, ließ einer der Anwesenden hören.

Landesamt verspricht Hilfe für die Bauern

Michael Schulze vom LfU erläuterte das Vorgehen beim Pilotprojekt „Erweitertes Saatkrähenmanagement“. Man wolle versuchen, die Vögel aus den konzentrierten Plätzen in der Stadt hinaus und verteilt in die vorgesehenen Ausgleichsflächen zu bekommen. Gleichzeitig sollen die Landwirte in den entscheidenden Wochen Hilfe beim Schutz ihrer Felder bekommen – idealerweise ohne unnötige Tötungen.

Oft kämen die Saatkrähen aus ihrem Nest in der Stadt zu den Feldern zur Futtersuche geflogen. Schulze riet den Landwirten davon ab, illegal selbst auf Krähen zu schießen. Denn würde man die Vögel nach dem Vergrämen aus dem Stadtpark dann auch auf den Feldern beschießen, könne es etwa passieren, dass sich die Tiere wieder zurück in die Stadt begeben. Dementsprechend hole man sich derzeit die erforderlichen Daten ein: „Sonst arbeitet das Eine gegen das Andere.“

Gleichzeitig experimentiere man mit weiteren Maßnahmen: etwa Plastiknachbildungen toter Krähen zur Abschreckung, aber auch Vogelscheuchen, Drachen und Luftballons. Einmal habe etwa ein Abschuss gereicht, während der Bulldog in der Nähe der Krähe war. So dachten die Tiere, der Bulldog wäre gefährlich, und es reichte, wenn der Bauer immer mal wieder mit dem Fahrzeug über das Feld fuhr. In Straubing brauchte es vergangenes Jahr nur 13 Abschüsse, bis die Bauern keinen Ernteschaden durch die Vögel mehr hatten.

Die Anwesenden lauschten dem Vortrag eher skeptisch. Würde man das Problem aus der Stadt hinausbekommen, wäre den Bauern nicht geholfen, im Gegenteil. Gemäß dem Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn“ wäre die Stadt zufrieden, und die Landwirte müssten sich alleine um das Krähenproblem kümmern, so die Befürchtung. Schulze versprach im Namen des LfU, dass den Landwirten die volle Unterstützung sicher sei.

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