Ein Investor möchte ein Grundstück östlich der Bahn „bedarfsgerecht“ bebauen. Der Gemeinderat fürchtet, es handle sich bei diesen Plänen um ein „Boarding House“.
Schwabhausen – 2018 hat der Gemeinderat Schwabhausen beschlossen, einen Bebauungsplan für das Areal östlich der Bahn aufzustellen. Anfang 2019 stimmte das Gremium einem im Auftrag des Grundstückseigentümers erstellten Entwurf des Architekten Georg Hillreiner zu, in dem das Gebiet in einen Bebauungsplan sowie einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufgeteilt wurde. Im September 2020 stellte ein potenzieller Investor dann im Gremium ein Konzept vor, aus dem aber nichts wurde. Vier Jahre hat sich dann zuletzt nichts getan.
Zwischenzeitlich haben sich jetzt für das Areal östlich des Bahnübergangs neue Investoren gefunden. Doch als diese jetzt ihre Pläne im Schwabhauser Gemeinderat vorstellten, stießen sie dort nicht nur auf Begeisterung. Denn Gewerbe oder Gastronomie, wie vom Gemeinderat explizit gewünscht, ist in den Plänen nicht vorgesehen, sondern nur Wohnbebauung.
„Bedarfsgerechtes Wohnen“ sei das Ziel, erklärte Tobias Hänschke, Geschäftsführer der Firma Five Rocks Development aus München zusammen mit einem Investor aus Graz sowie einem Vertreter der Firma Liwood, das Konzept im Gemeinderat vorstellte. Liwood hat sich der Holzmodulbauweise verschrieben und so hörten die Räte von vielen Vorteilen des Bauens mit Holz aus heimischen Wäldern, angefangen bei einem gesunden Raumklima, bis hin zum zügig möglichen Bau. Das klang vielversprechend.
Wirtschaftlichkeit steht im Vordergrund
Weniger begeistert waren die Gemeinderäte davon, was in den vier (Holz-)Wänden entstehen soll: fast ausschließlich Wohnbebauung. Zwar ist eine Mischung verschiedener Wohnungsgrößen angedacht, und ein Teil – zwölf Wohneinheiten – wäre für Seniorenwohnen vorgesehen. Auch für einen ambulanten Pflegedienst sind Räume vorgesehen, Interessenten dafür gibt es laut den Investoren genügend. Aber viele Wohneinheiten sind zunächst einmal sehr klein eingeplant, weil sie kurzfristig an Arbeiter und Mitarbeiter von Firmen vermietet werden sollen, für jeweils zwei bis drei Monate. „Was wir hier haben, ist ein Pensionsbetrieb“, stellte Bürgermeister Wolfgang Hörl klar.
Diese „bedarfsgerechten Wohnungen sind ja kleiner als die Wohnungen in den Flüchtlingscontainern, das geht so nicht!“ schimpfte Daniel Haagen (Liste Oberroth). Und Markus Böhm (UBV) sprach gar von einem „Boarding-House“, das hier vor allem aus Gründen der Gewinnmaximierung geplant sei. Natürlich müsse die Wirtschaftlichkeit gesichert sein, räumte Hänschke ein. Im Übrigen sei man aber sehr „flexibel“ und werde sich nach dem Bedarf und den Wünschen des Schwabhausener Gemeinderats richten, betonten die potenziellen Investoren mehrmals.
Wunsch nach Toilette und Gastrobereich
Diese Wunschliste umfasst neben Gewerbe und kulinarischem Angebot im Erdgeschoss – Max Patzelt: „Uns fehlen hier Geschäfte und eine Gastronomie“ – eine öffentlich zugängliche Toilette, die gerade im Bahnhofsbereich wichtig wäre, wie Florian Scherf (CSU) fand. Einige Gemeinderäte wie Georg Sonnenberger (Freie Wähler) oder Sven von Kummer (Bürgerblock Arnbach) störten sich auch an der Bauausführung mit einem Flachdach, das erfahrungsgemäß Probleme mit der Dichtigkeit mit sich bringe.
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Begeisterung klingt anders, die kritischen Nachfragen im Schwabhausener Gemeinderat wollten kein Ende nehmen. Ein Beschluss war ohnehin nicht vorgesehen, der Rat nahm das vorgestellte Konzept zur Kenntnis, wie es nüchtern in der Beschlussvorlage hieß. Und auch Bürgermeister Wolfgang Hörl klang alles andere als angetan von der Vorstellung, als er die Planer mit den Worten entließ: „Wir gehen in uns…“