„Aktiv Rahmenbedingungen schaffen“: Neue Geschäfte für oberbayerische Innenstadt

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Im Mai eröffnete Fikri Demirkaynak die „Tölzer Backstube“ an der Bairawieser Straße. © Arndt Pröhl

Die Geschäftswelt in Bad Tölz ist immer im Wandel. Derzeit stechen vor allem einige Leerstände dem Besucher ins Auge. Aber es tut sich auch einiges.

Der aktuelle Leerstand „bewegt sich aus Sicht des Citymanagements im üblichen Rahmen“, sagt Sandra Herrmann, Leiterin der Stabstelle Wirtschaftsförderung und Standortentwicklung im Tölzer Rathaus. Zwar seien einzelne Flächen frei, doch Neueröffnungen und Standortwechsel sorgten „kontinuierlich für frische Impulse in der Innenstadt“. In den Nebenlagen – wie etwa in der Nockher-, Jäger- oder Kirchgasse – sei ein allmählicher Wandel zu beobachten: Hier gebe es zum Teil längere Leerstände, allerdings auch neue Nutzungen: für Büros, Gesundheits- oder Beautyangebote. „Diese Entwicklungen erweitern das Angebot im Stadtzentrum und tragen dazu bei, die Attraktivität zu sichern“, so Herrmann. Eine aktive Nutzung sei in jedem Fall besser als ein Leerstand.

Doch was kann die Wirtschaftsförderung tun? „Aktiv Rahmenbedingungen schaffen, die neue Nutzungen anziehen und bestehende Angebote stärken“, so Herrmann. Dazu gehöre der enge Austausch mit Eigentümern und potenziellen Mietern, das Vermitteln von Flächen und das Werben für die Innenstadt über das Standortmarketing. „Wir begleiten Zwischennutzungen, fördern kreative Konzepte und setzen auf eine Mischung aus Handel, Gastronomie, Dienstleistungen und Freizeitangeboten. So wollen wir Leerstände nicht nur verringern, sondern sichern zugleich die Attraktivität und Vielfalt der Innenstadt.“

Neues Leben an der Bockschützstraße?

Neues Leben könnte in einer bekannten Tölzer Immobilie entstehen: An der Bockschützstraße sind zwei Häuser zu verkaufen. Es handelt sich um das Gebäude, in dem sich bis 2016 „Betten Beer“ befand, sowie das unmittelbar angrenzende. Die beiden Häuser seien im Erdgeschoss miteinander verbunden, verrät Maklerin Gabriele Hüsken von „Immobilien Krinner“. Die Gebäude aus dem 19. Jahrhundert stehen unter Denkmalschutz. „Wir haben schon viele Besichtigungen durchgeführt“, sagt Hüsken. Doch: Das Haus instand zu setzen, ist laut der Maklerin aufwändig, „eine Kernsanierung ist hier notwendig“. Wer die Arbeit auf sich nimmt, erhält vier große Wohnungen mit insgesamt etwa 300 Quadratmetern Fläche sowie eine Gewerbeeinheit mit etwa 90 Quadratmetern. Der Verkaufspreis liegt laut Anzeige im Internet bei 390 000 Euro. Für ein solches Objekt brauche man entsprechendes Fingerspitzengefühl und Geduld, „weil so viel Arbeit in Kooperation mit dem Denkmalschutz reingesteckt werden muss“, sagt Hüsken.

„Sinnesfreuden“ gibt es hier länger nicht mehr, die Räumlichkeiten stehen leer.
„Sinnesfreuden“ gibt es hier länger nicht mehr, die Räumlichkeiten an der Säggasse stehen leer. © Karl Bock

An der Marktstraße 41 ist im Juli ein Büro des Immobilienunternehmens „Engels & Völkers“ eingezogen. Warum man in Bad Tölz einen Standort gewählt habe, erklärt Alexander Kirchmann, Director Sales bei Engel & Völkers München, auf Anfrage. Das Marktpotenzial und die Nachfrage seien derzeit besonders hoch. „Engels & Völkers“ betreue viele Kundinnen und Kunden aus der Stadt und dem Umland. Dies seien sowohl Eigentümer als auch Kaufinteressierte. „Die Nachfrage ist groß, und wir möchten durch den neuen Shop noch näher dran sein, um unsere Dienstleistung persönlich, schnell und auf höchsten Niveau anbieten zu können“, so Kirchmann weiter.

Neue Bekleidungsgeschäfte in der Marktstraße

Umgezogen von der Hausnummer 21 in die Nummer 17 ist das Modegeschäft „tragbar“, in der 21 befindet sich dafür nun „Toll Z Wood“, ein Laden mit Geschenkideen. Die Räumlichkeiten von „Sport Peter“ werden in zwei Geschäfte im Bekleidungsbereich umgewandelt (wir berichteten). An der Marktstraße 63 zieht ins ehemalige „Tausendschön“ die Maria Johanna-Apotheke ein. Nebenan entsteht wie berichtet im „Benetton“ ein Café.

Aprilscherz wirkt nach

An der Lenggrieser Straße 4 ist „Legendary 60 Tattoo“ eingezogen, in die Hausnummer 5 eine Sushi-Bar. Weiterhin leer steht das ehemalige „Sinnesfreuden“ an der Jägergasse, hier wird laut Herrmann noch ein Nachmieter gesucht. Dagegen haben sich die Hausbesitzer an der Kirchgasse entschieden, die Räumlichkeiten des früheren Frisörs Krinner nicht mehr zu vermieten.

Ein Aprilscherz von „Meier‘s Familienbäckerei“ wirkte länger nach. Auf ihrer Instagram-Seite verkündete die Bäckerei den Abschied aus Reichersbeuern und den Umzug nach Bad Tölz – was wenig später als Scherz aufgelöst wurde. Dennoch, berichtet Inhaber Florian Meier, sei er noch lange darauf angesprochen worden. Tatsächlich gibt es aber in Tölz seit Mai eine neue Bäckerei, die „Tölzer Backstube“ an der Bairawieser Straße. Sie befindet sich in dem Gebäude, in dem früher „Kärcher“ ein Geschäft hatte. „Wir arbeiten und leben schon immer in Bad Tölz“, sagt Fikri Demirkaynak, Betreiber der Bäckerei. Daher habe er sich zur Eröffnung der Backstube entschlossen. „Außerdem ist der Standort ideal für die Anwohner, den Kindergarten und natürlich die vorbeifahrenden Autos.“ Die fertigen Teiglinge „kommen von verschiedenen erstklassigen Herstellern, die wir selber fertigbacken“, sagt Demirkaynak. Im Angebot sind neben Broten, Semmeln und Snacks auch süße Backwaren sowie Getränke wie Kaffee oder Matcha.

Das vordere Haus sowie das angrenzende gelbe Gebäude stehen zum Verkauf.
Das vordere Haus an der Bockschützstraße sowie das angrenzende gelbe Gebäude stehen zum Verkauf. © Arndt Pröhl

Von Tölz nach Sachsenkam ist das Autohaus Geisreiter umgezogen. Seit Juli steht das Geschäft an der Osterleite nun leer. Wie Rathaus-Sprecherin Birte Stahl mitteilt, sei das Grundstück im Flächennutzungsplan als Mischgebiet dargestellt und liege im Innenbereich. Dort könnte Gewerbe betrieben werden, „man könnte aber auch an Wohnen denken“, so Stahl. Dies bestätigt auch das Landratsamt, das weiter ausführt, dass dort auch weitere Nutzungen wie Schank- und Speisewirtschaften, Anlagen für Verwaltungen oder Gartenbaubetriebe grundsätzlich möglich wären. Erst wenn ein konkretes Vorhaben vorliegt, könne die Situation bezüglich des Immissionsschutzes bewertet werden, so Landratsamts-Sprecherin Marlis Peischer.

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