Eltern von Eishockeykindern haben sich offenbar über den Zustand von Duschen und Kabinen im Olympia-Eissportzentrum in Garmisch-Partenkirchen beschwert. Vollkommen zu Unrecht, wie die Leiter der Gemeindewerke nun bei einem Rundgang betonen.
Der Verwaltungsrat der Gemeindewerke traf sich zuletzt zu einer Sitzung im Olympia-Eissportzentrum. Wo vor einigen Wochen noch die schottischen Journalisten im Foyer der Halle II ihre Arbeit verrichteten, standen nun Tische, Stühle und ein Projektor samt kleiner Leinwand. Dort wollte Werkechef Wodan Lichtmeß dem Aufsichtsgremium im normalen Zyklus Bericht erstatten.
Der Ort war weise gewählt. Denn das Olympia-Eissportzentrum (OEZ) hatte es zuvor mal wieder in den Gemeinderat geschafft. Martin Sielmann (Freie und Liberale) echauffierte sich in einer Nachfrage an den Markt über das Umfeld, das dem Eishockeynachwuchs dort geboten wird. Er sprach von „unhaltbaren Zuständen“ in den Umkleidekabinen. „Nach Elternberichten sind diese teilweise von Schimmel befallen. Die Einrichtung ist uralt. Sanierungen finden nicht statt, es sei denn, die Eltern legen selbst Hand an“, monierte er im schriftlichen Antrag.
In zehn Jahren 4,64 Millionen Euro in Anlage investiert
Den Verantwortlichen kam die Sitzung des Gremiums daher wie gerufen. Denn an sie koppelten die Gemeindewerke eine Besichtigung des OEZ sowie des benachbarten Alpspitz-Wellenbads, zu der die Mitglieder des Marktgemeinderats eingeladen waren. Im Vorfeld gab es zudem einen Termin für die Presse, um gemeinsam die Bedingungen vor Ort genauer unter die Lupe zu nehmen. Während des Rundgangs untermauerten Lichtmeß, seine Stellvertreterin Dr. Sabine Wagner und Abteilungsleiterin Barbara Oberfranc, dass seit 2013 unter anderem im alten Trakt aus den 1930er Jahren rund 400 000 Euro in Sanierungen der Kabinen investiert wurden. „Es stimmt einfach nicht, dass wir nur ins Wellenbad investieren“, betonte Wagner. Als Technische Leiterin hatte sie sich die Arbeit gemacht und aufgelistet, wie viel die Werke in den vergangenen zehn Jahren insgesamt in die Anlage gesteckt haben. Die Summe unterm Strich: 4,64 Millionen Euro. Sie flossen in die Umkleiden, die Lüftung, die Beleuchtung, die Kälteanlage und in den Brandschutz. Kein Wunder, dass die Verantwortlichen verstimmt waren, als Sielmanns Anfrage samt Vorwürfen auf den Tisch flatterte.
Der FDP-Mann handelte jetzt, weil ihn Klagen von Eltern, deren Kinder beim SC Riessersee spielen, erreichten hatten. „Und das seit Jahren, und zwar mündlich und schriftlich.“ Der Lokalpolitiker räumt im Nachgang ein, selbst noch nie vor Ort gewesen zu sein, „da ich keinen Eissport betreibe“. Im Sinne der Bürger des Orts habe er daher den Vorstoß gewagt. Und er ist froh, dass die Begehung der Hallen stattgefunden hat. „Vielleicht haben wir an diesem Spätnachmittag ja etwas erreicht“, spekuliert er. In jedem Fall klingt sein Fazit nach der Tour durchs OEZ erstaunlich versöhnlich: „Ich wünsche mir, dass die Begehung dazu beigetragen hat, dass beide Seiten in diesem Mietverhältnis ihren Pflichten geräuschlos nachkommen, und zukünftig kein Grund für Klagen und Kritik besteht.“
Chef im Nachwuchs-Verein irritiert über Vorgehen von Gemeinderat
Damit bringt er den SCR, konkreter den Nachwuchs-Verein, ins Spiel. Der reagierte erst einmal irritiert auf die Initiative Sielmanns. „Ich habe noch nie mit Herrn Sielmann gesprochen, und das seitdem ich im Vorstand bin“, betont Benedikt Heimstädt, seit diesem Frühjahr Vorsitzender des Vereins. „Er hätte sich ja einfach mal bei uns melden können, bevor er aktiv wird.“ Natürlich gebe es immer wieder Punkte, bei denen die Gemeindewerke und der Verein „unterschiedlicher Meinung“ sind, „aber das besprechen wir selbst mit den Verantwortlichen“. Der SCR sei nicht auf Dritte oder Vierte angewiesen, die sich einschalten. Und dabei gehe es auch nicht um den Zustand der Kabinen, sondern um gewichtigere Themen wie die Kosten fürs Eis und die Zugänglichkeit des Eissportzentrums schon früher im Sommer.
Sielmann betont, dass er sich keineswegs in das Mietverhältnis einmischen wolle. Dennoch habe sich herausgestellt, dass sich speziell der ältere Kabinentrakt, in dem der SCR als Dauermieter sieben Umkleiden und andere Räume mit rund 500 Quadratmetern belegt, in einem nicht so guten Zustand befinde wie der neuere. Den bewirtschaften die Werke direkt und stellen ihn zum Beispiel den Stammtisch-Mannschaften zur Verfügung. „Es zeigte sich, dass die Räume sehr alt sind.“ Duschen und Bäder seien schlecht belüftet worden, „und man kann besser reinigen“. An diesem Punkt hakte Wagner sofort ein. „Genau das ist aber während der Eishockeysaison nicht Aufgabe der Gemeindewerke, sondern des Mieters. Wie in jeder Wohnung.“ 2013 wurde der Bereich unter dem Nordfoyer ihr zufolge grundlegend saniert – auch mit Blick auf den ersten G7-Gipfel im Jahr 2015. Bei jeder Übernahme der Kabinen nach einer Spielsaison im Frühjahr eines Jahres zeige sich, dass zahlreiche Schäden zu beklagen sind. „Zerschlagene Steckdosen, Schmierereien an den Wänden, eben auch schlecht gereinigte Duschen oder Böden“, führte Lichtmeß auf. In einem Raum gab es sogar Schimmelbefall. „Aber nur, weil alle Fenster zugehängt waren und überhaupt keine Luftzirkulation mehr möglich war“, betont Stadionchefin Oberfranc. Die Mannschaft hatte sich dort eigene Regale direkt vor die Fenster gebaut. Dabei war jene Kabine erst 2019 saniert worden, mit neuem Estrich und neuem Boden. Zudem wurden alle Kabinen nach außen mit Gittern versehen, um eine Belüftung jederzeit zu ermöglichen.
Meine news
Ärger über Darstellung: „Da schimpfen Mütter, dass nicht geputzt wird, aber das ist Sache des Vereins“
Grundsätzlich beschreiben die Verantwortlichen das Verhältnis mit dem Verein aber als gut. „Wir lassen sie auch gewähren, wenn sie sich selbst neue Möbel in den Räumen bauen wollen“, sagt Oberfranc. Lichtmeß macht klar, dass aufgrund des langfristigen Mietverhältnisses zudem die Schäden nicht immer sofort reguliert werden müssen. Was ihn schon ärgert, sind dann Darstellungen, wie sie nun Sielmann überbrachte. „Da schimpfen dann Mütter, dass nicht geputzt wird, aber das ist Sache des Vereins.“
Am Samstag, 31. August, beginnt nun offiziell die Eissaison im OEZ. Eine Woche zuvor vermarktet die GmbH des SCR die Anlage quasi in Eigenriege. Sie hat das Eis an den Mann gebracht, um einen früheren Trainingsstart zu erreichen. Grundsätzlich will die Stadionverwaltung das Eissportzentrum aktiver bewerben. „Wir sind jetzt auch auf der Homepage von GaPa Tourismus vertreten“, betont Wagner. Man will die Hallen gemeinsam vermarkten. „Wir hatten heuer schon mehr Anfragen für den Sommer, leider haben sie sich oft überschnitten.“ Hinsichtlich der Investitionen geht es ebenfalls weiter: Die Dachsanierung über dem Foyer zwischen den Hallen steht an, dazu gibt es ein neues Kassensystem. Beide Projekte werden mit Bundesmittel in Höhe von insgesamt 210 000 Euro gefördert. „Es geht immer weiter.“ Und Wagner verspricht: „Wir versuchen, alles möglich zu machen.“