Beim Erhard-Gipfel 2025 gab Ministerpräsident Markus Söder ein Heimspiel in Bestlaune. Jetzt hat er sich als Schirmherr in scharfer Deutlichkeit verabschiedet. Die Organisatoren zeigen sich gelassen.
Gmund - Gipfel-Organisatorin Christiane Goetz-Weimer dürfte sich wehmütig an den Januar vor einem Jahr erinnern. Das vom Verleger-Ehepaar Weimer ins Leben gerufene Treffen der Entscheider aus Politik, Wirtschaft und Medien steuerte auf einen Höhepunkt zu: Friedrich Merz, Stammgast der ersten Stunde und enger Freund, stand vor der Kanzlerwahl und hatte ebenso sein Kommen zugesagt wie Lars Klingbeil (SPD), Christian Lindner (FDP) und Felix Banaszak (Bündnis 90/Die Grünen). Es werde auf jeden Fall „ein Gipfel der Relevanz“, meinte Goetz-Weimer vor dem Gipfel 2025.
Merz und Klingbeil hatten im Mai 2025 dann doch anderes zu tun, als sich am Tegernsee die Ehre zu geben, aber Bayerns Ministerpräsident Markus Söder war präsent und zeigte sich als stolzer Schirmherr. Doch seit die unbewiesenen Vorwürfe im Raum stehen, Wolfram Weimer, inzwischen Kultur-Staatsminister, lasse sich mit sehr teuren Gipfel-Tickets seine politischen Kontakte vergolden, geht Söder auf Abstand. Wie berichtet, hat er am Montag seinen Rückzug als Schirmherr erklärt, als „klare hygienische Entscheidung“. Auch wenn strafrechtlich nichts vorliege, handle es sich doch um eine Grauzone.
Wenn die Weimer Media Group ihrem bisherigen Schirmherrn die harten Worte übelnehmen sollte, so lässt man sich dies nicht anmerken. „Wir begrüßen diese Mitteilung des Ministerpräsidenten“, teilte ein Sprecher gestern mit. Die Entscheidung liege ganz im Interesse des Unternehmens, man habe sie selbst bei Vorgesprächen in der Staatskanzlei vorgeschlagen: „Seit dem Wechsel des ehemaligen Verlegers Weimer in das Bundeskabinett haben wir sehr sorgfältig auf die Trennung der Interessenssphären, über das gesetzlich Notwendige hinaus, geachtet.“
Söder, so heißt es weiter, habe den Gipfel mehrere Jahre begleitet und dabei den Stellenwert des Formats für den politischen und wirtschaftlichen Diskurs hervorgehoben, wofür man ihm danke. Für den Gipfel 2026 hätten sich zahlreiche hochrangige Referenten sowie renommierte Partner und Gäste angesagt. „Und es kommen fortlaufend weitere Zusagen hinzu.“
Fraglich scheint angesichts der Situation die weitere finanzielle Unterstützung aus verschiedenen Töpfen, die Rede ist von 530 000 bis 700 000 Euro. Auch hier zeigt sich die Weimer Media Group gelassen. „Es existiert keine finanzielle Förderung des Gipfels durch das Land Bayern, also kann auch nichts wegfallen“, erklärt der Sprecher. Vielmehr bestünden laufende Kooperationsvereinbarungen mit unterschiedlichen Partnern. Diese seien nicht an Schirmherrschaften oder einzelne institutionelle Unterstützer gebunden.
Üblicherweise werden rund 1000 Besucher an jedem Gipfel-Tag erwartet. Ein Punkt, der für Tourismus-Chef Christian Kausch zählt, auch wenn das für die Region keinen „besonderen Peak“ bedeute. Er selbst habe den Gipfel als „tolles, hochwertiges Format mit großartigen Teilnehmern“ erlebt, so Kausch. Den Gipfel 2026 werde er „wahrscheinlich nicht“ besuchen, wie schon die vergangenen Jahre. Der Werbeeffekt fürs Tegernseer Tal sei indes beträchtlich: „Die Veranstaltung hat eine große Ausstrahlung.“