Zeitlos aktuell: Stefan Murr über ZDF-Zweiteiler „Sturm kommt auf“

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Kleine Rolle, große Wirkung: Stefan Murr (re.) spielt in dem Zweiteiler „Sturm kommt auf“ den Juwelier Sulerschmid, einen  typischen Emporkömmling des Nationalsozialismus. In dieser Szene ist er mit Josef Hader zu sehen, der die Hauptfigur, den Schuster Julius Kraus, darstellt. © Claussen+Putz Filmproduktion/Fabio Eppensteiner

Der ZDF-Zweiteiler „Sturm kommt auf“ beleuchtet den Aufstieg des Nationalsozialismus in einem bayerischen Dorf. Der Tölzer Schauspieler Stefan Murr spielt darin den Juwelier Sulerschmid – einen Mitläufer, der vom Faschismus profitiert. Im Interview spricht er über das Filmprojekt.

Bad Tölz – Filmkritiker zeigen sich begeistert: Sie sprechen von einem hervorragend besetzten Historiendrama und einem bewegenden Anti-Heimatfilm. Der ZDF-Zweiteiler „Sturm kommt auf“ (Regie: Matti Geschonneck), der am Montagabend (10. November) deutsche TV-Premiere feierte, erzählt vom Aufstieg des Nationalsozialismus in einem kleinen bayerischen Dorf während der Weimarer Republik. Im Zentrum steht die ergreifende Geschichte des Schusters Julius Kraus (Josef Hader). Das Drehbuch basiert auf dem Roman „Unruhe um einen Friedfertigen“ von Oskar Maria Graf.

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In einer Nebenrolle ist der gebürtige Tölzer Stefan Murr zu sehen, bekannt unter anderem durch seine Auftritte beim traditionellen Singspiel zum Starkbieranstich auf dem Münchner Nockherberg. Er verkörpert den Juwelier Sulerschmid – einen Mann, der vom erstarkenden Faschismus profitiert und schließlich zum NS-Ortsgruppenführer aufsteigt. Über seine Rolle und das besondere Filmprojekt sprach der Tölzer Kurier mit dem Schauspieler, der in München lebt.

Sie spielen in dem TV-Zweiteiler „Sturm kommt auf“ den Juwelier Sulerschmid, der Profiteur des aufkommenden Nationalsozialismus ist und zum NS-Ortsgruppenführer aufsteigt. Was hat Sie an dieser Rolle besonders fasziniert?

Mich hat grundsätzlich fasziniert, wie es möglich ist, dass so etwas schleichend stattfindet, wie Menschen moralische Verankerungen beiseiteschieben, um Erfolg zu haben und Karriere zu machen. Ich finde den Stoff sehr spannend, weil er natürlich auch sehr aktuell ist. Das besonders Schöne an dem Film ist, dass er so ruhig ist, wie ein fließender Fluss, der da quasi dem Schlechten entgegenfließt – und man kann ihn nicht aufhalten.

War es für Sie schauspielerisch schwierig, einen Nazi darzustellen?

Ich finde es immer spannend, auch Antipoden, negative Charaktere, zu spielen. Da ich sehr weit weg bin von der Ideologie und dem Gedankengut einer solchen Figur, macht es Spaß, in so eine Rolle einzutauchen. Mir fällt es, ehrlich gesagt, nicht schwer. Es ist ja auch der Reiz, eine vermeintlich böse Figur auf einer ruhigen Ebene zu spielen. Er (Sulerschmid, Anm. d. Red.) wird ja nie laut. Er ist ja immer ruhig. Das finde ich schon sehr spannend, einen bösen Charakter nicht böse zu spielen. Und dadurch wird er nur böser. Man muss ja auch die Täter zeigen, wie sie ticken. Ich habe da keine Scheu davor.

Ein wesentliches Element der Figur, die Sie darstellen, ist der Judenhass. Sehen Sie Parallelen zur Gegenwart?

Ja, mit Sicherheit. Nur ich finde, man kann das aktuell gar nicht auf Antisemitismus reduzieren. Im Moment gibt‘s ja Hass in alle Richtungen. Es werden verschiedenste Menschen, Völker, Länder, Gesinnungen gehasst. Es ist eigentlich ein Sinnbild dafür, wie sich der Hass ausbreitet und wie man Profit daraus schlägt. Das ist sehr aktuell.

Was war für Sie das Besondere an diesem Filmprojekt?

Es ist natürlich großartig, mit Josef Hader zu spielen und zu arbeiten. Und die restliche Besetzung war auch großartig. Der Regisseur Matti Geschonneck hat mit der „Wannseekonferenz“ gezeigt, dass er in dem Bereich sehr bewandert ist und dass ihm dieses Thema auch sehr am Herzen liegt. Und ich finde einfach, dass Oskar Maria Graf verfilmt gehört, weil er so zeitgemäß ist.

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