Christopher Kloeble verarbeitet Knabenchor-Erfahrungen im Roman

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Vor rund 30 Zuhörern im Hanfstänglhaus berichtete Christopher Kloeble (in Schwarz) im Gespräch mit Moderator Andreas Steppan über sein Buch. © Rainer Bannier

Im Tölzer Hanfstänglhaus stellte der Autor seine Geschichte über den Tölzer Knabenchor und die Folgen von Machtgefälle vor.

Bad Tölz - In einem Autorengespräch und einer literarischen Lesung hat der erfolgreiche Autor Christopher Kloeble am Samstag im Tölzer Hanfstänglhaus seinen neuen Roman „Durch das Raue zu den Sternen” vorgestellt. Der heute 43-Jährige ist in Königsdorf aufgewachsen und hat in Bad Tölz das Gymnasium besucht. Seine Romanheldin, eine 13 Jahre alte Heranwachsende, hat einen Plan: Sie will als erstes Mädchen in einen weltbekannten Knabenchor aufgenommen werden.

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Die Namen aller Protagonisten und Örtlichkeiten sind Fiktion, aber der Autor legt es seinen Lesern – erst recht natürlich jenen aus seiner Tölzer Heimat – doch sehr nahe, dass der Roman ein Stück weit als wahre Geschichte über den Tölzer Knabenchor gelesen werden kann. Wo genau die Grenzen zwischen Erfindung und Wahrheit liegen, bleibt dabei offen.

Methoden schwierig für sensiblere Naturen

Durch den umstrittenen Führungsstil seines Chorleiters war der Tölzer Knabenchor bereits in den 1960er-Jahren in Turbulenzen geraten. Christopher Kloeble schöpfte seine persönlichen Erfahrungen aus der Zeit von 1988 bis 1994, als er selbst dem Chor angehörte. Im Autorengespräch mit Kurier-Redakteur Andreas Steppan bekannte er, wie sehr ihn diese Zeit umgetrieben habe. Er schilderte, mit welch rabiaten und herabwürdigenden Methoden der Chorleiter die ihm anvertrauten Buben zu musikalischen Höchstleistungen gepeitscht habe. Starke Naturen mag das noch stärker gemacht haben, aber sensiblere Naturen konnten daran auch zerbrechen.

„Wie in einem Haifischbecken gegenseitig fertig gemacht“

Ehemalige hätten sich in etlichen Zuschriften bei ihm für seine Offenlegungen bedankt und von ihren eigenen zwiespältigen Gefühlen berichtet, so Kloeble. Neben der Dankbarkeit für großartige Musikerfolge und Konzertreisen klang dabei auch an, welche lebenslangen Spuren der enorme Druck sowie die Angst vor Bloßstellungen und Beschimpfungen des Chorleiters bei ihnen hinterlassen hatten. Die Ohnmacht der Chorbuben infolge dieses Machtgefälles habe auch dazu geführt, dass sie untereinander eine „Hackordnung“ entwickelt und sich „wie in einem Haifischbecken gegenseitig fertig gemacht“ hätten.

Viel Ballast auf der Seele

Der Romantitel ist angelehnt an das berühmte Seneca-Zitat “Per aspera ad astra” (frei übersetzt: durch Mühe erreicht man sein Ziel). Im Roman ist es Arkadia Fink, die – angetrieben von der großen Liebe zur Musik und zu ihren nicht greifbaren Eltern – der Welt beweisen möchte, was man erreichen kann, wenn man sich nicht anpasst und Regelverstöße bewusst in Kauf nimmt. Ihre verschwundene Mutter, eine extravagante und unangepasste Querulantin, gerät im Roman fast zur Karikatur: Als Musikerin und Komponistin ist sie gescheitert und übrigens überzeugt davon, dass Beethoven eine Frau war. Mit viel Ballast auf ihrer Seele und im Innersten zutiefst verunsichert, schafft es ihre Tochter Arkadia trotzdem mit Willenskraft und gegen alle Hürden und Demütigungen, als erstes Mädchen in den Chor. Wenn sie im weltbekannten Chor mitsingt, so ihre fixe Idee, dann kann sie es schaffen, ihre Mutter zurückzugewinnen. Ob und wie ihr das gelingt, das erfährt nur der Leser.