Mit raffinierten Diebstählen, Entführungen oder gar Mord verdient Tatiana Morlock ihr Geld.
Polling - Die 41-Jährige aus Polling (Landkreis Weilheim-Schongau) begeht freilich keine realen Verbrechen, sondern denkt sich Kriminalfälle nur aus, um Leute mit der spannenden Suche nach dem Täter zu unterhalten. „Das ist mein absoluter Traumberuf“, schwärmt sie, „denn schon als Mädchen habe ich gern kleine Geschichten und Spiele verfasst.“
Nach ihrem Studium und Volontariat bei einem Verlag arbeitete Morlock bei der Industrie- und Handelskammer sowie beim städtischen Wohnungsamt in München, „was allerdings nicht gerade meiner wahren Leidenschaft entsprach“. Die entdeckte sie während ihrer Elternzeit wieder und schrieb mehrere Bücher wie „111 Alltags-Abenteuer, die glücklich machen“ oder „77 tolle Sachen machen“.
Schließlich machte eine Freundin sie auf eine Stellenanzeige aufmerksam, „und so bekam ich auf Anhieb meinen Traumjob als Krimi-Trail-Autorin“. MyCityHighlight heißt der Anbieter von digitalen Freizeiterlebnissen, für den Morlock seit zwei Jahren mit spürbarer Begeisterung tätig ist. Die Krimi-Trails (auf deutsch: Pfad oder Weg) sind konzipiert als Outdoor-Gruppenerlebnis für Freunde, Paare, Schulen, Vereine oder Firmenausflüge mit jeweils bis zu fünf Personen pro Team. Wer Freude am Rätseln hat und mindestens zwölf Jahre alt ist, kann den Krimi-Trail auf der Internetseite erwerben, herunterladen und dann jederzeit und ohne Voranmeldung loslegen.
Dem Täter auf der Spur
„Das macht den Teilnehmern ebenso viel Spaß wie mir beim Erfinden“, sagt die Autorin. Sie überlegt sich daheim in Polling einen spannenden Fall – zum Beispiel einen spektakulären Kunstraub – und fährt dann in die Stadt, wo er spielt. „Dort schaue ich mir die Ermittlungsgegend und Rätselpunkte an und mache viele Fotos für die digitale Schnitzeljagd nach dem Täter.“ Solche Trails gibt es bisher unter anderem für München, Nürnberg, Augsburg, Rosenheim und Würzburg.
So funktioniert das Ganze: In der Krimi-Akte findet man den Ermittlungsauftrag. Nachdem die Hobby-Detektive den Tatort aufgesucht haben, besuchen sie mit einem internetfähigen Handy die Wohn-, Arbeits- und Freizeitorte der möglichen Täter in einer selbst festgelegten Reihenfolge, um so weitere Hinweise und Beweise im Chat mit der Einsatzzentrale zu erhalten. Von Ort zu Ort kann sich die Beweislage verdichten, da weitere Hinweise hinzukommen.
Nach und nach gelingt es, Verdächtige auszuschließen und den Bösewicht ausfindig zu machen. Sobald er gefunden wurde, kann er mittels mitgeliefertem Haftbefehl-Code überführt und der Fall schließlich gelöst werden. „Die Teilnehmer entscheiden selbst, welchen Spuren sie zuerst folgen wollen“, erklärt Morlock. „Ich achte darauf, dass die Suche möglichst abseits der üblichen Touristenpfade verläuft – so kann man eine Stadt ganz neu kennenlernen.“
Eigene Fälle für Kinder
Wird der Krimi-Trail als Wettkampf gegeneinander absolviert, starten die gegeneinander antretenden Teams (maximal fünf Personen pro Gruppe) gemeinsam am Tatort, wo sie das Starträtsel lösen und sich dann dem Fall sowie den Tatortbeweisen widmen. Die digitale Schnitzeljagd gibt es in einfacherer Form auch für Kinder oder Schulklassen. „Dabei arbeiten die Kinder bei der Lösung des Falls zusammen und werden von Detektiv Dachs an die Lösung herangeführt.“ Der Dachs ist die Symbolfigur für diese Detektiv-Trails, bei denen es nicht um Verbrechen, sondern um kindgerechte Rätsel geht.
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Neuer Fall in München
„Das ist der erste Job, der mir richtig Spaß macht!“, sagt Tatiana Morlock, die schon wieder einen neuen Fall im Kopf hat. Erst seit kurzem gibt es auch das Outdoor- Escape-Spiel „Find-the-Code“ mit vielen interaktiven Rätseln.
Dabei müssen die Spieler in München einen Erpresser aufhalten, der die Kontrolle über das Verkehrsleitsystem übernommen hat und droht, zwei U-Bahnen zusammenstoßen zu lassen. Um den Verbrecher zu stoppen, müssen die Spielenden einen achtstelligen Geheimcode entschlüsseln – zwei spannende Stunden sind garantiert.
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